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Solingen
Die Herausforderungen des Amtes

Solingen: Die Herausforderungen des Amtes
Hakan Canik, Frank Feller, Tim Kurzbach, Friedhelm Funk und Wolfgang Teuber (v.l.) kandidieren am Sonntag in Solingen für das Amt des Oberbürgermeisters. FOTO: Stephan Köhlen / Martin Kempner (Archiv / 2)
Solingen. Die ehemaligen Oberbürgermeister Franz Haug und Ulrich Uibel blicken zurück und vergleichen ihre damaligen Rahmenbedingungen mit denen, die auf den neuen Stadt-Chef warten. Von Guido Radtke

Franz Haug war zehn Jahre Oberbürgermeister der Stadt Solingen - und er würde auch heute unter den jetzigen Gegebenheiten noch einmal kandidieren. "Wenn ich jünger wäre", schränkt der 73-Jährige ein und lacht. "Die Herausforderungen können einen nicht davon abhalten, dieses Amt anzutreten, um gestalten zu können."

Den potenziellen Nachfolger des amtierenden Oberbürgermeisters Norbert Feith beneidet Franz Haug nicht angesichts der Finanzprobleme der Stadt. Er spricht aus Erfahrung: "Während meiner Amtszeit war die Situation ja ähnlich. Ich habe sogar eine Zeit ohne genehmigten Haushalt erlebt." Beiden Spitzenkandidaten, Tim Kurzbach (SPD / Grüne) und Frank Feller (CDU), traut der ehemalige OB zu, die Probleme der Stadt zu lösen, die sich durch den unerwarteten Strom von Flüchtlingen in den vergangenen Wochen verschärft haben.

Haugs Vorgänger hat ebenfalls keinen Zweifel. "Egal ob Kurzbach oder Feller - beide sind Insider mit großen Kenntnissen", sagt Ulrich Uibel über die klaren Favoriten bei der Oberbürgermeister-Wahl am kommenden Sonntag. "Als Solinger haben sie keinen Nachholbedarf, das gesellschaftliche Leben und die Strukturen der Stadt kennenzulernen." Der 1997 zum ersten hauptamtlichen Stadtoberhaupt gewählte Uibel bezweifelt, dass er den Posten heute noch einmal anstreben würde. "Franz Haug und ich hatten in den ersten Jahren nach der Änderung der Gemeindeordnung die neue Rolle des Oberbürgermeisters mit Leben erfüllen müssen." Das sei inzwischen Normalität geworden. "Dafür hat sich die mediale Aufmerksamkeit völlig verändert, die in gewisser Weise den Druck erhöht. Der neue OB ist gut beraten, ein Stück Gelassenheit zu bewahren."

Es ist der einzige Ratschlag, den Ulrich Uibel dem neuen Mann an der Stadt-Spitze öffentlich mit auf den Weg geben will. "Das war mein Vorsatz, als ich 1999 die Wahl gegen Franz Haug verloren hatte. Ihm habe ich genauso wie Norbert Feith angeboten, immer zur Stelle zu sein, wenn ein Nachfolger Rat sucht." Angesichts der Situation im Rat sowie in der Verwaltung kann der SPD-Politiker, der sich inzwischen aus der ersten Reihe verabschiedet hat, nur Kraft, Durchhaltevermögen und politisches Geschick wünschen. "Die Mehrheitsverhältnisse im Rat sind unübersichtlich. Die Mehrheiten zu suchen und zu bilden, muss die Aufgabe des Oberbürgermeisters sein." Mit der auf zwei Dezernenten reduzierten Verwaltungsspitze erfahre der OB zudem keine Entlastung. "Er muss direkt loslegen, obwohl er sich eigentlich erst einarbeiten müsste."

Genau das braucht Zeit. "Der neue Oberbürgermeister sollte davon ausgehen, mindestens fünf Jahre tätig zu sein, um entscheiden zu können, wohin die Stadt hin will", sagt Franz Haug. "Man kommt aus einem anderen Umfeld. Und die Menschen, die um einen herum sind, müssen erst einmal von den eigenen Vorstellungen begeistert werden - in der Verwaltung, aber auch in anderen Bereichen wie der Wirtschaft." Das kann dauern. "Meine zweite Amtszeit war daher ein großes Pfund."

Quelle: RP
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