| 16.21 Uhr

Solingen
Der Krebs ist nicht ihr Feind

Solingen. In ihrem neuen Buch "Ich sehe nur die Rosen" verarbeitet Christel Siede neben vielen anderen Schicksalsschlägen ihre Krebserkrankung. Sie macht mit ihrer lebensbejahenden Einstellung allen Mut, denen es nicht gut geht. Von Annemarie Kister-Preuss

Leute mit Mut und Charakter sind den anderen Leuten immer sehr unheimlich. Dieser Satz von Hermann Hesse hängt am Eingang zum Arbeitszimmer von Christel Siede, und er charakterisiert die Autorin gut. Denn Mut gehört schon dazu, so viele Menschen Anteil haben zu lassen an einem ganz persönlichen und sehr schweren Schicksal. In zwei Büchern hat die gelernte Erzieherin und Mutter von drei Töchtern vor allem ihre schweren Erkrankungen und den Umgang damit in den Mittelpunkt gestellt. Und während ihr erstes Buch schon im Titel – ". . . nur noch ein kleiner Funke" – eine gewisse Schwermut erkennen ließ, ist ihr soeben erschienenes Werk "Ich sehe nur die Rosen" eine überaus lebensbejahende, Mut machende Darstellung. Und das, obwohl zu ihren schwerwiegenden Erkrankungen noch Brustkrebs hinzugekommen ist.

Im Dialog mit der Freundin

"Der Krebs ist nicht mein Feind, sondern mein Partner, und er ist nicht das Schlimmste in meinem Leben", sagt Christel Siede, die mit vier künstlichen Gelenken lebt und einen großen Teil ihrer Sehkraft eingebüßt hat. Negativer Stress hat bei der 61-Jährigen trotz alledem keine Chance, sie lebt mit ihren Erkrankungen, ohne sie zu verharmlosen. Das wird auch in ihrem neuen Buch deutlich, in dem sie in einen Dialog mit einer guten Freundin tritt und so dem Leser Stück für Stück ein wenig mehr von sich und ihrem Leben offenbart. Und das tut Christel Siede ganz bewusst: "Ich finde, die Leser meines ersten Buches haben ein Recht darauf, zu erfahren, wie es mit mir weitergeht." Mit ihrer Freundin hat sie sich für die Arbeit an dem neuen Buch einige Wochen nach Langeoog zurückgezogen, über die tiefgreifenden Gespräche der beiden Frauen erfährt der Leser des Buches viel vom Schicksal der Christel Siede, von ihrem Optimismus. "In jedem Schicksalsschlag steckt auch etwas Gutes", sagt sie

Nahezu jeden Tag hat sich Christel Siede in den vergangenen drei Jahren mit ihrem neuen Buch beschäftigt, wegen ihrer Sehbehinderung schrieb sie Zeile für Zeile mit der Hand, Ehemann Bernd hat die Texte später in den Computer eingegeben. Ihm gilt auch der Dank auf der ersten Buchseite. "Mein Mann gibt mir die Ruhe, die ich für meine Arbeit brauche", sagt die 61-Jährige. Im Moment genießt sie die Vorboten des Frühlings, wenn sie aus dem Fenster in ihren schönen Garten schaut, dem Rotkehlchen zusieht, das auf dem Balkongeländer gelandet ist. Und natürlich hat sie schon das nächste Buchprojekt in Arbeit. Diesmal soll es ein Roman werden, zu einem guten Teil ist er schon fertig. Doch Christel Siede wäre sich untreu, wenn nicht auch der Roman einen ernsten Hintergrund hätte. Es geht um Kindesmissbrauch. Aber auch um viele schöne Dinge, verrät die Autorin.

Quelle: RP
 
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