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Solingen
Dicke Bretter gebohrt und Erfolg gehabt

Girokonto für alle? Fragen und Antworten zu den EU-Plänen
Girokonto für alle? Fragen und Antworten zu den EU-Plänen FOTO: dpa, Karl-Josef Hildenbrand
Solingen. Die Pflicht zur Einführung eines "Kontos für alle" zur Monatsmitte Juni wird als Meilenstein gefeiert. Verbraucherberatung verzeichnete im vergangenen Jahr 13.970 Anfragen von Ratsuchenden. Von Uwe Vetter

Klickfallen beim Online-Shopping, Freemail-Dienste mit Kostenfallen, App-Abzocke - all das beschäftigt den Beratungsalltag in der Verbraucherzentale am Werwolf. Selbst die Internet-Partnersuche, wo Ratsuchende statt des erhofften Glücks in der Liebe häufig nur enttäuschende Vertragsbeziehungen fanden. Aus Test-Abos bei Internet-Flirtportalen, Singlebörsen oder Partnervermittlungen entwickelten sich hier schnell langfristige Abonnements, weil man die fristgerechte Kündigung verpasste. "Wir haben hier geholfen und versucht, so viel wie möglich für den Verbraucher zu erreichen", sagt Dagmar Blum.

Die Leiterin der Beratungsstelle am Werwolf legte gestern zusammen mit Verbraucherberaterin Johanne Voß den Jahresbericht 2015 vor.

Und nicht nur in den erwähnten Bereichen gaben die Verbraucherschützer stets ihr Bestes, auch in allen anderen Bereichen. Dass dafür manchmal über Jahre hinweg "dicke Bretter gebohrt werden müssen und man hartnäckig sein muss", machte Blum am "Konto für alle" fest: "Das wird jetzt endlich gesetzlich umgesetzt und verbindlich Mitte dieses Monats eingeführt", freut sich die Leiterin der Verbraucherberatung und ergänzt: "Dafür haben wir Jahrzehnte gekämpft. Für uns ist das Basiskonto für jedermann ein Meilenstein."

Denn ohne Girokonto gebe es keine Teilhabe am wirtschaftlichen Geschehen. Schon gar nicht, wenn einmal, wie diskutiert, Bargeld abgeschafft werden soll. "Jeder braucht ein Konto - ob arm oder reich", sagt Dagmar Blum und ist nun froh darüber, dass mit der Umsetzung einer EU-Richtlinie in diesem Monat Banken und Sparkassen allen ein Konto gewähren müssen.

Daran hat es zuletzt gehapert. Und die Selbstverpflichtung der Kreditwirtschaft brachte auch nicht das erwünschte Ergebnis: "Es wurde nicht flächendeckend umgesetzt", sagt Dagmar Blum, die aber insbesondere den Sparkassen in Nordrhein-Westfalen beim Umgang auch mit dem sogenannten Pfändungsschutzkonto (P-Konto) ein gutes Zeugnis ausstellt, zumal diese ein Guthabenkonto für ihre Kunden einrichteten. "Wir werden jetzt genau beobachten, wie das Konto für alle umgesetzt wird. Wenn wir merken, wir müssen nachsteuern, dann werden wir das tun", kündigt Dagmar Blum an.

Die Leiterin der Verbraucherberatung verzeichnete 2015 insgesamt 13.970 Anfragen von Ratsuchenden. Gegenüber 2014 (13.858) war das eine geringfügige Steigerung. Darauf entfielen auf die allgemeine Verbraucherberatung 7590 Fälle, die Schuldner- und Insolvenzberatung war in 5543 Fällen angesprochen. Hinzu kommen noch 4866 Veranstaltungskontakte und 6664 Internetzugriffe auf die Startseite der Beratungsstelle.

Die häufigsten Verbraucherprobleme (55 Prozent) hatten mit Finanzfragen zu tun. Allgemeine Dienstleistungen, beispielsweise Verträge mit Fitnessstudios, machten 15 Prozent der Probleme aus, gefolgt von Telefon und Internet (elf Prozent), Konsumgüter (sechs Prozent) und Energie (fünf Prozent).

Quelle: RP
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