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Solingen
Die Kulturbienen fliegen wieder
Solingen: Die Kulturbienen fliegen wieder
Jürgen-Hugo Hans (links) und Kai Kunicke tragen einer der beiden Bienenstöcke auf das Dach vom Theater und Konzerthaus. Von dort aus werden zwei Bienenvölker im Umkreis von zwei Kilometern alles Blühende anfliegen. FOTO: Martin Kempner
Solingen. Von Dach des Theater und Konzerthauses schwärmen etwa 20 000 Bienen aus, um Nektar für die Honigproduktion zu sammeln. Bereits im zweiten Jahr stellt der Imkerverein zwei Bienenvölker auf das Theaterdach. Von Annemarie Kister-Preuss

Das Leben einer Biene ist kurz. Im Sommer währt es drei bis vier Wochen, im Winter drei bis sechs Monate. "Die Hälfte dieser Zeit fliegt die Biene und sammelt Nektar, in der übrigen Zeit hat sie im Bienenstock organisierte Jobs", sagt Kai Kunicke, der Vorsitzende des Solinger Imkervereins. Seit gestern fliegen ungefähr 20 000 Bienen von einer ungewöhnlichen Startrampe, dem Dach des Theater und Konzerthauses. Zum zweiten Mal hat der Verein zwei Bienenstöcke dort aufgestellt. Im Herbst werden sie wieder abgeholt.

Kai Kunicke und Vereins-Schriftführer Hugo Hans tragen die Bienenstöcke mit je zirka 10 000 Tieren auf das Theaterdach. Elf Rahmen, in denen die Waben stecken, sind in jedem Bienenstock. Pro Rahmen produzieren die Bienen bis zu zweimal im Jahr zwei Kilogramm Honig. Der erste Anflugpunkt auf dem Theaterdach ist eine prächtige Kastanie, die schon in Blüte steht. Doch die Bienen fliegen auch alle anderen Blüten an, erklärt Kai Kunicke, der von seinen Söhnen Julian (13) und Sebastian (10) tatkräftig unterstützt wird.

Theaterbesucher merken nichts

Klaus-Peter Vogt schaut derweil interessiert zu, wie die Imker die Bienenstöcke platzieren. "Wir sind die einzige Stadt in NRW mit Kulturbienen", sagt der Technische Leiter des Hallenmanagements schmunzelnd. Anfangs, so berichtet Vogt, habe man Bedenken gehabt, weil das Haus Unmengen von Luft ansaugt, doch das sei kein Problem gewesen. "Wir hatten noch nie eine Biene in der Filteranlage, und auch unsere Besucher merken nichts von den Tieren", erklärt Klaus-Peter Vogt.

In den beiden Bienenstöcken erwacht das Leben erst zögerlich, denn eigentlich ist es den nützlichen Insekten noch ein bisschen zu kalt. Zehn Grad, so wissen die Imker, ist für die Bienen eine Temperatur, bei der sie den Bienenstock gerne verlassen und in einem Umkreis von bis zu zwei Kilometern auf Nektarsuche gehen. "Sie sammeln alles, was blüht und produzieren daher Mischhonig", sagt Kai Kunicke.

Gegen Bienengift immun

Gestern zeigten sich die Bienen bei den kühlen Temperaturen noch zurückhaltend. Um einen Blick auf sie werfen zu können, nehmen Julian und Sebastian einen der Rahmen heraus. Hilfreich ist dabei der "Smoker", der Rauch erzeugt und so dafür sorgt, dass die Bienen von den beiden Jungen fernbleiben. "Wenn die Biene Rauch bemerkt, denkt sie, es brennt, frisst sich mit Honig, der noch im Rahmen vorhanden ist, voll um für die Flucht gerüstet zu sein", erklärt Kai Kunicke. Dennoch passiert es immer wieder, dass der Imker von seinen Bienen gestochen wird. "Imker werden oft gestochen, doch sie sind immun und bemerken kaum etwas davon", sagt der Vorsitzende. Bis zum Sommeranfang werden die beiden Bienenvölker vom Theaterdach aus nun auf die Suche nach Blüten gehen, danach ist das Bienenjahr zu Ende. Bis dahin werden die Imker einmal pro Woche auf das Theaterdach steigen und nach ihren Völkern sehen und dabei ihr Augenmerk darauf richten, dass sich die Völker nicht teilen und sich weitere Königinnen entwickeln. Das würde dem Ertrag schaden, weil sich das Volk teilen und seiner neuen Königin folgen würde.

Quelle: RP
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