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Was Nebenan Passiert Aus Dem Stadtbezirk Wald
Die Einzelhandel-Abwärtsspirale

Was Nebenan Passiert Aus Dem Stadtbezirk Wald: Die Einzelhandel-Abwärtsspirale
Die Discounter am Central und am Weyer bewirken, dass die Einzelhandel-Verkaufszone an der Friedrich-Ebert-Straße und auch am Rundling kleiner geworden ist. Sogar stark frequentierte Arztpraxen sind verschwunden. FOTO: Martin Kempner (Archiv)
Solingen. Der Werbering Wald hat im Stadtteil eine dramatische Entwicklung in den vergangen fünf Jahren aufgezeigt und schlägt angesichts der Leerstände Alarm: "Es sind lange keine Gelder mehr geflossen", sagt der Vorsitzende Rainer Francke. Von Benjamin Dresen

Ein unscheinbarer Punkt auf der Tagesordnung entwickelte sich unerwartet zum wichtigsten Thema der Sitzung in der Bezirksvertretung Wald. "Vorstellung von Überlegungen zur Stadtentwicklung" hieß es dort reichlich vage. Aber nach dem leidenschaftlichen Vortrag des Werbering-Vorsitzenden Rainer Francke hatten sich die Prioritäten in der Tagesordnung klar verschoben. Michael Klaas (CDU) sprach von einer "niederschmetternden Analyse", die ihm aus dem Herzen gesprochen habe.

Rainer Francke stellte im Kampf gegen Leerstände im Stadtteil in den letzten fünf Jahren eine "dramatisch schnelle Abwärtsspirale" fest mit immer häufigeren Belegungswechseln in den Ladenlokalen der Friedrich-Ebert-Straße und auch zunehmend am Rundling. "Die Verkaufszone ist kleiner geworden", so Francke, und erkennt gleichzeitig eine "Ausfaserung" durch die Discounter in Richtung Central und Weyer. Der Stadtteil habe keine Metzgerei und bald auch keinen Gemüsehändler mehr, an Banken sind nur die Sparkasse und die Volksbank übrig. Und mehrere stark frequentierte Arztpraxen wurden aufgegeben. Francke glaubt nicht an eine wirtschaftliche Wellenbewegung, mit der es wieder aufwärtsgeht: "Da kommt nichts mehr". Als Ausgangspunkt dieser Entwicklung sieht er die Schließung des Bürgerbüros in Wald.

Wald stehe natürlich im Wettbewerb mit den anderen Stadtteilen wie Ohligs, wo an zwei Stellen neuer Wohnraum entsteht, oder der aufgewerteten Innenstadt. Francke will dies aber weder als Kritik noch als Neiddebatte verstanden wissen. Er betont jedoch ausdrücklich: "Es sind lange Zeit keine Gelder nach Wald geflossen." Die wirtschaftliche Entwicklung bewertet er als eine "dramatische Situation", die durch Ehrenamtliche nicht mehr zu beheben sei. Es benötige "professionelle Unterstützung" und die Zusammenarbeit von Unternehmen, Politik und Verwaltung.

Bezirksbürgermeisterin Birgit Zeier strebt nun einen runden Tisch mit Oberbürgermeister, Stadtdirektor und Vertretern des Stadtdienstes Planung an. Frank Knoche (Bündnis 90 / Grüne) fordert ein Förderprogramm für Wald und ein Umdenken in der Verwaltung, um den Stadtteilen mehr Gewicht zukommen zu lassen. Ingo Schloßmacher (SPD) sprach von einer "stiefmütterlichen Behandlung" Walds durch die Stadtspitze. "Die Ränder bluten aus", diagnostizierte Manfred Gräwert (BFS) eine allgemeine Entwicklung in Solingen.

Quelle: RP
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