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Jan Welzel
Die Feuerwehr wird zeitgemäß ausgestattet

Jan Welzel: Die Feuerwehr wird zeitgemäß ausgestattet
Ein Blick in das Lager der Feuerwache an der Katternberger Straße. Der Standort in der Innenstadt wird als letzte der drei Wachen modernisiert. FOTO: Martin Kempner
Solingen. Bis 2030 will die Stadt rund 59 Millionen Euro in den Abriss und in den Neubau aller drei Feuer- und Rettungswachen investieren.

59 Millionen Euro, über Kredite finanziert, sind eine Menge Geld. Ist die Investition in die Feuerwehr in diesem Umfang erforderlich ?

Welzel Die Solinger Rettungswachen stammen aus den 30er bis frühen 80er Jahren. Die Fahrzeugtechnik, aber auch sonstige Anforderungen haben sich wesentlich weiterentwickelt. Wir müssen unsere Wachen nunmehr auf Höhe eines zeitgemäßen Standards bringen.

Wie haben die Mitarbeiter die geplanten Neubauten der Feuerwehrwachen aufgenommen ?

Jan Welzel ist Dezernent für Bürgerservice, Recht, Ordnung und Soziales. FOTO: Martin Kempner (Archiv)

Welzel Positiv. Wir haben in einer großen Dienstbesprechung die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Feuerwehr informiert und mit der Dimension des Vorhabens vertraut gemacht.

Warum ist all die Jahre so wenig in öffentliche Gebäude, und hier insbesondere auch in die Feuerwehrwachen, investiert worden ?

Welzel Solingen ist schon lange in Haushaltsnöten, was sich eben auch in einer vernachlässigten Instandhaltung der Gebäude bemerkbar macht. Irgendwann kommt aber der Punkt, an dem öffentliche Infrastruktur unrettbar zerbröselt, oder für sehr viel Geld instandgesetzt werden muss. Oft ist es wirtschaftlich vernünftig, neu zu bauen. Wir sind zu dieser Variante gekommen, da jede Investition in die bestehende Substanz weitere Eingriffe nach sich zieht und am Ende doch nur Stückwerk bleibt.

Investieren, um zu sparen - welche Summe kann der Stadtkämmerer unter dem Strich künftig bei der Feuerwehr eingesparen ?

Welzel Hintergrund ist eine veränderte Haltung bei der Bezirksregierung als Kommunalaufsicht. Wurde in der Vergangenheit jeder ausgegebene Euro kritisch betrachtet, so müssen wir heute darlegen, in welchem Verhältnis die Aufwendungen für eine Renovierung zu denen für einen Neubau stehen, da letztere immer zu einer Erhöhung des städtischen Anlagevermögens in Form von Immobilien führen. So sind wir auch bei den Feuerwachen vorgegangen, haben die Aufwendungen für die bestehenden Wachen ins Verhältnis zu den Aufwendungen für die schrittweise in Betrieb gehenden neuen Wachen gesetzt. Das Ergebnis hat gezeigt, dass wir nach Fertigstellung aller drei Feuer- und Rettungswachen die Nutzungskosten um zirka ein Drittel reduzieren können - und das, obwohl die Nutzfläche um 46 Prozent größer wird. Wir haben errechnet, dass im Jahr 2036 die fiktiven Nutzungskosten in den alten Wachen bei rund 1,2 Millionen Euro lägen, in den Neubauten bei knapp 800.000 Euro.

Im Haupt- und Personalausschuss wurden die Vorhaben der Politik erstmals unterbreitet. Es gab eine breite Zustimmung. Warum wird nun erst im November der politisch zweite Gang eingelegt, wenn die Investitionen im Finanzausschuss und schließlich im Stadtrat vorgelegt werden ?

Welzel Wir wollen bis 2030 59 Millionen Euro investieren. Der jetzt gefasste Grundlagenbeschluss soll in konkrete Planungen umgesetzt werden, die dann modular Jahr für Jahr umgesetzt werden. Damit werden jedes Jahr Investitionsmittel erforderlich. Es muss aber auch logistisch umgesetzt werden, damit der Betrieb der Feuerwehr uneingeschränkt gewährleistet ist. Die Entscheidung wird sich im ganzen nächsten Jahrzehnt auswirken. Da halte ich es für geboten, dass sich die Fraktionen Zeit für die Beratung nehmen können.

Mit dem Abriss beziehungsweise Neubauten wird im Jahr 2021 begonnen. Warum kann das nicht schneller in Angriff genommen werden ?

Welzel Wir wollen gründlich, solide und kostenbewusst planen und das Vorhaben modular im laufenden Betrieb umsetzen. Zeitdruck ist hier kontraproduktiv.

Die Feuer- und Rettungswache II an der Brunnenstraße in Ohligs wird von 2021 bis 2023 erneuert. Ist hier bereits ein Ausweichquartier gefunden worden, zumal der komplette Standort während der Bauarbeiten umziehen soll ?

Welzel Diese Frage müssen wir noch klären.

Danach sind - unter laufendem Betrieb - die Standorte Frankfurter Damm (2023-2027) und Katternberger Straße dran. Warum wird in dieser Reihenfolge verfahren ?

Welzel Das hängt mit den einzelnen Vorhaben zusammen. Es müssen immer alle Einsatzbereiche verfügbar sein, entweder noch an den alten oder schon an den neuen Standorten. Das macht eine logische Reihenfolge unabdingbar.

Die drei Feuer- und Rettungswachen sollen künftig jeweils einen besonderen Schwerpunkt erhalten. Welche sind hier wo angedacht ?

Welzel An allen drei Standorten werden sich jeweils eine Feuer- und eine Rettungswache befinden. Darüber hinaus wird die Wache I, Katternberger Straße, rettungsdienstlicher Schwerpunkt (Desinfektion, Rettungsdienstlager) sowie für die Schlauchwäsche zuständig sein. Der Wache II, Brunnenstraße, wird als Schwerpunktaufgabe der Bereich des Atemschutzes zugewiesen . Die Wache III, Frankfurter Damm, wird als größter Standort Sitz der Branddirektion. Das heißt, dort werden alle Abteilungen und Sachgebiete ihre Büros haben. Darüber hinaus wird sich an diesem Standort mit den meisten Einsatzfahrzeugen die Kfz-Werkstatt befinden. Neben weiteren Werkstätten sind dort dann auch die Feuerwehrschule sowie die Räumlichkeiten des Krisenstabes zu finden.

Muss die Freiwillige Feuerwehr Abstriche befürchten, wenn nun die Berufsfeuerwehr modernisiert wird?

Welzel Nein. Die Freiwillige Feuerwehr ist die zweite unabdingbare Säule der Solinger Feuerwehr. Von einer Modernisierung bei der Berufsfeuerwehr werden auch die freiwilligen Kräfte profitieren.

UWE VETTER FÜHRTE DAS GESPRÄCH

Quelle: RP
 
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