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Solingen
Der Maler als Illusionist

Solingen. Zum zweiten Mal stellt der Berliner Maler Hermann Reimer in der Galerie Art-Eck am Gräfrather Marktplatz aus. Der Titel lautet: "Neue Heimat". Von Sandra Grünwald

Beim Betreten der Galerie Art-Eck fällt sofort ein großformatiges Bild ins Auge, das nicht nur durch seine ungewöhnliche Farbgebung - knallrosa Himmel, leuchtend grüne Rasenflächen und bunt gemusterte Hochhäuser - die Blicke auf sich zieht, sondern das auch durch seinen bis ins kleinste Detail durchkonstruierten Aufbau besticht. Es ist das Bild, dessen Titel das Motto der derzeitigen Ausstellung lieferte: "Neue Heimat". Natürlich klingt in diesem Bild auch der Gewerkschaftsskandal an, der unter dem Begriff "Neue Heimat" Schlagzeilen machte. "Dabei ging es ja um Neubauten", erklärt der Künstler Hermann Reimer. Doch auch der urdeutsche Begriff "Heimat" kommt hier zum Tragen. "Diese Verbindung mit Gemütlichkeit und die Verbundenheit mit einer Region."

Nachdem die Galerie Art-Eck vor zwei Jahren die laut dem Maler eher "nebenbei" entstandenen Landschaftsbilder mit Fokus auf Licht und Schatten zeigte, stellt Galerist Dirk Balke bei der neuen Ausstellung des Berliner Künstlers dessen Hauptwerk vor - Bilder von Räumen, zum Großteil von Innenräumen, die Erinnerungen an Omas Wohnstube wecken, wie die zwei altmodischen Sessel, mit welchen eigentlich alles begann. Denn diese Sessel entdeckte Hermann Reimer, als er Landschaftsaquarelle in einem Altenheim ausstellte. Sie inspirierten ihn dazu, sich künstlerisch der kleinsten Einheit von Heimat zu widmen - der Wohnung. Als Inspiration nutzt er Fotos. "Die wurden alle vor vier bis fünf Jahren gemacht", verrät der Künstler. "Die Räume existieren also noch." Es sind Räume, verfangen in den 1960er und 1970er Jahren, so greifbar, dass der Betrachter gar den Staub und Muff zu riechen glaubt. Dabei spielt Hermann Reimer nicht nur mit Auflösung - so lässt er einen Sessel förmlich unförmig werden - er setzt ganz bewusst die kompliziertesten Muster ein: Tapeten, Fußböden, Teppiche oder Vorhänge. "Meine Bilder sind sehr konstruiert", sagt Reimer. Dabei kommt ihm seine Vorbildung - er hat Physik und Mathematik studiert - sicherlich zugute. "Ich bin eigentlich kein Maler, sondern Illusionist", meint der 56-jährige Künstler schmunzelnd. Und natürlich darf in einer solchen Ausstellung auch der Hirsch nicht fehlen - oder die heute so beliebten Sonnenblumen-Bilder von Van Gogh.

Quelle: RP
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