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Solingen
Datensicherheit: Mensch ist die größte Schwachstelle

Solingen. Systemhaus Erdmann klärte gestern im Gründer- und Technologiezentrum über Cyberkriminalität auf. Von Alexander Riedel

Die Beispiele schockierten die Zuhörer - und gehören für IT-Experte Tobias Erdmann beinahe zum Alltag: Er berichtete vom scheidenden Geschäftsführer einer sozialen Einrichtung, der alle Kundendaten per E-Mail an die Adresse seines künftigen Arbeitgebers versandte - und über einen falschen Empfänger in seinem Verteiler stolperte. "Er ist jetzt nirgendwo mehr Geschäftsführer", sagte Erdmann. Einen ganzen Vormittag lang brachte der Inhaber des gleichnamigen Unternehmens gestern 30 angemeldeten Gästen aus verschiedenen Wirtschaftszweigen die Sicherheitsrisiken im digitalisierten Umgang mit vertraulichen Daten nahe. "Cyberkriminalität kann jeden treffen", war das Thema der Veranstaltung im Lieferkontor des Gründer- und Technologiezentrums. Besonders beeindruckt waren die Gäste vom Vortrag des IT Security-Spezialisten Marco di Fillipo. Der zeigte mit einem "Live Hacking", wie schnell vermeintlich sichere Zugangsdaten geknackt sind. Die Folgen reichen von erheblichen finanziellen Verlusten bis zum Selbstmord der Opfer, deren intime Geheimnisse plötzlich ihr ganzes Umfeld kennt.

"Jeder kann betroffen sein, vom mittelständischen Unternehmer bis zum Spitzenpolitiker", betonte Tobias Erdmann. Angriffsziele seien dabei nicht nur lokale Netzwerke, sondern auch mobile Endgeräte wie Smartphones. "Wir erleben oft, dass Cyberkriminalität für etwas Abstraktes aus Filmen oder Romanen gehalten wird, das nicht im realen Leben vorkommt", sagt Erdmann, dessen Firma mittelständische und große Unternehmen im Bergischen Land im Hinblick auf Netzwerktechnik betreut.

"Zwei- bis dreimal pro Woche gehen wir zur Sensibilisierung von Mitarbeiterin in die Betriebe", erklärte der IT-Fachmann. Denn trotz aller neuester Technik sei letztlich der Mensch die größte Gefahrenquelle.

Und die Tipps, die Tobias Erdmann privaten PC-Nutzern geben konnte, sind so simpel wie aktuell: "Verschaffen Sie sich die neueste Antiviren-Software und nutzen Sie ganz unterschiedliche und starke Passwörter." Letztere beinhalten in der Regel eine Kombination aus Groß- und Kleinbuchstaben, Zahlen und Sonderzeichen. Auch vor der Nutzung unbekannter USB-Sticks warnte Erdmann eindringlich. Von der Leichtigkeit, mit der Kriminelle persönliche Daten ausspähen können, war auch Zuhörer Ralf Berger erstaunt, wenn auch nicht überrascht: "Wir machen im Unternehmen viele Mitarbeiterschulungen in diesem Bereich", erklärte der kaufmännische Leiter der Firma Bornemann Signiertechnik in Wermelskirchen. "Für uns ist so eine Veranstaltung immer eine gute Auffrischung", sagte denn auch Sascha Ramm von der Stadt-Sparkasse Solingen.

Regelmäßig bietet das Systemhaus Erdmann Veranstaltungen über Sicherheit in den Informationstechnologien an - und beobachtet einen steigenden Bedarf an Wissen. Das habe schlicht mit der rasanten Entwicklung zu tun, erklärte Tobias Erdmann und führte ein Beispiel an, dass vor einigen Jahren durch das Internet geisterte: "Auf den Bildern zur Papstwahl 2005 sieht der Betrachter ein paar Leute, die mit dem Smartphone fotografieren. Auf einem Foto zur Papstwahl 2013 tun das Tausende."

Quelle: RP
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