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Bahn-Sperrung
Die ersten Schienen sind gekappt

Bahn-Sperrung: Die ersten Schienen sind gekappt
Die Generalsanierung des Gleisbettes hat im Bereich des Bahnhofes Leichlingen begonnen. FOTO: Uwe Miserius
Solingen. Seit der Nacht auf Samstag ist die Bahnstrecke zwischen Solingen und Leichlingen gesperrt. Nicht bei allen Reisenden haben sich die Bauarbeiten herumgesprochen, bei denen rund 10.000 Meter Gleis erneuert werden. Den Busfahrern des Schienenersatzverkehrs fehlt die Ortskenntnis. Von Guido Radtke

Die gähnende Leere auf Gleis 1 des Solinger Hauptbahnhofes erinnert an einen der vielen Streiktage, an denen im Mai vorigen Jahres keine Züge gefahren sind. Auf der Anzeigetafel leuchtet seit der Nacht auf Samstag der Hinweis, dass der Zugverkehr eingestellt und ein Schienenersatzverkehr nach Leichlingen eingerichtet sei. Seit diesem Wochenende erneuert die Deutsche Bahn die Gleise zwischen Solingen und Opladen - voraussichtlich bis zum 21. August ist deswegen die Direktverbindung nach Köln gekappt.

! Am Bahnhof Opladen bemängeln Ralf und Renate Klein, dass die Ersatzfahrpläne viel zu klein geschrieben sind. FOTO: Radtke Guido

Ein Mann stöpselt seine Kopfhörer aus, um fragend einen Passanten anzusprechen, ob tatsächlich keine Bahn fahre. Der Ortskundige schüttelt mit dem Kopf und lotst ihn zum Busbahnhof zum Schienenersatzverkehr. Die aus Richtung Wuppertal kommenden Fahrgästen der Regionalbahn 48 geht es vereinzelt genauso, die irritiert ihren (Um-)Weg nach Köln per Bus fortsetzen müssen. Immer wieder muss die Fahrerin beim Einstieg bestätigen: "Ja, nach Leichlingen".

Sichtlich abgehetzt rollt kurz vor der Abfahrt ein junger Mann mit seinem Fahrrad an. "Können Sie es festmachen ? Wenn nicht, müssen Sie aus Sicherheitsgründen leider draußen bleiben", sagt die Busfahrerin. Der Solinger Taras Zaika befestigt sein Gefährt, dass er als Foodkurier zwingend für seinen Nebenjob benötigt. "Ich bin schon am Samstag mit dem Bus nach Leichligen gefahren - da hat es keine Probleme gegeben." Der Student könnte von Solingen aus alternativ über Düsseldorf nach Köln fahren. "Trotz des Schienenersatzverkehrs bleibt der Weg über Opladen immer noch die schnellste Lösung", sagt er.

# Gähnende Leere an Bahnsteig 1 am Hauptbahnhof Solingen, wo die Anzeige auf den Schienenersatzverkehr hinweist. FOTO: Kempner Martin

51 bis 57 Minuten dauert in den Sommerferien die Fahrt von Solingen nach Köln, wo die Regionalbahn RB 48 sonst in 28 Minuten ihr Ziel erreicht. Wenn nicht die lange Wartezeit in Leichlingen wäre, würde sich der zeitliche Mehraufwand in Grenzen halten. Der Ersatzbus benötigt an diesem Sonntagvormittag von Ohligs über Aufderhöhe und Rupelrath nach Leichlingen elf Minuten, obwohl der eigentliche Fahrplan 18 Minuten vorsieht. Einige Fahrgäste sprinten aus dem Bus zur schon am Gleis bereitstehenden Rhein-Wupper-Bahn - völlig unnötig, da diese sich erst in 20 Minuten in Bewegung setzen wird.

