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Ansichtssache
Die Bergische Zusammenarbeit ist noch ausbaufähig

Ansichtssache: Die Bergische Zusammenarbeit ist noch ausbaufähig
Die Müngstener Brücke ist 120 Jahre alt. Solingen, Wuppertal und Remscheid machen sich jetzt auf den Weg zur Welterbe-Bewerbung. FOTO: Moll (Archiv)
Meinung | Solingen. Solingen, Wuppertal und Remscheid können mit Blick auf Fördergelder von Land, Bund und EU nur gemeinsam etwas erreichen. Als Region wird man wahrgenommen - eine gemeinsame Wirtschaftsförderung ist überfällig, doch hier tun sich die Städte weiter schwer.

Gemeinsam geht's besser. Die Türen zu Fördergeldern von Land, Bund oder EU lassen sich leichter öffnen, wenn Solingen, Remscheid und Wuppertal als Region auftreten. Das klappt im Tourismus ganz gut. Hier ziehen "Die Bergischen Drei" an einem Strang, wenn es darum geht, die Vermarktung der touristischen Qualitäten des Städtedreiecks herauszustellen und auszubauen.

Über die Bergische Struktur- und Wirtschaftsförderungsgesellschaft (BSW) wird auch das Bergische Wahrzeichen Schloss Burg mit mehr als 30 Millionen Euro fit gemacht für die Zukunft. Die historische Anlage soll unter anderem in einem im wahrsten Wortsinn neuen Licht erstrahlen, ein Lichtkonzept wird ebenso umgesetzt wie etliche Bauarbeiten. Schloss Burg ist im Besitz der drei Bergischen Großstädte, von daher haben die Eigentümer ein Interesse daran, dass die Bausubstanz nicht nur erhalten, sondern nachhaltig aufgepäppelt wird. Ausbaufähig ist auf der anderen Seite die Zusammenarbeit auf dem Feld der Wirtschaftsförderung. Hier kochen die Städte nach wie vor ihr eigenes Süppchen. Obwohl mit der BSW und dem Bergischen Rat als politischem Gremium eigentlich alle Voraussetzungen geschaffen worden sind, auch die Wirtschaftsförderung auf einer Schiene zu erledigen.

Die Reaktivierung der Rasspe-Brache in der Kohlfurth wäre ein Ansatzpunkt für Zusammenarbeit gewesen. Doch hier ist Solingen allein unterwegs - auch, um später allein entscheiden zu können, welche neuen Unternehmen sich dort ansiedeln.

Allein die Betreuung der Unternehmen vor Ort ist Aufgabe der lokalen Wirtschaftsförderung. Alles, was darüber hinausgeht, ist hingegen eine regionale Aufgabe. So jedenfalls ist die vorherrschende Meinung in der Bergischen Struktur- und Wirtschaftsförderungsgesellschaft. Allerdings müssen den Worten auch einmal Taten folgen.

Seit zehn Jahren arbeiten Solingen und Wuppertal eng bei den Feuerwehren zusammen. Die Arbeit der gemeinsamen Leitstelle kann sich sehen lassen. Weiteres I-Tüpfelchen war nun die Kooperation bei der Beschaffung von Löschfahrzeugen. Das spart unter dem Strich Kosten, denn wenn gleich neun und nicht nur ein oder zwei Löschfahrzeuge gekauft werden, zeigen sich die Hersteller bei der Kalkulation des Preises mit Sicherheit kulanter.

Fragt sich, warum die Stadt Remscheid im Bereich Feuerwehr nicht längst mit ins Boot eingestiegen ist. Aber das ist auch wiederum ein Beispiel, dass längst nicht alles in enger Freundschaft im Bergischen erledigt wird. Die Eigenständigkeit wird immer mal wieder herausgestellt - obwohl jeder weiß, dass man nur als Region wahrgenommen und gefördert wird. Einzelkämpfer sind da chancenlos.

Ein gutes Beispiel, über den engen Schulterschluss etwas zu erreichen, ist die Müngstener Brücke. Pünktlich zum 120. Geburtstag machen sich die drei Großstädte jetzt auf den Weg zur Welterbe-Bewerbung. Denn die 107 Meter hohe Eisenbahnbrücke gilt als Wunderwerk der Ingenieurkunst und ist ein Denkmal von nationaler Bedeutung - genauso allerdings wie Brücken in Frankreich, Portugal und Italien. Ob die UNESCO, die den Titel verleiht, die Müngstener Brücke auszeichnet, sei dahingestellt. Klar ist, dass das monumentale Bauwerk über dem Müngstener Brückenpark - das Bergische Gemeinschaftsprojekt der Regionale 2006 - nur dann die begehrte Auszeichnung bekommt, wenn die gesamte Region hinter der Bewerbung steht.

Quelle: RP
 
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