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Solingen
Deutschland-Premiere für Obus-Anhänger

Obus-Anhänger auf Jungfernfahrt
Solingen. Nach einer jahrelangen Restaurierung wird der historische Anhänger "WH 112" beim Sommerfest des Obus-Museums am Sonntag erstmals an den Obus 59 angekoppelt. Der TS, der früher in Argentinien fuhr, ist ebenfalls zurück in Solingen. Von Martin Oberpriller

Der Rahmen hätte kaum besser gewählt sein können. Am morgigen Sonntag steigt das Sommerfest des Obus-Museums Solingen. Besucher haben dann die Gelegenheit, rund um den Betriebshof der Verkehrsbetriebe bei den Stadtwerken Solingen an der Weidenstraße in die Geschichte der sogenannten Stangentaxis einzutauchen. Und nicht nur das: Pünktlich zum 65. Geburtstag der Obusse in der Klingenstadt wird der historische Obus 59 am Wochenende erstmals samt des frisch restaurierten Personenanhängers auf Tour gehen.

Eine Jungfernfahrt der besonderen Art, denn in ganz Deutschland war noch nie zuvor ein vergleichbares Gespann mit Passagieren unterwegs. Was die Macher des Obus-Museums wiederum durchaus mit einem gewissen Stolz erfüllt, liegen hinter den Mitgliedern des gemeinnützigen Vereins doch unzählige Stunden ehrenamtlicher Arbeit, die diese Sonderfahrt erst möglich gemacht haben.

Premiere im Solinger Obus-Museum FOTO: Guido Radtke

Insgesamt über fünf Jahre nahm die Restaurierung des alten Personenanhängers "Orion WH 112", Baujahr 1956, in Anspruch. Unter anderem musste die Technik des historischen Gefährts aufbereitet sowie auf einen modernen Stand gebracht werden. Und zuletzt stand schließlich zudem noch die Erteilung einer Sondernutzungserlaubnis für Oldtimer an.

Eine Hürde, die von den Freiwilligen des Obus-Museums am Ende ohne Beanstandungen seitens der Prüfer genommen wurde, so dass am Sonntag jeweils 23 Fahrgäste zu den Rundtouren durch die Solinger Innenstadt in den Anhänger einsteigen dürfen. "Die erste Fahrt beginnt um 11.40 Uhr ab dem Betriebshof Weidenstraße", sagte gestern der zweite Vorsitzende des Obus-Museums, Lutz Lüpkes, der zudem darauf verwies, dass für die Touren, die bis zum Nachmittag jeweils im Stundentakt stattfinden, lediglich Sitzplätze zur Verfügung stehen werden.

Von der Weidenstraße geht es unter anderem via Rathaus sowie Graf-Wilhelm-Platz zum Weyersberg und von dort aus zurück zum Betriebshof der Verkehrsbetriebe. Wobei der geschichtsträchtige Obus 59 und der Anhänger nach den Vorstellungen des Museums auf lange Sicht aber nicht die einzigen Fahrzeuge bleiben sollen, die auf Sightseeing-Fahrt durch die Klingenstadt starten werden.

So parkt mittlerweile nämlich noch ein weiterer Obus-Veteran in der Stadtwerke-Halle an der Weidenstraße, in welcher der Verein seine Oldtimer aufbewahrt und pflegt. Ein Modell der alten Trolley-Busse (TS), die vor allem in den 70er Jahren das Straßenbild von Solingen prägten, ist zurück in seiner einstigen Heimat. Nachdem das Fahrzeug der TS-Baureihe 3 im Zuge seiner Ausmusterung in der Klingenstadt in den 80ern noch lange Zeit im argentinischen Mendoza im Linienverkehr unterwegs gewesen war, hatte das Obus-Museum den Youngtimer von 1974 vor einigen Jahren aufgekauft und zunächst einmal die Karosserie neu aufbauen lassen.

Dies ist inzwischen geschehen und der Bus steht seit zurückliegendem Dienstag wieder in Solingen. Was im Umkehrschluss allerdings mitnichten bedeutet, dass der TS schon bald auf den Straßen zu sehen sein wird. Im Gegenteil - nach der Heimkehr des Fahrzeugs steht nun der Innenausbau auf dem Programm, der mindestens weitere fünf Jahre in Anspruch nehmen dürfte.

Und überdies - neben logistischen Herausforderungen - eine Menge Geld kostet. Museums-Vize Lüpkes schätzte die Gesamtkosten für das Projekt am Freitag auf einen Betrag zwischen 120.000 und 150.000 Euro, weswegen der Verein auch in Zukunft auf Spenden angewiesen ist.

Derweil ist aber schon heute klar, dass der TS eines Tages - wie der legendäre "59er" und der nun fertiggestellte Anhänger Orion WH 112" - auf die Solinger Straßen zurückrollen wird. Er soll dann als zusätzliche Attraktion bei den Rittertouren von April bis Oktober sowie auf Sonderfahrten Obus-Fans aus ganz Deutschland in die Klingenstadt locken.

Quelle: RP
 
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