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Kooperationsserie
Der Stoff, aus dem der Badespaß ist

Solingen. Der Name ist im Lenneper H2O Programm. Hier dreht sich alles um Wasser in all seinen Erscheinungsformen. Ein Besuch in der technischen Unterwelt am Hackenberg. Von Henning Röser

Wenn Badleiter Christian Liese aus seinem Bürofenster im Lenneper H2O in den Dezember-Regen hinaus schaut, kann er dem ungemütlichen Wetter gleich zwei positive Seiten abgewinnen. Zum einen ist das Schwimmbad im bergischen Schmuddelwetter erfahrungsgemäß ein besonders beliebtes Freizeitziel für Badegäste und Saunaliebhaber. Zum anderen ist der üppige Niederschlag der vergangenen Wochen der zukünftige Rohstoff seines Geschäfts.

Denn der Regen füllt unter anderem die Große Dhünntalsperre, aus der das H2O sein Wasser bezieht - über einen Hausanschluss, wie jeder andere Remscheider Bürger auch. Allerdings in völlig anderen Dimensionen. 2,4 Millionen Liter Wasser braucht es, um alle Becken in der Anlage am Hackenberg zu füllen. Das sind umgerechnet mehr als 17.000 Badewannen-Füllungen. 120.000 bis 150.000 Liter müssen pro Tag nachgefüllt werden. In den warmen Sole-Becken der Anlage verdunstet viel Feuchtigkeit, ein Teil wird auch von Badegästen herausgetragen. Schleppwasser heißt in der Fachsprache das Nass, das unter anderem in den langen Badeshorts junger Männer hängenbleibt.

Wasser ist der Grundstoff, der das Bad am Laufen hält. Dieses Element in all seiner Vielfalt freudvoll zu erfahren - als Schwimmer, auf der Wasser-Rutsche, in der Dampfgrotte oder beim Aufguss in der Sauna - ist die Philosophie des Bades. Nicht umsonst trägt es das Wasser schon im Namen. Damit die Gäste im H2O ihren Spaß im und mit dem Wasser haben können, wird ein großer technischer Aufwand betrieben.

Frank Knobbe ist Chef des Technikteams, das in der "Unterwelt" des Lenneper Spaßbades die Voraussetzungen für den überirdischen Spaß schafft. Eine zentrale Aufgabe dabei: hygienische Verhältnisse sicherstellen. An insgesamt 16 Messstellen erfassen Knobbe und sein Team die wichtigen pH-Werte und Chlorwerte permanent und korrigieren sie falls nötig. Über diese Arbeit wird akribisch Buch geführt. Das Mess-Tagebuch dokumentiert alle Daten der morgen, mittags und abends notieren Werte - und muss für mögliche Kontrollen fünf Jahre aufbewahrt werden.

Kontrolle kommt aber auch von außen. Das H2O lässt sich monatlich von einen unabhängigen Dienstleister testen, die Ergebnisse gehen an das Remscheider Gesundheitsamt. Das hat ein Auge darauf, dass der Badespaß in hygienisch einwandfreien Verhältnissen stattfindet. Eine Herausforderung, wie Knobbe berichtet. Über die Haut transportieren Menschen allerlei Stoffe ins Wasser, die hinterher wieder aufwendig herausgeholt werden müssen. Darum ermahnen Schilder die Gäste, sich zu duschen, bevor sie ins Wasser gehen. "Das ist sehr wichtig", sagt Knobbe.

Wer ihm in die Unterwelt des H2O folgt, findet dort ein verzweigtes Röhrensystem, Bildschirme, Pumpen. Hier findet unter anderen die Wiederaufbereitung des überschwappenden Wassers aus den verschiedenen Becken statt. Das sogenannte Schwallwasser wird zunächst in großen Tanks gesammelt, dann durch Sandfilter mit Aktivkohle gepresst, um es zu reinigen. Den Filtern werden Flockungsstoffe zugesetzt, um die im Wasser befindlichen Schwebeteilchen zu binden. Das so entstehende gereinigte Wasser, das Filtrat, wird dann mit Chlor angereichert, bevor es wieder in den Kreislauf gepumpt wird und zurück in die Becken gelangt.

Dass diese Prozesse verlässlich funktionieren, ist das Grundgesetz des Bades. Eine Vielzahl von Verordnungen gilt es einzuhalten. Der Spaß oben im Becken basiert auf einer Fülle von Verfahrensanweisungen und Prozessbeschreibungen, macht Liese klar. Nichts wird dem Zufall überlassen.

Im Flur zum Büro von Christian Liese hängen einige Urkunden. Sie zeugen von der erfolgreichen Teilnahme der Freizeit-Anlage an Umwelt-Zertifizierungen. Das Regenwasser soll nach seiner langen Reise durchs H2O dem Ökosystem nicht schaden.

Quelle: RP
 
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