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Die Solinger Künstler haben gewählt

Solingen. Die Malerin Susanne Müller-Kölmel ist die neue Vorsitzende des Vereins der Solinger Künstler.

Die frisch gewählte Vorsitzende des Vereins Solinger Künstler stellt sich derzeit in der Galerie SK in den Güterhallen mit ihrer Ausstellung "rest or run" einem breiten Publikum vor. Im Gespräch mit der Morgenpost erläutert Susanne Müller-Kölmel ihre Vorstellungen zur zukünftigen Gestaltung des Vereins.

Frau Müller-Kölmel, wir kennen Sie seit vielen Jahren als Mitglied der Solinger Künstler. Jetzt haben Sie sich entschieden, den Künstlerverein, dem Sie seit zehn Jahren angehören, zu leiten. Was hat Sie motiviert, sich zur Wahl zu stellen?

Susanne Müller-Kölmel Die Frage, "ob ich das machen wolle", wurde von mehreren Seiten an mich herangetragen. Nach reiflicher Überlegung habe ich mich dann entschieden, mich der Wahl zu stellen in dem Bewusstsein, dass ein Team hinter mir steht. Meine Neugierde, die Lust zu lernen, die Idee etwas zu bewegen, meine Kinder, die erwachsen sind. Die Liste wäre fortzuführen, je länger ich darüber nachdenke.

Wie verträgt sich so ein offizielles Amt mit den eigenen Ambitionen als Künstlerin?

Müller-Kölmel Es potenziert die eigene Arbeit durch die Konzentration und die Notwendigkeit, sich Fragen zu stellen und Antworten finden zu müssen. Dieses Interview ist das beste Beispiel. Ich bin grundsätzlich davon überzeugt, dass es gut ist, sich Herausforderungen zu stellen.

Welche persönlichen Eigenschaften bringen Sie mit, um einen Künstlerverein, der aus sehr unterschiedlichen Persönlichkeiten besteht, erfolgreich zu führen?

Müller-Kölmel Eine gehörige Portion Idealismus, der Glaube an das Gute im Menschen, die Fähigkeit, die Dinge mit Abstand zu betrachten, einschließlich meiner selbst. Und natürlich meine professionelle Ausbildung, was eine fachliche Kompetenz beinhaltet, sowie langjährige Erfahrung als Dozentin in der Kinder-, Jugend- und Erwachsenenbildung. Kreative Prozesse anregen und dann auch zu realisieren, nicht nur in der eigenen Arbeit, auch in Systemen wie zum Beispiel einem Verein, traue ich mir zu.

Gab es in den ersten Wochen bereits programmatische Aktivitäten ?

Müller-Kölmel Die ersten knapp 14 Tage war ich zu einem Arbeitsaufenthalt in Florida, so dass dann nicht so viele Tage übrigbleiben. Mit meiner Funktion als Vorsitzende des Vereins ging die Erneuerung des Galeriebodens einher. In diesem Zug haben wir dann direkt die Wände neu gestrichen. Vielleicht ist das ein ganz passendes Bild: diskutieren, reden und anpacken. Ich habe außerdem Kontakt zum Museum aufgenommen und vieles in meinem Kopf bewegt.

Wie würden Sie die Ziele und Perspektiven für den Verein der Solinger Künstler insgesamt umreißen?

Müller-Kölmel Ich versuche einmal, das mit ein paar Schlagwörtern zu beantworten: Teamarbeit und Dialoge in und über Kunst führen. Gemeinsame Arbeitstreffen anregen, Professionalität und Qualität einfordern. Die Einbindung der SK in die Solinger Kultur, überregionaler Austausch, Netzwerke bilden und professionelle junge Künstlerinnen und Künstler für den Verein gewinnen.

Wenn Sie die Ausstellungsaktivitäten des Vereins im Blick haben - gibt es von Ihrer Seite neue Ideen?

Müller-Kölmel Ich möchte weiterhin diverse künstlerische Positionen in der Galerie zeigen, Austausch mit Kunstvereinen anderer Städte, überregional und gerne auch international, initiieren. Für Kunststudenten könnten wir Ausstellungen in der Galerie ausschreiben.

Was ist nach Ihrer Ansicht für einen zeitgemäßen Künstlerverein wichtig, um wahrgenommen zu werden?

Müller-Kölmel Die Nutzung zeitgemäßer Kommunikationsmittel. Im Zeitalter von Email und Facebook sollten wir uns nicht nur auf den konventionellen Postweg verlassen. Genauso wichtig ist eine funktionierende, immer aktuelle Homepage. Was und wie können wir Öffentlichkeitsarbeit leisten? Da geht es sicherlich einmal um die Mittel, Methoden und Medien, aber genauso um die Inhalte. All diese Dinge gilt es im aktiven Vereinsleben zu diskutieren, sich zu positionieren, um dann möglichst zeitnah zu handeln. Und wir müssen uns Einmischen in das kulturelle Leben in der Stadt.

Die Solinger Künstler haben im letzten Jahr ihr 70-jähriges Bestehen gefeiert . Sind Sie eher Traditionalistin oder geht es um Innovation?

Müller-Kölmel Ich denke, dass auf Basis der Tradition, sozusagen als Wurzel, Neues, Innovatives wachsen kann und sollte. Work in Progress - anders kann ich es mir nicht vorstellen.

Zuletzt noch eine persönliche Frage: Welcher zeitgenössische Künstler inspiriert Sie und warum ?

Müller-Kölmel Um Beuys kommt man nicht herum. Ich finde seine Gedanken wahnsinnig anregend. Als Malerin interessiert mich aber auch, wie andere zeitgenössische Maler mit Material umgehen und was sie denken, zum Beispiel Gerhard Richter, Cornelius Völker, Katharina Grosse oder Rosemarie Trockel.

GÜDNY SCHNEIDER-MOMBAUR FÜHRTE DAS GESPRÄCH

Quelle: RP
 
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