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Solingen
"Der Markt ist dicht: Sie brauchen Plan B"

Solingen: "Der Markt ist dicht: Sie brauchen Plan B"
Am liebsten würden die BHC-Handballer möglichst rasch in einer Multifunktionsarena am Piepersberg jubeln. Von Prof. Dr. Louise Bielzer von der Hochschule Heilbronn gab es jetzt aber einen kleinen Dämpfer. FOTO: Köhlen
Solingen. BHC-Arena: Louise Bielzer, Expertin von der Hochschule Heilbronn, sieht große finanzielle Risiken bei Event-Arenen. Von Fred Lothar Melchior

Die Warnung ist klar: "Es ist sehr schwierig, eine Halle in dieser Größenordnung ansatzweise profitabel zu betreiben", urteilt Prof. Dr. Louise Bielzer über die geplante "Arena Bergisch Land". Die Expertin von der Hochschule Heilbronn sprach jetzt im kleinen Konzertsaal bei der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Kultur, Stadtmarketing und Tourismus. Auf Einladung des Vorsitzenden Prof. Dr. Jörg Becker referierte sie über die Chancen und Risiken von Multifunktionsarenen - wobei die Gefahren den größten Teil des Vortrags einnahmen. Den Chancen-Part vertrat Unternehmer und BHC-Beirat Jörg Föste, der im kleinen Konzertsaal betonte: "Der Betreiber steht in der kaufmännischen Verantwortung." Wenn ein strukturelles Defizit drohe, werde es die neue Halle im Gewerbegebiet Piepersberg nicht geben.

Multifunktionshallen seien "mit das Schwierigste, was man planen kann", sagt Bielzer. In Deutschland schrieben sie in der Regel rote Zahlen - was oft mit positiven Effekten für die Stadt (Tourismus, Gastronomie, Hotellerie) entschuldigt werde. Sicher seien nur die hohen Investitions- sowie Betriebskosten und die "vergleichsweise kurzen Lebenszyklen - bei teilweise fraglicher Rendite".

Denn der Veranstaltungsmarkt sei "knallhart". In Extremfällen wie im Kongressbereich würden kaum noch Mieten gezahlt. Bielzer: "Es wird für Multifunktionsarenen immer schwieriger. Und Ihre Region ist einfach eine sehr, sehr dichte. Sie brauchen einen Betreiber, der gut vernetzt ist". Im Falle einer Insolvenz sei es außerdem schwierig, die Halle zu verwerten.

Der BHC als Hauptnutznießer und "Ankermieter" sei von einer Pleite weit entfernt, versicherte Beirat Jörg Föste. Man sei schuldenfrei, habe nicht einmal einen Kontokorrentkredit. "Und wenn wir absteigen, dann steigen wir wieder auf." Man werde das Projekt nicht angehen, "wenn wir nicht genau wissen, dass das 25 Jahre stabil finanzierbar ist". Föste hofft auf bergische "Event-Touristen", die bisher ins Umland fahren, und sieht beispielsweise einen "unterschätzten" Markt bei Firmenveranstaltungen. "Bei dem, was wir hier machen, handelt es sich um eine Bereicherung und eine Verbesserung für alle", unterstrich Föste.

Dass die Bereicherung einen Verdrängungswettbewerb in Gang setzt, war ein Punkt in der folgenden Diskussion: Wird Dieter Nuhr noch im Theater und Konzerthaus auftreten, wenn er mehr Zuschauer am Piepersberg erreichen kann? Kritisiert wurden auch der Flächenverbrauch am Rand des Ittertals und die wahrscheinlich geringe Zahl der zu erwartenden Arbeitsplätze.

"Letztlich muss die Politik entscheiden", fasste die Beigeordnete Dagmar Becker zusammen. Der Sportausschuss hat sich schon mehrheitlich für die Halle entschieden, und auch im Kulturausschuss, der nur über die Arena sprach, scheint es mehr Befürworter als Gegner zu geben. Sebastian Haug (CDU) lobte das "Leuchtturmprojekt": "Wir freuen uns über das Privatengagement besonders aus der Solinger Wirtschaft." Für die SPD verwahrte sich Salvatore Tranchina gegen Vorwürfe aus dem Publikum, Ernst Lauterjung mit der Halle ein Denkmal setzen zu wollen. Ex-DGB-Chef Hans Peters hatte an das Schicksal vom Stadion von Union Solingen und die Eishalle erinnert ("für einen Euro an die Lebenshilfe verkauft").

Louise Bielzer, seit 15 Jahren im Thema, legte am Rande der Sitzung noch einmal nach und forderte von den Planern einen Plan B: "Der Markt ist zurzeit wirklich dicht. Macht euch Gedanken über das Konzept." Über die Hallenmieten alleine ließe sich kein Bau finanzieren. Deshalb gebe es bereits Eventarenen mit Nachtclubs oder, wie in Basel, mit einem Altenheim. Andere, wie in St. Gallen, nutzten ihren Parkplatz gemeinsam mit einem Möbelmarkt.

Quelle: RP
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