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Uwe Mensch
Das Umfeld für Exporte wird schwieriger

Uwe Mensch: Das Umfeld für Exporte wird schwieriger
Die Solinger Schneidwaren- und Besteckindustrie ist in den USA stark engagiert. Rückschläge beim freien Welthandel treffen die exportorientierten Unternehmen. FOTO: Martin Kempner (Archiv)
Solingen. Der Geschäftsführer der Industrie- und Handelskammer sieht die Geschäftserwartungen etwas eingetrübt.

Die Umsätze der Solinger Industrieunternehmen mit mindestens 50 Beschäftigten sind gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres um 2,7 Prozent zurückgegangen. Müssen sich die Unternehmen auf magere Zeiten einstellen?

Mensch Es kann nicht immer konjunkturell aufwärtsgehen. Nach einer langen Phase mit einer relativ guten und stabilen Entwicklung muss man mit Rückschlägen rechnen. Die Geschäftserwartungen haben sich in der Tat etwas eingetrübt. Aber 80 Prozent der Solinger Unternehmen, und sogar 96 Prozent der Industrieunternehmen, halten ihre aktuelle Geschäftslage immer noch für gut oder befriedigend.

FOTO: Photographer: Malte Reiter

Mit den Exportumsätzen sieht es auch nicht rosig aus. Hier ist ein Minus von 5,6 Prozent zu verzeichnen. Steuert die Wirtschaft auf einen Abschwung, wenn nicht gar auf eine Rezession zu?

Mensch Das Umfeld für Exporte wird seit einigen Jahren schwieriger. China, Russland und die USA geben Anlass zur Sorge. Auch die Unsicherheiten durch den angekündigten Brexit in Großbritannien machen das Geschäft nicht einfacher. Solingen hat aber auch außerhalb der Industrie erfolgreiche Unternehmen. Der Industrieanteil und damit die Abhängigkeit von der Industrie sind in Solingen niedriger als in den beiden anderen bergischen Großstädten. Für eine unmittelbar bevorstehende Rezession gibt es keine Anzeichen.

Chemie-, Kunststoff- und Elektroindustrie liegen noch im Plus. Woran liegt das?

Mensch Die Branchen Chemie, Kunststoff und Elektro haben nur einen Anteil von gut acht Prozent an den Solinger Industrieumsätzen. Die gute Entwicklung dieser Branchen kommt eher der Nachbarstadt Wuppertal zugute. Denken Sie beispielsweise an das Erfolgsprodukt Thermomix der Firma Vorwerk. Für Solingen sind insbesondere Automotive sowie die Schneidwaren- und Besteckindustrie wichtig.

Die bergische Wirtschaft ist sehr exportorientiert. Könnte der neue US-Präsident Trump den Bergischen das Geschäft verhageln?

Mensch Die USA sind unser viertgrößter Exportmarkt. Gut sechs Prozent sämtlicher Exporte gehen in die USA. Insbesondere die Schneidwaren- und Besteckindustrie ist in den USA stark engagiert. Insofern treffen natürlich Rückschläge beim freien Welthandel die exportorientierten Unternehmen, deren Beschäftigte, die städtischen Finanzen und die Region.

Ist die Industrie im Städtedreieck immer noch die dominierende Branche?

Mensch Die Industrie bleibt in Solingen dominant, insbesondere im landesweiten Vergleich - auch wenn der Wertschöpfungsanteil inzwischen unter 26 Prozent liegt. Folglich sind auch andere Wirtschaftszweige, zum Beispiel die unternehmensnahen Dienstleister, für die Solinger Entwicklung bedeutsam. Diese Branchen sind aber oftmals von Aufträgen der Industrie abhängig.

Niedrigzinsen, Digitalisierung, verschärfte Rahmenbedingungen - die Banken und Sparkassen auch in der Region müssen kämpfen und sich neu aufstellen. Wie können die zu stabilem Wachstum zurückfinden?

Mensch Die aktuellen kreditwirtschaftlichen Rahmenbedingungen deuten eher darauf hin, dass eine Schrumpfungsphase eintreten wird. Im Wettbewerb können diejenigen Kreditinstitute bestehen, die sich optimal an die Bedürfnisse ihrer Kunden anpassen und ihre Leistungen effizient erbringen. Dabei sind verschiedene Strategien denkbar. Es ist aber nicht unsere Aufgabe, den Banken und Sparkassen hierzu Empfehlungen zu geben.

Haben regionale Kreditinstitute wie die Sparkassen oder die Volksbank mit ihren Geschäftsstellennetzen und der Kundennähe in Zukunft überhaupt eine Chance gegenüber Direktbanken beziehungsweise Großbanken?

Mensch An der Digitalisierung kommen auch die Banken und Sparkassen der Region nicht vorbei. Sie kann helfen, Kosten zu senken. Das heißt aber nicht, dass die Nähe zu den Kunden und direkte Kundengespräche unwichtig werden. Der Wert eines gut funktionierenden Filialnetzes ist deshalb nicht zu unterschätzen.

Otto Normalverbraucher muss mit ansehen, wie sein Erspartes immer weniger wird. Die Zinsen sind im Keller, und auch Lebensversicherungen bringen nicht mehr die Erträge wie vielleicht früher. Was würden Sie raten ?

Mensch Guter Rat fällt da schwer. Die Niedrigzinsphase wird nicht ewig dauern. Solange die Inflation nahe Null liegt, kann man vielleicht auch mit niedrigen Zinsen leben. Wer die Möglichkeit dazu hat, sollte seine Geldanlagen etwas streuen beziehungsweise diversifizieren.

UWE VETTER FÜHRTE DAS GESPRÄCH

Quelle: RP
 
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