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Solingen
Der närrische Trend geht zum Privat-Umzug

Solingen. Wie in den Vorjahren organisierten die Anwohner in Unterburg einen "karnevalistischen Spaziergang". Einen kleinen "Zoch" gab es auch in der Ohligser Fußgängerzone sowie in einer Wohnsiedlung in Gräfrath. Von Alexander Riedel

Man nehme einen Bollerwagen, bestücke ihn mit Ghettoblaster sowie kühlen Getränken und packe noch ein paar Tüten mit Bonbons und Konfetti ein - so einfach kann das Rezept eines launigen Karnevalsumzugs fernab des ganz großen Trubels sein.

"In den vergangenen Jahren haben wir immer privat mit Freunden gefeiert, aber uns fehlte hier einfach der Straßenkarneval", erzählte Christiane Backendorf. Kurzerhand hatte die gebürtige Düsseldorferin, die seit fünf Jahren in Ohligs lebt, einen bunten Flyer entworfen und persönlich oder via Internet Bekannte und Eltern aus dem Kindergarten ihres eigenen Nachwuchses zusammengetrommelt. Gehofft habe sie auf rund 30 Teilnehmer, berichtete die zweifache Mutter.

"Wir lassen uns überraschen, wie es läuft", ergänzte ihre Freundin und Mit-Organisatorin Maike Kirchgäßner. Das Ergebnis übertraf alle Erwartungen: Um 11.11 Uhr hatten sich am Samstagvormittag an der oberen Düsseldorfer Straße sogar rund doppelt so viele Jecken versammelt - und gaben ein Bild ab, das viele Passanten ihre Fotohandys zücken ließ: Zwerge und Feuerwehrmänner, kleine und große Bären, Schmetterlinge, Ritter und sogar ein Hund im Löwenkostüm bahnten sich gemütlich, aber unaufhaltsam den Weg durch die belebte Fußgängerzone. Wer aus den Geschäften kam, stand erst einmal Spalier oder versuchte, ein paar Süßigkeiten zu ergattern. Der "kleinste Zoch von Ohligs" endete schließlich auf dem Marktplatz. "Das reicht als Wegstrecke für die kleinen Kinder auch", sagte Backendorf, die unterwegs nicht nur in viele fröhliche Gesichter blickte, sondern bei der Bekanntmachung des Zuges auch Unterstützung von Ohligser Vereinen erhielt. Eine Fortsetzung des Umzuges durch die Fußgängerzone ist möglich.

Auch in Unterburg wollten sich die Anwohner den Spaß am Straßenkarneval nicht nehmen lassen: Einen regulären "Zoch" gibt es dort zwar schon seit vier Jahren nicht mehr, weil die Kosten aus dem Ruder liefen und randalierende Jugendliche die Veranstaltung in Verruf brachten. Dafür schlossen sich gestern erneut rund 100 Menschen einem privaten karnevalistischen Spaziergang durch den Stadtteil an - darunter auch Stephan Muhr mit seinen beiden Kindern. "Wir kommen eigentlich aus Mitte und besuchen hier in Burg gute Freunde", erzählte er. "Auch zum Burger Karnevalszug sind wir immer gerne gegangen, weil der eigentlich sehr schön familiär war." Dem Ereignis angemessen hatte sich der Familienvater in Schale geworfen - im Gorillakostüm begleitete er den Zug durch die Hasencleverstraße. Den führten Mitglieder der TG Burg als jamaikanische Bob-Mannschaft an. Dreadlocks auf dem Kopf durften dabei genauso wenig fehlen wie der überdimensionierte, wenn auch unechte Joint in der Hand.

Galgenhumor zeigte ein Bollerwagen, der dem Immobilienmarkt in Unterburg mit den Worten "Rest in Peace" ein letztes Geleit gab. Mit von der Partie war auch eine Rikscha, die sich als Pendleralternative angesichts der Großbaustelle am Eschbach empfahl. Auch für Kamelle und Musik sorgten die Narren, deren Schlachtrufe "Burger Brezel" und "Solig lot jonn" die Nachbarschaft erfüllten. Und anders als beim einstigen Groß-Umzug durch den Stadtteil mussten auch die Ordnungshüter nicht eingreifen - sogar den Verkehr regelten die Mitglieder der TG Burg kurzerhand selbst.

Fast schon Tradition hat ein ebenfalls privat organisierter Umzug in Gräfrath. Zum bereits sechsten Mal zogen Mitglieder sowie Freunde und Familien des Tennisclubs Blau-Gelb durch die Siedlung rund um die Katharinenstraße, Erasmusstraße und den Propstweg.

Quelle: RP
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