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Kommentar
Der Hallenbad-Neubau ist wichtiger als ein Naturbad

Solingen. Der Abriss des alten Hallenbades Vogelsang steht unmittelbar bevor. Morgen ist dort letzter Schwimmtag. Von Uwe Vetter

Solingen schwimmt nicht im Geld. Kämmerer Ralf Weeke legte der Kommunalpolitik kürzlich die Eckdaten des Haushaltes 2018 vor. Ende November wird der Stadtrat darüber befinden, nachdem die Parteien zuvor in Klausur gegangen sind. Novum: Seit etlichen Jahren gibt es wieder einen ausgeglichenen Haushalt. Die "Schwarze Null" steht. Das muss sie auch, ist der Ausgleich doch zwingende Voraussetzung dafür, bei der Haushaltskonsolidierung mit Landesgeldern unterstützt zu werden.

Solingen ist Stärkungspaktkommune - seit einigen Jahren wird der Stadt mit rund 20 Millionen Euro unter die Arme gegriffen, um Einnahmen und Ausgaben wieder in den Griff zu bekommen. Das ist gelungen, gleichwohl muss die Klingenstadt bis 2021 aus eigener Kraft schaffen, nicht mehr Geld auszugeben als einzunehmen. Andererseits muss weiter investiert werden. Und hier hat zum Glück ein Umdenken bei der Aufsichtsbehörde stattgefunden. Wenn nachgewiesen wird, dass sich Investition langfristig rechnen, gibt die Bezirksregierung Grünes Licht für Sonderkredite. So können jetzt weitere Kindergärten gebaut und Schulsanierungen vorgenommen werden. Die Feuerwehr wird bis 2030 neu aufgestellt. Auch das öffentliche Schwimmen profitiert durch einen Neubau an der Focher Straße. Das alles kostet Millionen. Auf das alte Hallenbad Vogelsang entfallen allein neun Millionen Euro.

Dort wird am morgigen Sonntag eine Stöpsel-Raus-Party gefeiert. Damit endet die Geschichte des über 40 Jahre alten Bades. Direkt im Anschluss starten die Ausräum- und Abrissarbeiten. Der Neubau entsteht am selben Ort. Wobei schon jetzt vonseiten der Stadt kommuniziert wird, dass das neue Schwimmbad später fertig sein wird als Ende 2018. Vorgabe des Geldgebers ist eigentlich, die Mittel für den Neubau bis Ende kommenden Jahres auszugeben.

FOTO: Kempner Martin

Wie auch immer. Begründungen für die Verzögerungen werden sich finden - und sei es ein harter Winter, der die Bauarbeiten verzögern könnte. Viel wichtiger aber ist, dass es der Stadt gelungen ist, neben dem für Vereins- und Schulschwimmen vorgehaltenen Sportbad Klingenhalle die Bezirksregierung zu überzeugen, dass ein Familienbad für das öffentliche Schwimmen zur Daseinsvorsorge einer Großstadt gehört.

Ein neues und vor allem modernes 25-Meter-Schwimmbecken mit fünf Bahnen wird entstehen, der Eltern-Kind-Bereich bietet ein Planschbecken mit Kinderrutsche und einen sogenannten Nass-Spraypark, das Lehrschwimmbecken misst 12,5 x 8 Meter. Alles kein Luxus, vielmehr Standard von der Stange. Aber auch gut angelegtes Geld, weil ein familienfreundliches Schwimmbad mit moderaten Eintrittspreisen auch jenen Bevölkerungsschichten besuchen können, die finanziell nicht auf Rosen gebettet und sich die hohen Eintrittspreise von Spaßbädern nicht leisten können. Und das neue Hallenbad Vogelsang bietet die Gelegenheit, einfach nur ein paar Bahnen zu ziehen, um sich sportlich fit zu halten. Und Kinder können hier auch Schwimmen lernen. Das alles sind gewichtige Punkte, die für ein neues Hallenbad sprechen - auch wenn es auf Pump finanziert ist.

Der Wunsch aus Teilen der Politik, aus dem mitten im Naturschutzgebiet liegenden Heidebad ein Naturbad zu gestalten, fällt nicht in diese Kategorie. Finanzpolitisch schon gar nicht, hier sprechen aber wohl auch Umweltgründe dagegen.

In ein Bad zu investieren, das nur wenige Wochen im Jahr genutzt werden kann, macht nicht wirklich Sinn. Zumal in diesem Fall die Bezirksregierung wohl keinen Sonderkredit gewähren würde.

Quelle: RP
 
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