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Solingen
Der Schutz gegen Smartphone-Abzocke

Fotos: Neues aus der Smartphone-Welt
Fotos: Neues aus der Smartphone-Welt FOTO: dpa, tsn
Solingen. Mit einer schnell eingerichteten Drittanbietersperre können sich Verbraucher vor unliebsamen Überraschungen gegen Abos per Smartphone schützen. Mit sogenannten "WAP Billings" versuchen Unbekannte Kasse zu machen. Von Uwe Vetter

Melissa Flena und Hildegard Lichte trauten ihren Augen nicht, als sie am Monatsende ihre Smartphone-Rechnungen überprüften. Statt rund 50 Euro im Monat sollte Flena über drei Monate hinweg insgesamt 600 Euro zahlen, Lichte statt 29 im Monat nun 49 Euro. Und beide wussten nicht, wieso ihre Rechnung in die Höhe geschnellt war. "Abzocke mit Smartphones - die Anbieter lassen sich immer wieder etwas neues einfallen, um an das Geld der Verbraucher zu kommen", sagte gestern Dagmar Blum, Leiterin der Verbraucherberatung am Werwolf. Anlässlich des Weltverbrauchertages hatte die Beratungsstelle die Abzocke per Smartphone in den Mittelpunkt gestellt. Die hohen Abrechnungen wollten Melissa Flena und Hildegard Lichte nicht durchgehen lassen, zumal sie sich sicher waren, keine Bestellungen vorgenommen zu haben. "Doch beim Mobilfunkanbieter konnte keiner etwas sagen", so Flena. Wie Hildegard Richter schaltete sie die Verbraucherberatung ein.

Offenbar hatten die beiden unbemerkt über das Smartphone etwas bestellt, indem sie auf einen Werbebanner geklickt beziehungsweise diesen weggeklickt hatten. "Und schon waren sie drin in der Abzockfalle, und man merkt es erst, wenn die nächste Handy-Rechnung kommt", sagt Verbraucherberaterin Johanne Voß. Smartphone-Nutzer haben mit einem Mobilfunkunternehmen einen Vertrag - zum Telefonieren, aber auch zum Surfen im Netz. Im Hintergrund kassieren jedoch vielfach unseriöse Dritte mit Hilfe des sogenannten "WAP Billings" kräftig mit. Die Masche: Unerkannte Firmen schalten Werbebanner in Apps, um ahnungslosen Smartphone-Besitzern mit einem Klick darauf ein kostenpflichtiges Abo anzudrehen. Und die Abzocker kommen an ihr Geld, weil die Mobilfunkbetreiber fällige Beträge von Drittfirmen über die Telefonrechnung ihrer Kunden gleich mit abbuchen. "Eigentlich gibt es klare Regeln, wie ein rechtsverbindlicher Kaufvertrag zustande kommt", sagt Johanne Voß, "aber richtig wehren kann man sich gegen solch unseriöse Praktiken insbesondere mit einer Drittanbietersperre".

Die Maschen der Internet-Betrüger FOTO: dpa, Kai Remmers

Allerdings nicht im Nachhinein, vielmehr ist das Einrichten einer Sperre gegen Drittanbieter in die Zukunft ausgerichtet. Im Falle von Melissa Flena und Hildegard Lichte und in anderen Fällen war die Beratung "aufwändig und kompliziert", damit die beiden Frauen ihr Geld zurückbekamen. Denn der Abo-Betreiber musste gefunden und angeschrieben, das ungewollte Abo musste deaktiviert, zudem der Betrag zurückgefordert werden. Falls das nicht gelingt, müsste man beim Mobilfunkunternehmen die Rechnung beanstanden. "Bei Hildegard Lichte hat der Anbieter jetzt signalisiert, die Kosten zu erstatten, der andere Fall ist jedoch noch nicht abgeschlossen", sagte Johanne Voß.

Das Einrichten einer Drittanbietersperre - hier wird einfach die Übermittlung der Mobilfunknummer für die Abbuchung von Diensten fremder Firmen gesperrt - kann man formlos gegenüber dem Anbieter im Geschäft erklären. Eine E-Mail reicht ebenfalls. "Das kostet nichts", sagt Verbraucherschützerin Dagmar Blum und rät dringend das Einrichten einer solchen Sperre.

Was man mit alten Smartphones anfangen kann FOTO: RPO/Christoph Schroeter
Quelle: RP
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