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Solingen
Der vielschichtige Dialog von Violine und Klavier begeisterte

Solingen. Rebekka Hartmann, Echo-Klassik-Preisträgerin mit internationalem Renommee, entlockt ihrer Stradivari Klänge überirdischer Schönheit, verbindet Sensitivität mit virtuoser Raffinesse. Die in Deutschland lebende armenische Pianistin Margarita Oganesjan hat sich als Solistin und einfühlsame Kammermusikpartnerin einen Namen gemacht. Dass sich beide nun für verschiedene konzertante Projekte zusammengetan haben, ist ein Glücksfall für die Musik. Beim gut besuchten Meisterkonzert der Werner Trenkner Gesellschaft im Kunstmuseum unternahmen sie eine spannende Reise vom französischen Barock über den späten Beethoven bis in die türkische und armenische Kammermusik unserer Zeit.

Selten erlebte man ein so feinfühlig aufeinander abgestimmtes Duo. Es bestach durch sensible, künstlerische Tiefenstrukturen ermessende Detailarbeit, die wunderbar atmete, lebendig war und Raum ließ für spontane Inspiration. Da saß jede Nuance, die Technik war top, Crescendi entfalteten orchestrale Kraft. Beide Künstlerinnen erwiesen sich als gleichwertige Partnerinnen, inspirierten sich gegenseitig, und die Authentizität, mit der sich Hartmann und Oganesjan in die unterschiedlichsten Epochen begaben, war enorm und in jedem Takt stimmig. Mit großer Selbstverständlichkeit brachten sie die klare, helle, vielstimmige Welt von Rameaus "Quatre Pieces de Clavecin" zum Klingen - vier transparent dargebotene Miniaturen, deren fließende Eleganz eine magische Stimmung erzeugte. Die Tempi waren gut gewählt, der Gesamtsound geschlossen, kompakt, stilistisch perfekt.

Beethovens Violinsonate op. 96 war ein tiefer Blick in einen fast schon romantischen Kosmos, der vor allem durch den vielschichtigen Dialog von Violine und Klavier bestach, den die Künstlerinnen souverän meisterten. Da überzeugte die weiträumige, beschauliche Epik des ersten Satzes ebenso wie der gut davon abgesetzte Ernst des Adagios, das gespenstisch-flüchtige Scherzo und das Schlussallegro mit seinen polyphonen Strukturen. Eine runde, konsequent entwickelte, makellose Darbietung.

Nach der Pause brachten Rebekka Hartmann und Margarita Oganesjan zusammen, was politisch bisher unmöglich war - Armenien und die Türkei. Die Suite für Violine und Klavier des türkischen Komponisten Ahmend Saygun war packend vom ersten Takt an, gespickt mit Spannungsharmonik, Skalen und Rhythmen anatolischer Musik und in der dargebotenen Inspiriertheit eine echte Offenbarung - angefangen von der mystischen, den Orgelton des Klaviers in feinsten Figuren umspielenden Violine des Prelude über den Zeybek-Tanz des dritten Satzes bis hin zum stark inszenierten Zwiegespräch des letzten Satzes, einer rhythmischen Tanzweise aus Kastamonu. Die auch technisch äußerst schwierige Sonate des armenischen Meisters A. Babadschanjan setzt mit seinen komplexen, Formen sprengenden Strukturen, dem konzentrierten dialogischen Aufbau, dem perkussiven, die Grenze des Tonalen oft überschreitenden Gesamtgestus hohe Anforderungen an die Interpreten. Hartmann und Oganesjan servierten sie wie aus einem Guss mit einem Höchstmaß an Inspiration, die schnell ihren Weg ins Ohr des Hörers fand.

Zum Dank für den Riesenbeifall gab es ein rasantes Schmankerl von Khatchaturjan und die Vokalise von Rachmaninoff. Eine sehnsüchtige Melodie, wehmütig, einfach nur schön.

(sto)
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