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Solingen
Die drei eisernen Schwestern

Solingen: Die drei eisernen Schwestern
Kaiserlich: Die Müngstener Brücke (1894 bis 1897) wurde am 15. Juli 1897 freigegeben. Bis 1918 trug sie den Namen Kaiser-Wilhelm-Brücke zu Ehren von Wilhelm I. Danach wurde die Brücke nach der Siedlung Müngsten benannt. Kaiser Wilhelm II. soll der Eröffnung ferngeblieben sein, weil die Brücke nicht nach ihm, sondern nach seinem Großvater benannt war. 1899 holte er den Besuch aber nach. FOTO: Moll (Archiv)
Solingen. Der Anlass für den Bau der Brücke über den Fluss Douro in Porto war traurig. 1809 belagerte Napoleon die Stadt im Norden Portugals. Als die Bürger vor den französischen Truppen fliehen wollten, brach die alte Brücke von Porto unter der Last der Menschen zusammen. Tausende sollen ums Leben gekommen sein. Von Martin Oberpriller

Erst 66 Jahre später entstand im Zuge des zunehmenden Eisenbahnverkehrs ein Neubau. Trotz großer technischer Schwierigkeiten wegen des steilen Flusstals wagte Gustave Eiffel, der spätere Erbauer des Eiffelturms, den Brückenschlag in 61,20 Metern Höhe. Nach zwei Jahren Bauzeit war die Ponte Maria Pia fertig. Sie ist 352 Meter lang, ihr Mittelbogen hat eine Spannweite von 160 Metern (1877 war das Weltrekord) und ihr Gewicht beträgt 1450 Tonnen. Der letzte Zug fuhr 1991 über die Brücke, die eines der Wahrzeichen Portos ist.

GARABIT-VIADUKT Drei Jahre danach begann Eiffel im Jahr 1880 den Bau des Garabit-Viadukts in der Auvergne. 1884 war der Bau vollendet. Für die bis dahin abgelegene Gegend im französischen Zentralmassiv brachte die neue Brücke einen enormen Aufschwung. Produkte aus der ländlichen Gegend konnten nun besser verkauft werden. Schon kurz nach der Eröffnung war der Viadukt eine Sehenswürdigkeit, der Besucher aus ganz Frankreich anlockte. Gustave Eiffel nahm für den Garabit-Viadukt die Ponte Maria Pia zum Vorbild. Die Brücke über das Tal des aufgestauten Flusses Truyère war mit 122 Metern 25 Jahre die höchste Brücke der Welt. Der Viadukt ist 565 Meter lang, und es wurden 3900 Tonnen Schmiedeeisen verbaut. Die Spannweite des Bogens beträgt 165 Meter. Noch heute ist die Brücke ein Touristenziel. 2007 musste sie wegen Baufälligkeit eine zeitlang für Züge gesperrt werden. Inzwischen fahren wieder mehrere Züge täglich über den Viadukt.

MÜNGSTENER BRÜCKE Das bergische Wahrzeichen zwischen Solingen und Remscheid ist die jüngste der drei "Schwestern" aus Eisen – und eigentlich ist die Müngstener Brücke auch keine "Schwester", sondern eine "Cousine" der anderen. Denn ihr Erbauer war nicht Gustave Eiffel, sondern der deutsche Ingenieur Anton von Rieppel. Gebaut wurde von 1894 bis 1897 mit dem neuen Verfahren des freien Vorbaus, der Kräne überflüssig machte. Die Müngstener Brücke ist 107 Meter hoch und 465 Meter lang. Ihr Bogen überspannt 170 Meter. Es wurden 5000 Tonnen Stahl verbaut. Der Stahlkoloss ist bis heute die höchste Eisenbahnbrücke Deutschlands.

(RP/ac)
 
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