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Im Blickpunkt Auftakt Der Session 2016/17
Der angenehme Stress zum Karneval

Im Blickpunkt Auftakt Der Session 2016/17: Der angenehme Stress zum Karneval
Die kleine Garde der Tanzgruppe Klingenstadt Solingen mit einer Show-Einlage auf der letztjährigen Gala-Sitzung der KG Muckemau. FOTO: Martin Kempner, privat
Solingen. In seiner Funktion als Literat ist Jochen Ritter bei der KG Muckemau für die Planung des Sitzungsprogramms zuständig. Die Vorbereitungen beginnen oft schon lange vor der heute beginnenden fünften Jahreszeit. Von Alexander Riedel

Egal, welch ungemütliches Wetterszenario Petrus für heute auch immer erdacht haben mag: Für die Jecken scheint landauf, landab die Sonne. Die eingemotteten Kostüme können wieder aus der Kiste geholt und närrische Lieder angestimmt werden. In der Ohligser Festhalle hüpft heute Abend der - noch unbekannte - Hoppeditz aus seiner Tonne.

Auch wenn die fünfte Jahreszeit mit dem heutigen Tag erst beginnt - für die Planer im organisierten Karneval geht sie eigentlich niemals zu Ende. "Wir haben das ganze Jahr über zu tun", erzählt zum Beispiel Jochen Ritter. Der 64-Jährige ist seit elf Jahren als Literat, also als Programmgestalter bei der Karnevalsgesellschaft Muckemau, tätig. Zu seinen Aufgaben gehört es, neue Künstler zu sichten und anzuwerben sowie Verträge auszuhandeln. Um die Redner und ihre Bühnenprogramme kennenzulernen, besucht er dazu zwei- bis dreimal pro Jahr sogenannte Vorstell-Nachmittage. "Zu denen wird man eingeladen", erklärt er.

Die KG Muckemau, mit ihrer 116-jährigen Geschichte nach eigenen Angaben die älteste Karnevalsgesellschaft Solingens, richtet im Verlauf der Session mehrere Veranstaltungen aus: Die erste ist der Ordenskommers für geladene Gäste in einer Woche im Theater und Konzerthaus. "Da müssen gerade Technik, Deko und das kleine Programm abgestimmt werden", erzählt Ritter. Sein Beruf als Raumausstatter hatte ihn einst zum Karneval gebracht: Otmar Schick, inzwischen Vorsitzender des Vereins, habe ihn vor 35 Jahren angesprochen: "Er erzählte mir, dass die Muckemau jemanden für den Bühnenbau mit einer künstlerischen Ader suche", erinnert sich Ritter.

So trat er in die Karnevalsgesellschaft ein - und baute jahrelang gemeinsam mit Mitstreitern die eigenen Mottowagen für die Rosenmontagszüge, die jeweils aktuelle Themen der Stadt aufs Korn nahmen. "Einmal haben wir uns mit dem Neubau der Stadtwerke beschäftigt, bei dem auch ein eigenes Schwimmbad im Gespräch war", denkt Ritter zurück. Aus Mangel an Hallen zum Unterstellen ist die KG Muckemau inzwischen dazu übergegangen, Gefährte zu mieten.

"Ich bin ein fröhlicher Mensch, hatte aber ursprünglich nicht unbedingt eine Affinität zum Karneval", gibt Ritter zu. Im Gegensatz zu seiner Ehefrau Ilona, die mittlerweile Präsidentin des Vereins ist. "Früher war der eine reine Männergesellschaft, aber als das geändert wurde, trat meine Frau ein", sagt Jochen Ritter. In der Karnevals-Session 2010/11 eilten die Beiden als Prinzenpaar von einer Veranstaltung zur anderen. "Manchmal waren es sieben Auftritte an einem Tag", erzählt er. "Und da es damals in Wuppertal kein Prinzenpaar gab, pendelten wir immer wieder zwischen den beiden Städten." Da habe man auch schon mal ein halbvolles Glas stehen lassen müssen, um weiterzuziehen.

Die aufwendigste Veranstaltung der Session ist für die KG Muckemau wie für andere Vereine, die Gala im Januar. "Im Sommer macht man sich schon Gedanken über die veränderte Saal-Deko und das Layout für die Plakate", erklärt Ritter. Im unmittelbaren Vorfeld der Veranstaltung erhöhe sich der Arbeitsaufwand mit Kulissentransport und anderen organisatorischen Tätigkeiten naturgemäß. Doch ob die Terminhatz in seiner Zeit als Prinz oder die Arbeit als Literat - als "Stress" will Ritter das alles nicht bezeichnen: "Und wenn, dann ist es angenehmer Stress."

Quelle: RP
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