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Anke Svensson
Der Kampf gegen den Engpass an Schulen

Anke Svensson: Der Kampf gegen den Engpass an Schulen
Anke Svensson erwartet, dass sich die Zahl der Grundschüler in Solingen bis zum Jahr 2027 um etwa 740 Kinder erhöhen wird. Das würde eine Steigerung von 13 Prozent bedeuten. FOTO: Stephan Köhlen
Solingen. Eine Studie der Bertelsmann-Stiftung prophezeit erhöhte Schülerzahlen. Was das für Solingen bedeutet, erklärt die Leiterin der Schulverwaltung.

Im Jahr 2011 besuchte ich eine Veranstaltung, auf der Eltern um den Erhalt des von der Schließung bedrohten Schulgebäudes Ketzberg kämpften. Damals schien es nicht genug Schüler zu geben. Wie hat sich die Lage seitdem verändert, zum Beispiel was Anmeldezahlen betrifft ?

Svensson Wie alle Kommunen ging auch die Stadt Solingen bis 2011 von einem starken demografischen Wandel mit sinkenden Schülerzahlen und geringeren Anmeldezahlen aus. Als Konsequenz daraus haben wir die Grundschulen Stöcken, Burg und Wittkuller Straße geschlossen und das Nebengebäude der Grundschule Erholungstraße aufgegeben. Doch anders als angenommen haben sich die Schülerzahlen zwischen 2011 und 2016 erhöht - nicht zuletzt aufgrund von Zuzügen.

Gibt es stadtteilspezifische Unterschiede beim Bedarf an Räumen?

Svensson Die aktuell erschienene Bertelsmann-Prognose sagt für die Flächenländer West eine Steigerung der Schülerzahlen von rund 14 Prozent voraus. Der Entwurf des Schulentwicklungsplanes für die Stadt Solingen kommt zu ähnlichen Erkenntnissen. Bis zum Jahre 2027 werden in Solingen etwa 740 Kinder mehr die Grundschule besuchen. Dies macht eine durchschnittliche Steigerung von rund 13 Prozent aus. Über diesem Schnitt liegen die Stadtbezirke Ohligs / Aufderhöhe / Merscheid sowie Burg / Höhscheid mit knapp 14 Prozent.

Wie reagiert die Stadt auf die Studie, nach der es im Jahr 2025 auf ganz Deutschland bezogen rund eine Million mehr Schüler geben wird als von den Kultusministern erwartet ?

Svensson Diese Frage ist nicht einfach zu beantworten. Das liegt daran, dass im Schulbereich sowohl pflichtige als auch freiwillige Aufgaben erfüllt werden. Die Kommune muss eine ausreichende Anzahl an allgemeinen Unterrichtsräumen bereitstellen. Dieser Pflicht wird Solingen natürlich nachkommen. Der Ganztag und andere Betreuungsangebote gehören zu den freiwilligen Aufgaben. Aufgrund der schwierigen Finanzsituation und ohne weitere finanzielle Unterstützung des Landes oder auch des Bundes werden wir hier nicht alles, was wünschenswert ist, umsetzen können. Nach der Sommerpause wird die Stadt Solingen den politischen Gremien im Rahmen der Schulentwicklungsplanung ein abgestimmtes Gesamtkonzept vorlegen, in dem Maßnahmen vorgeschlagen und priorisiert werden.

Welche Maßnahmen zur Erweiterung von Schulen laufen derzeit in Solingen oder stehen in Kürze an ?

Svensson Bereits seit Jahresbeginn werden vier Maßnahmen im Primarbereich geplant. Dabei geht es um die Grundschulen Am Rosenkamp, Bogenstraße, Klauberg und Westersburg. Der richtlinienkonforme Ausbau der Zügigkeit wird damit hergestellt und der vorhandene Instandhaltungsstau abgebaut. Bei den Weiterführenden Schulen wird in diesem Sommer die Großbaumaßnahme für die Gesamtschule Höhscheid beginnen. Sie soll Anfang 2019 abgeschlossen sein. Weitere Ausbaumaßnahmen im Primar- und Sekundarbereich und an den Sekundarschulen werden wir im Schulentwicklungsplan nach der Sommerpause vorstellen. Im Rahmen der politischen Beratungen wird dann darüber entschieden werden.

Einerseits werden zusätzliche Räume benötigt, zugleich ist aber auch der Sanierungsbedarf im aktuellen Bestand immer noch sehr groß. Wie lässt sich beides finanziell stemmen ?

Svensson Neben den aktuellen und prognostizierten Schülerzahlen wirken sich auch politische Entscheidungen auf Landes- oder gar der Bundesebene auf die Schulen aus - und damit auf den entsprechenden räumlichen und finanziellen Bedarf. Sollte nach der Bundestagswahl im September beispielsweise ein Rechtsanspruch auf Betreuung im Primarbereich beschlossen werden, so wie es manche Parteien fordern, würde der ohnehin hohe Finanzbedarf nochmals deutlich ansteigen. Das gilt auch für die Wiedereinführung des Abiturs nach neun Jahren, die die Landesregierung vorsieht. Ohne Unterstützung durch Land oder Bund werden wir diese immensen finanziellen Herausforderungen nicht stemmen können.

Kürzlich sponserte ein Unternehmer Schülern am Weyer iPads. Sind Kooperationen mit der Wirtschaft oder mehr private Initiativen ein Modell, um Kosten für die öffentliche Hand zu reduzieren ?

Svensson Sponsoring ist insbesondere bei Einrichtung und Ausstattung wünschenswert und hilfreich. Das belegen zahlreiche aktuelle Beispiele, wie die Unterstützungen in der Informationstechnik, bei Außenspielgeräten oder Lehr- und Unterrichtsmaterialien. Sogenannte Public-Private-Partnership-Investitionen hingegen wurden vor einigen Jahren in Vergleichsrechnungen untersucht und als nicht ziel- und weiterführend abgelehnt.

Was bedeutet diese Situation für Hausmeister oder Mitarbeiter im Sekretariat ? Sind mehr Einstellungen geplant, oder muss die Arbeitslast anders verteilt werden? Manche Sekretärinnen sollen schon jetzt zwischen zwei Grundschulen pendeln.

Svensson Bei den Schulassistentinnen korrespondiert die Arbeitszeit unter anderem mit der Zahl der jeweiligen Schüler. Bei kleineren Schulen bedeutet dies in der Tat, dass eine Assistentin auch an einer weiteren Grundschule eingesetzt werden muss. Steigen die Schülerzahlen, wird sich dies unter Umständen perspektivisch ändern. Die Höhe der jeweiligen Arbeitszeit wird jährlich überprüft und bei vorliegendem Bedarf angepasst.

ALEXANDER RIEDEL FÜHRTE DAS GESPRÄCH

Quelle: RP
 
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