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Solingen
Der Ukraine-Konflikt trifft auch die Kinder aus Belynitschi

Solingen. Vier Wochen lang haben sich 36 Mädchen und Jungen aus Weißrussland bei der 25. Kinderkur in Solingen erholt. Von Maxine Herder

Die Mädchen und Jungen haben sich gut auf das Fest vorbereitet: Sie haben sich schick gemacht, haben gemeinsam Lieder, Gedichte und Tänze eingeübt, die sie nun auf der kleinen Bühne im Zentrum Frieden an der Wupperstraße vorführen. Sie wollen Danke sagen für vier Wochen Gastfreundschaft in der Fremde, für Fürsorge, Aufmerksamkeit und Zeit von Gasteltern und Betreuern. Am Sonntagmorgen geht es für die 36 Kinder zwischen acht und 15 Jahren nach einem Monat Kinderkur des Vereins Kinder von Tschernobyl/ Solinger Hilfe für Minsk zurück nach Hause, zurück ins 1600 Kilometer entfernte Belynitschi in Weißrussland, zurück auch in eine andere Welt.

"Die Kinder leben in einer sehr trostlosen Umgebung. Die Lage hat sich durch den Ukraine-Konflikt noch einmal verschärft, wirtschaftlich geht das Land in die Knie", sagt Christian Butz, Vorsitzender des Vereins, hinzu kommt die Strahlung, die das Gebiet auch 29 Jahre nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl schwer belastet. Umso wichtiger sei die jährliche Kinderkur, und umso schöner sei es für ihn, die Kinder und Jugendlichen nun so fröhlich und erholt zu sehen, sagt Christian Butz.

Hinter den jungen Gästen aus Weißrussland liegen ereignisreiche Wochen: Seit Mitte Juni waren sie in Gastfamilien in der Klingenstadt untergebracht, haben Ausflüge zum Düsseldorfer Flughafen und ins Phantasialand genauso gemacht wie an die Müngstener Brücke und zum Pöhlchenschießen. Tagsüber waren sie im Hort im Freibad Ittertal. "Das sind einfach ideale Bedingungen, die wir dort vorfinden", sagt Christian Butz.

"Es war wie immer sehr schön organisiert", sagt Sinaida Baerowa, Leiterin der Vereins Kinder von Tschernobyl in Belynitschi, die die Kinder als Betreuerin begleitete. "Die Kinder konnten sehr viel von der Stadt, dem Land und den Traditionen sehen. Es war eine Freude, sie jeden Morgen lachend im Ittertal begrüßen zu können." Sieben Kinder hätten neue Brillen bekommen, viele Gasteltern hätten ihren Gastkinden neue Kleider und Schuhe gekauft. "Das ist eine Freude nicht nur für die Kinder, sondern auch für ihre Eltern, denn die materielle Lage bei uns wird immer schlechter. Wir sind sehr dankbar", so Sinaida Baerowa. Jedes Jahr, sagt sie, wollten mehr Kinder mit zur Kindererholung nach Solingen reisen. "Wir müssen immer mehr Entscheidungen treffen. Wir wählen vor allem Kinder aus kinderreichen Familien und Waisen aus, aber auch Kinder, die sehr gut lernen."

Anfang 2016 werden Christian Butz und die Aktiven des Vereins mit der Organisation der nächsten, 26. Kinderkur beginnen. "Es wird jedes Jahr schwieriger, Gasteltern zu finden, weil Tschernobyl mittlerweile so lange her ist", sagt Butz. Entmutigen lassen sie sich davon aber nicht: "Die Kinder hier fröhlich und gelöst zu erleben, ist, was uns antreibt.

Quelle: RP
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