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Solingen
De Zoch kütt nit - aber vielleicht später

Solingen: De Zoch kütt nit - aber vielleicht später
Dort, wo jedes Jahr am Rosenmontag am Streckenrand tausende Menschen Karneval feiern, waren gestern Nachmittag nur vereinzelt verkleidete Jecken unterwegs. Zu ihnen gehörten Harald Rambau und Rolf Christmann (v.l.): "Wir haben uns von der Absage nicht abhalten lassen und sind wie seit 20 Jahren losgezogen". FOTO: Radtke
Solingen. Zum ersten Mal seit 26 Jahren ist der Solinger Rosenmontagszug wegen Sturmgefahr ausgefallen. Das große Unwetter blieb zwar aus, dennoch verteidigten die Veranstalter die Absage. Ob der Zug nachgeholt wird, entscheidet sich diese Woche. Von Martin Oberpriller

Die tiefe Enttäuschung stand dem Prinzenpaar sprichwörtlich in die Gesichter geschrieben. Nachdem der traditionsreiche Rosenmontagszug durch die Solinger Innenstadt wegen einer Unwetterwarnung gestern Morgen kurzfristig abgesagt werden musste, begannen für die Jecken der Prinzengarde Blau-Gelb Ohligs bereits kurze Zeit später die Aufräumarbeiten. Noch am Vormittag räumten die Karnevalisten im Beisein von Arnd I. sowie Susanne I. jene Kamelle und Strüssjer wieder vom Prinzenwagen, die eigentlich Stunden später unter das närrische Volk hätten gebracht werden sollen.

"Uns blieb leider keine andere Wahl", sagte derweil Joachim Junker. Bis zuletzt hatten der Vorsitzende des Festausschusses Solinger Karneval (FSK) und seine Mitstreiter darauf gehofft, die schon seit einigen Tagen angekündigten Sturmböen mögen doch noch einen Bogen um die Klingenstadt machen. Aber am Ende blieb dies nichts weiter als eine vergebliche Hoffnung. Nachdem sämtliche Wettervorhersagen auch am Montagmorgen weiter Sturm für Solingen prognostizierten, entschlossen sich die Verantwortlichen dazu, den Zug ausfallen zu lassen.

Damit ist der Rosenmontagsumzug durch die City zum zweiten Mal nach 1990 einer Unwetterwarnung zum Opfer gefallen. Wie vor 26 Jahren erschien den Veranstaltern das Risiko für Zuschauer und Zugteilnehmer zu groß. "Die Absage erfolgte auf Empfehlung von Polizei, Feuerwehr und Ordnungsamt", betonte FSK-Chef Joachim Junker, der mit seinen Vorstandskollegen noch in dieser Woche das weitere Vorgehen besprechen will.

"Im Augenblick sind wir natürlich alle sehr niedergeschlagen und traurig", berichtete Joachim Junker von der Gefühlslage der Solinger Karnevalisten - und richtete gleichzeitig seinen Blick doch schon wieder nach vorne. "Wir haben zwar keinen genauen Plan B. Aber wir werden überlegen, ob es eine Möglichkeit gibt, den Rosenmontagszug nachzuholen", gab sich Junker nach der ersten Enttäuschung kämpferisch.

Gleichwohl gelte es zunächst, Termine für einen verspäteten Rosenmontagszug zu finden, hieß es vonseiten des FSK, der darüber hinaus zu prüfen hat, inwieweit der zu erwartende organisatorische Aufwand einen Zug außerhalb der Session rechtfertigt.

Zumal die Narren zunächst ganz andere Probleme plagen. Denn abgesehen von dem logistischen Kraftakt, den der FSK gestern zu schultern hatte (so mussten viele Gruppen und Teilnehmer in kurzer Zeit über die Absage informiert werden), kommt auf die Jecken in den nächsten Tagen jede Menge Arbeit zu. So gilt es unter anderem zu klären, was mit den vielen Kamelle geschieht, die nicht verteilt wurden. Allein auf dem Prinzenwagen befanden sich rund 500 Kilo an Bonbons. Und die Verantwortlichen müssen sich überdies einen Überblick darüber verschaffen, wie teuer sie zum Schluss der Zug-Ausfall kommt.

"Die Verluste lassen sich noch nicht abschätzen", sagte Joachim Junker, der allerdings davon ausgeht, dass der Festausschuss auf erheblichen Kosten sitzen bleiben wird. So sollen noch in dieser Woche Gespräche mit Institutionen wie dem Deutschen Roten Kreuz laufen, kündigte FSK-Chef Junker am Montagmittag an.

Zu diesem Zeitpunkt waren die Aufräumarbeiten der Narren größtenteils beendet. Nur vereinzelt standen in der Innenstadt noch vergessene Absperrgitter herum. Ansonsten erinnerte aber nichts an das Treiben, das an normalen Rosenmontagen in der City üblich ist. Lediglich ab und zu tauchten Kostümierte auf, die in Ermangelung des Straßenkarnevals das Feiern in Kneipen verlegten oder die After-Zoch-Party im Theater und Konzerthaus ansteuerten.

Tatsächlich blieben die angekündigten Sturmböen mit Windstärken von bis zu 10 gestern weitgehend aus. Dennoch standen die Verantwortlichen zu der Absage. Die Vorhersagen vom Vormittag hätten Schlimmes befürchten lassen, hieß es am Nachmittag aus dem Solinger Rathaus.

Derweil zeigte sich Oberbürgermeister Tim Kurzbach vorsichtig optimistisch. Das Stadtoberhaupt hatte eigentlich vorgehabt, mit seiner Dezernentenriege erstmals auf einem eigenen Wagen am Rosenmontagszug teilzunehmen. "Der Wagen wird jetzt eingemottet", sagte der OB nach der Zugabsage. Bis wann - das vermochte Kurzbach indes noch nicht zu sagen. "Entweder bis zu einem Nachholtermin oder eben bis nächstes Jahr."

Quelle: RP
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