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Solingen
Das Pik-Ass ist in neuen Händen

Solingen: Das Pik-Ass ist in neuen Händen
Stephan (l.) und Benno Burghaus haben das alteingesessene Solinger Schneidwarenunternehmen Friedr. Herder Abr. Sohn übernommen. FOTO: Stephan Köhlen
Solingen. Der Familienbetrieb von Benno und Stephan Burghaus hat zu Beginn dieses Monats das 1727 gegründete Schneidwarenunternehmen Friedrich Herder Abraham Sohn übernommen. Von Uwe Vetter

Alte Schätzchen bestimmen das großräumige Büro im Gebäudekomplex an der Obenitterstraße in Wald, in dem früher einmal die Klopp Maschinenfabrik beheimatet war und in dem nun seit Jahren bereits ein Gewerbepark mit verschiedenen Firmen untergebracht ist. In Regalen stehen Verkaufsbücher und Kommissionsbücher, zudem unter anderem Umsatzlisten für Belgien und die Niederlande. Das älteste stammt aus dem Jahr 1869. In allen Büchern besticht die fein säuberliche Schrift, so, wie es vor mehr als 100 Jahren die Regel und an Computer überhaupt noch nicht zu denken war. Im alten, schweren Tresor hat Benno Burghaus auch eine Kamera gefunden, die ebenfalls gut 100 Jahre auf dem Buckel hat.

All das sind Hinterlassenschaften des 1727 gegründeten Schneidwarenunternehmens Friedr. Herder Abr. Sohn, das einst auf dem Gelände des heutigen Gründer- und Technologiezentrums am Grünewald seine Blütezeit erlebte - und Mitte der 1990er Jahre mit der Messer- und Scherenfertigung nach Wald umgezogen war.

"Wir sind seit 15 Jahren Zulieferer für Friedr. Herder Abr. Sohn, zum 1. Juni haben wir das Unternehmen übernommen", sagen Benno Burghaus und sein Sohn Stephan, die jetzt die Geschäfte des Traditionsunternehmens führen. Und dadurch in der Lage sind, beispielsweise Messer komplett zu fertigen.

Geschmiedete Messer und Gabeln, Schleif - und Härtearbeiten - die Bearbeitung von Stahlwaren ist dem 55-jährigen Benno Burghaus als ausgebildeten Scherenmonteur und -schleifer nicht fremd. Seit 37 Jahren ist er selbstständig in der Branche und bietet seine Dienstleistungen als Zulieferer an. Zu seinem Unternehmen mit Hauptsitz an der Oberen Dammstraße gehört auch eine Schmiede.

Zusammen mit seinem Sohn Stephan (26), der zurzeit auch noch Maschinenbau in Aachen studiert, will er nun mit der Friedrich Herder Abraham Sohn GmbH "geschmiedete Nischenprodukte" produzieren - für den europäischen Markt ebenso wie für Asien und Südamerika. Märkte, in denen Herder mit seinem Warenzeichen, dem "Pik-Ass", einen guten Ruf hat. "Für uns als kleiner Familienbetrieb ist das ein großer Schritt. Aber für die Geschäftsnachfolge erforderlich", sagt Benno Burghaus mit Blick auf seinen Sohn.

Klingen und Oberteile hat Burghaus ohnehin im Auftrag von Herder seit Jahren gefertigt. Im Unternehmen an der Obenitterstraße, das jetzt übernommen wurde, erfolgte die Endmontage. "Die alten Herder-Bände sind ein riesiger Fundus für Schneidwaren. Hier können wir auch Anregungen für neue Produkte entnehmen", freuen sich Stephan und Benno Burghaus. Die Friedr. Herder Abr. Sohn GmbH wird indes nicht mehr lange an der Obenitterstraße bleiben. Der Familienbetrieb mit derzeit 15 Mitarbeitern an drei Standorten wird den neuen Unternehmensbereich zur Oberen Dammstraße verlegen. "Bis Mitte 2016 soll der Umzug abgeschlossen sein", sagt Stephan Burghaus. An der Oberen Dammstraße hat die Familie Burghaus über 2000 Quadratmeter Betriebsfläche zur Verfügung. "Da ist noch Platz, und durch den Umzug können wir uns auch von Maschinen trennen, die durch den Zukauf doppelt vorhanden sind", sagt Burghaus.

Quelle: RP
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