Eine Hälfte des Bahnsteigs in Leichlingen ist abgesperrt. Mitarbeiter der Deutschen Bahn gehen hier auf und ab, beobachten und begleiten die ersten Arbeiten der umfangreichen Baumaßnahmen. Die ersten Schienen sind bereits verschwunden, ein Bagger gräbt den alten Schotter ab und lädt diesen auf einem der knapp 30 auf dem Nachbargleis abgestellten Niederbordwagen ab. Ein Teil des gut 150 Meter langen Güterzuges reicht bis weit in den Bereich der Schranke an der Hochstraße hinein, die aufgrund der Bauarbeiten bis Mitte August gesperrt sein wird.

Da zwischen Leichlingen und Opladen bis zum 31. Juli ohnehin kein anderer Zug außer der RB 48 verkehrt, nutzt die Regionalbahn in beiden Richtungen das Süd-Nord-Gleis. Ähnlich wie der Hauptbahnhof Solingen wirkt auch der Bahnhof Opladen wie ausgestorben, nachdem die Rhein-Wupper-Bahn ihre Fahrt fortgesetzt hat. Die Durchsage "Achtung Zugbetrieb - halten Sie Abstand von der Bahnsteigkante" wirkt völlig fehl am Platz, wo doch in den kommenden sechs Wochen kein Güterzug kommen kann und eigentlich auch kein Fernzug, weil diese über Düsseldorf umgeleitet werden. Und doch taucht wie aus dem Nichts ein Intercity auf: Um die vielbefahrenen Hauptstrecke über Leverkusen-Mitte und Langenfeld zu entlasten, gehört der IC 2049 (Köln - Dresden) zu den Zügen, die von Opladen aus über die Gütergleise nach Düsseldorf und ohne zusätzlichen Halt in der Landeshauptstadt weiter nach Wuppertal fahren.

$ Unternehmen aus dem Raum Aachen / Heinsberg stellen die Ersatzbusse - der Nachteil: Es fehlen die Ortskenntnisse. FOTO: Kempner Martin

Die nächste Durchsage trifft einige an Gleis 1 wartenden Reisende anscheinend völlig überraschend: "Der RE 7 nach Krefeld, Abfahrt 11.21 Uhr, fällt heute aus. Der Grund dafür sind Bauarbeiten." Anschließend studieren sie den Fahrplan-Aushang, der nur im Kleingedruckten Aufschluss darüber gibt, dass der Rhein-Münsterland-Express den Abschnitt zwischen Wuppertal und Köln-Deutz aufgrund der Neuverlegung der Gleise überhaupt nicht bedient. "Und die Ersatzfahrpläne von National Express sind so klein geschrieben, dass man sie kaum lesen kann", bemängelt Ralf Klein, der beruhigt ist, dass er in den Ferien ohne weiteren Umstieg zur Arbeit nach Köln und wieder zurück kommt.

Der Weg von Opladen nach Solingen gestaltet sich anfangs problemlos, obwohl die RB 48 sieben Minuten Verspätung hat. In Leichlingen wartet der Anschlussbus. Der Fahrer überzeugt sich sogar, dass alle Umsteiger den Weg vom Bahnsteig zum Bahnhofsvorplatz gefunden haben. In Aufderhöhe allerdings fährt der Ersatzbus nicht nur einen unnötigen Umweg über den Höhscheider Weg, sondern landet sogar in einer Vollsperrung - obwohl der Verkehrsunfall an der Friedensstraße bereits von der Kreuzung Löhdorfer Straße zu sehen war. "Uns fehlt die Ortskenntnis, um in solchen Momenten reagieren und ausweichen zu können", gibt ein Busfahrer der Unternehmen aus dem Raum Heinsberg / Aachen zu, die den Schienenersatzverkehr stellen. Ein bekanntes Problem. Bereits im Juni hatte das während der Sperrung zwischen Opladen und Köln zu einer atemberaubenden Irrfahrt eines Ersatzbusses geführt.

Quelle: RP
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