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Interview Udo Marenski
Der Kotten liegt ihm am Herzen

Interview Udo Marenski: Der Kotten liegt ihm am Herzen
"Jede Schere ist ein kleines Kunstwerk." Udo Marenski zieht in die Werkstatt im Balkhauser Kotten ein und will das Wissen über die Bergische Industriegeschichte und die Solinger Traditionen weitergeben. FOTO: Martin Kempner
Solingen. Ab März wird Scherenmonteur Udo Marenski (54) in die zuletzt leerstehende Werkstatt im Balkhauser Kotten einziehen. Für das Kuratorium ist er ein alter Bekannter.

Wie weit sind Sie mit der Einrichtung Ihrer Werkstatt im Balkhauser Kotten?

Marenski Die Schleifböcke müssen installiert und Strom angeschlossen werden. Außerdem müssen noch Werkbänke rein. Dann kann es am 1. März losgehen.

Was verbindet Sie mit dem Balkhauser Kotten?

Marenski Ich habe schon in der Vergangenheit zwölf Jahre dort gearbeitet. Ich kannte den Schleifer, der damals dort tätig war. Als er den Kotten verließ, hatte ich starkes Interesse und fragte beim Kuratorium an.

Später zog es Sie dann aber weg aus der Klingenstadt.

Marenski Genau. Ich zog in die Eifel, kaufte einen Pferdehof und war dort als Heimarbeiter tätig. Nach meinem Rückzug kam ich zufällig am Balkhauser Kotten vorbei und erfuhr, dass die Werkstatt im November frei geworden ist. Daraufhin bewarb ich mich sofort und bekam den Arbeitsplatz. Die Kuratoriumsmitglieder kannten mich ja auch noch. Ich komme aus Witzhelden, da ist der Weg natürlich auch nicht sonderlich weit. Man muss eigentlich nur den Berg hinunterrollen. Es ist einfach immer wieder schön, am Kotten vorbeizukommen.

Können Sie Ihre Tätigkeit beschreiben?

Marenski Zunächst einmal bin ich ja kein Schleifer, sondern Scherenmonteur und -kontrolleur. Ich führe die Arbeitsgänge nach dem Schleifen aus. Dazu gehören das Schärfen und Abrichten. Im Kotten werde ich freiberuflich an fünf Tagen in der Woche Solinger Firmen zuarbeiten.

Und den Gästen des Balkhauser Kottens Ihr Handwerk demonstrieren.

Marenski Ja. Vorne ist die Scheibe, da kann man sehen, wie ich die Scheren abrichte. Den interessierten Besuchern im Kotten erkläre ich, wie alles funktioniert. Ich werde aber auch defekte Scheren, die die Gäste mitbringen, reparieren, und ihre Messer nachschleifen.

Haben Sie eigentlich einen familiären Bezug zu Ihrem Handwerk?

Marenski Nein, gar nicht. Ich fand es einfach toll, mit Scheren zu arbeiten. Meine Ausbildung machte ich bei Pfeilring in Solingen.

Was macht für Sie den Reiz Ihrer Tätigkeit aus?

Marenski Jede Schere ist ein kleines Kunstwerk. Ich sehe mir auch sehr gern historische Scheren und neue Arbeiten an. Man kann zwar die Schere an sich nicht mehr neu erfinden, aber die Vielseitigkeit der Modelle ist sehr groß und hat mich immer interessiert.

Wie schätzen Sie die Bedeutung des Kottens ein, um die Bergische Industriegeschichte zu vermitteln?

Marenski Der ist sehr wichtig. Das Wissen über diese Solinger Tradition geht immer mehr verloren. Ich habe schon von vielen Leuten gehört, sie seien regelmäßig am Balkhauser Kotten vorbeigefahren, aber noch nie drinnen gewesen. Zum Glück ist das Kuratorium sehr engagiert und rührt die Werbetrommel unter den Besuchern, so dass immer wieder Gäste dabei sind, die den Kotten zum ersten Mal besuchen.

ALEXANDER RIEDEL FÜHRTE DAS GESPRÄCH MIT UDO MARENSKI.

Quelle: RP
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