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Solingen
Der lange Weg der Pionierinnen ins Pfarramt

Solingen: Der lange Weg der Pionierinnen ins Pfarramt
Gisela Vogel ist Pionierin im Pfarramt. "Ich habe es nicht erstrebt, das hat sich so ergeben. Aber natürlich habe ich irgendwann auch sehr bewusst gesagt: Das muss ich jetzt auch für die Frauen tun." FOTO: Kempner, Martin (mak)
Solingen. Als erste Frau wurde die Solingerin Gisela Vogel 1981 ins Landeskirchenamt berufen. Eine Ausstellung zeigt ab kommender Woche ihre Geschichte und die anderer Frauen im Pfarramt vor der Gleichstellung. Von Maxine Herder

Gisela Vogel wusste früh, was sie werden wollte: Bereits mit 16 Jahren stand für sie fest, dass sie Theologie studieren würde, wie die Vikarinnen, die sie aus dem Mädchen-Bibelkreis kannte, wie die Religions-Lehrerin an der August-Dicke-Schule, an der sie lernte. "Ich habe mich aus eigener Überzeugung dazu entschlossen, den Beruf als Dienst in der Gemeinde verstanden, ich wollte das Evangelium verkündigen, ich wollte predigen", sagt Vogel, heute 77 Jahre alt und Pfarrerin im Ruhestand, wenn sie zurückblickt.

Sie hat ihren Traumberuf ergriffen - auch wenn der Weg dahin lang war und Vogel zu einer Pionierin im Pfarramt gemacht hat: "Ich habe es nicht erstrebt, eine Pionierin zu sein, das hat sich so ergeben. Aber natürlich habe ich irgendwann auch sehr bewusst gesagt: Das muss ich jetzt auch für die Frauen tun."

Die Geschichte von Gisela Vogel ist, wie die anderer Pfarrerinnen, die ihren Beruf in einer Zeit ergriffen haben, in der Frauen im Pfarramt bei Weitem noch nicht selbstverständlich waren, Teil der Ausstellung "Pionierinnen im Pfarramt", die ab kommenden Donnerstag, 1. Oktober, in der Stadtkirche zu sehen ist. Auf 17 Tafeln wird, anlässlich von 40 Jahren Gleichstellung von Frauen und Männern im Pfarramt in der Evangelischen Kirche im Rheinland, der lange Weg von der Öffnung der theologischen Fakultäten für Frauen Anfang des 20. Jahrhunderts bis zur gleichberechtigten Möglichkeit zur Übernahme von Pfarrämtern geschildert.

Eine Entwicklung, die ein bedeutender Teil der Lebensgeschichte von Gisela Vogel ist: 1938 geboren beginnt die Solingerin 1959 mit ihrem Theologie-Studium. "Seit 1950 war die Ordination für Frauen möglich, es galt jedoch die Zölibatsklausel: bei Heirat schieden die Vikarinnen aus. Frauen konnten zudem im Presbyterium nur eine beratende Stimme haben und erhielten 75 Prozent des Gehalts der Männer", beschreibt Vogel die Voraussetzungen, als sie sich immatrikuliert.

Noch während ihres Studiums gibt es entscheidende Veränderungen: Mit dem Pastorinnengesetz erfolgt zumindest die Gleichstellung der Besoldung.

Gisela Vogel legt 1967 ihr zweites theologisches Examen ab, wird noch im gleichen Jahr als erste Frau in Solingen in der Dorper Gemeinde, der sie ihr ganzes Leben eng verbunden war, ordiniert und dort ein Jahr später in die zweite Pfarrstelle gewählt.

Ab 1973 ist sie "mit Leib und Seele" die erste Pastorin in der Walder Gemeinde - und darf sich mit dem Gleichstellungsgesetz vom Jahr 1975 an endlich auch als Pfarrerin bezeichnen. Sie bleibt bis 1981 in Wald, als ein Anruf des Präses der rheinischen Kirche ihr Leben umkrempelt: Als erste Frau wird Vogel ins Landeskirchenamt berufen, 1987 schließlich von der Landessynode zur ersten Oberkirchenrätin, also zur ersten Frau in der hauptamtlichen Kirchenleitung der Evangelischen Kirche im Rheinland, gewählt.

"Es war eine schwierige Entscheidung, meine geliebte Gemeinde aufzugeben. Zugleich merkte ich, dass es wichtig ist, dass Frauen in solche Aufgaben geholt werden." Es sei, sagt sie, nicht immer ganz leicht gewesen im "Männerverein" im Landeskirchenamt, in dem außer ihr selbst und einer Juristin 22 Männer tätig waren. "Das brauchte ein bisschen Diplomatie. Doch ich bin von Anfang bis Ende, bis zum Ruhestand 2001, gerne da gewesen."

"Heute sind Pfarrerinnen in der Evangelischen Kirche selbstverständlich", sagt Pfarrer Thomas Förster vom Evangelischen Kirchenkreis. In Solingen seien von 31 Pfarrern 14 Frauen, gebe es mit Dr. Ilka Werner heute eine Superintendentin. "Die Ausstellung erinnert daran, dass das nicht immer so war. Sie macht auch Hoffnung für andere Situationen, die uns heute noch schwierig oder undenkbar erscheinen."

Quelle: RP
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