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Ansichtssache
Der unkalkulierbare Einfluss der Protestwähler

Meinung | Solingen. Am Ende eines jederzeit fairen und sachlichen geführten Wahlkampf steht am Sonntag die Oberbürgermeister-Wahl. Der Ausgang erscheint völlig offen, weil sich Frank Feller hinter Tim Kurzbach in aussichtsreiche Position gebracht hat.

Vor der Kommunalwahl laufen viele Wetten. An oberster Stelle steht die Frage, wer im Oktober die Nachfolge des aus dem Amt scheidenden Oberbürgermeisters Norbert Feith antreten wird. Vor einem halben Jahr wäre kaum jemand bereit gewesen, auf einen Konkurrenten von Tim Kurzbach zu setzen. Der gemeinsame Kandidat von SPD und Grünen schien außer Konkurrenz - erst recht, als bei der CDU mit Jan Höttges jener Kandidat auf eine Nominierung verzichtete, der ursprünglich erste Wahl gewesen war.

Inzwischen kann sich Kurzbach gar nicht mehr so sicher sein, als klarer Sieger die Ziellinie zu erreichen. Frank Feller hat sich als Kandidat der CDU in eine aussichtsreiche Position gebracht. Der Ausgang erscheint völlig offen, weil jeder der beiden Topleute seine Qualitäten hat, aber jeweils im Spezialgebiet des Anderen noch etwas Nachholbedarf hat.

Bei aller Konkurrenz: Alle Kandidaten verdienen Respekt für ihren fairen Umgang im Wahlkampf. Die Diskussionen verliefen immer sachlich, Nebenschauplatz-Aktionen unter der Gürtellinie hat es keine gegeben. Dazu gehört auch, dass Lebenskünstler Wolfgang "Coco" Teuber trotz seiner Ausnahmestellung unter den parteilosen Einzelbewerbern als gleichwertiger Konkurrent akzeptiert wurde.

Wie viele Stimmen werden Teuber sowie Friedhelm Funk und Hakan Canik den beiden Favoriten abnehmen ? Wer darauf setzt, dass der neue Oberbürgermeister bereits am Sonntagabend feststeht, dürfte in der Minderheit sein. Ich bin der festen Überzeugung, dass es am 27. September zu einer Stichwahl kommt. Schon jetzt sind auf der Straße viele Stimmen von Politik verdrossenen Leuten zu hören, die eigentlich gar nicht wählen wollten - nun aber ihr Kreuz bei Coco Teuber gemacht haben, weil sie den etablierten Parteien eins auswischen wollen. Der Einfluss der Protestwähler könnte so groß sein, dass es keine absolute Mehrheit geben wird.

Die dritte Wette betrifft die Wahlbeteiligung. Ich denke positiv und gehe von mehr als 50 Prozent aus. Schließlich wählen die Solinger keine Partei und damit die Katze im Sack, sondern eine Person, zu der es auch ein Gesicht gibt, das in den kommenden fünf Jahren die Stadt in schwierigen Zeiten repräsentieren wird.

Quelle: RP
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