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Solingen
Die Sportplatz-Rechnung: Jede Anlage wird gebraucht

Solingen. Die Auslastung auf einigen Fußballfeldern ist extrem hoch. Weniger frequentierte Sportstätten wie der Nebenplatz am Hermann-Löns-Weg dienen als dringend benötigter Puffer. Von Guido Radtke

Es ist schwer, auf dem Sportplatz am Bavert den Überblick zu behalten, wenn hier am späten Nachmittag trainiert wird. Zum Teil vier bis fünf Jugend-Mannschaften teilen sich beim VfB Solingen die 64,50 mal 100,00 Meter große Kunstrasenfläche, zeitgleich ist auch das Kleinspielfeld belegt. Der Verein zählt in dieser Saison so viele Mannschaften, dass die Kapazitäten auf der eigenen Anlage erschöpft sind. Einige Teams sind deshalb zum derzeit weniger frequentierten Nebenplatz am Hermann-Löns-Weg umgezogen.

Die im Jahr 2003 erbaute Kunstrasenanlage in direkter Nachbarschaft zum stillgelegten Ohligser Stadion fristet im Vergleich zu anderen Fußballplätzen in Solingen lediglich den Status einer Ausweichmöglichkeit. Beheimatet ist hier nur noch der OFC Solingen mit zwei Senioren-Mannschaften. Das Werben um Jugendliche hat der Verein vorübergehend eingestellt, weil die Planungssicherheit fehlt. Unklar ist, wann der Ersatzplatz im Josefstal errichtet wird. An der Stelle des maroden Stadions und der noch intakten Sportanlage soll bekanntlich ein Wohngebiet entstehen. Die Unterzeichnung des Notarvertrages ist für Ende dieses Monats geplant.

"Nur weil am Hermann-Löns-Weg weniger Betrieb herrscht als anderenorts, bedeutet das nicht, dass wir auf diesen Platz beziehungsweise den vorgesehenen Neubau an der Höhe Heide verzichten können", sagt Horst Schulten. Der Leiter des Stadtdienstes Sport und Freizeit betont: "Aus sportfachlicher Sicht benötigen wir im Stadtgebiet jeden Fußballplatz". Nach der Aufgabe der Anlagen Nibelungenstraße, Rölscheider Berg, Oberburg und Richterweg sowie mit dem Neubau der Carl-Ruß-Straße im Rahmen der Umrüstung von Asche auf Kunstrasen sind 13 Anlagen übrig geblieben. "Zusammen mit dem Kleinspielfeld am Bavert sowie dem Hockeyfeld am Schaberg verfügen wir statistisch über 14 Einheiten", sagt Horst Schulten. "Im Grunde genommen würden wir mehr Sportplätze benötigen, um den Bedarf zu decken." Angesichts der Haushaltssituation in Solingen bleibe eine Forderung nach 16 Einheiten jedoch pure Illusion.

Schultens Basisrechnung basiert auf einem Gutachten der Universität Wuppertal aus dem Jahr 2008. Die "Grundlagen zur Sportentwicklung" seien zwar sieben Jahre alt, die Grundaussagen jedoch immer noch gesetzt. 265 im Spielbetrieb gemeldete Fußball-Mannschaften sind damals zu Grunde gelegt worden. Inzwischen hat sich die Zahl im Solinger Stadtgebiet konstant bei etwa 230 eingependelt. Im Durchschnitt sind pro Platz 18 Mannschaften angesiedelt.

Diese Statistik betrifft nur den Fußball. "In den vergangenen Jahren hat sich die Sportlandschaft in Solingen stark verändert", sagt Horst Schulten. Den rückläufigen Zahlen bei den Kickern steht ein positiver Trend in anderen Freiluft-Sportarten gegenüber. Die Nachwuchsabteilung der Solingen Paladins (American Football) beispielsweise ist ebenso rasant gewachsen wie die Hockey-Sparte des Wald-Merscheider TV (ehemals TSV Aufderhöhe). Letztere weicht wie die Kicker des VfB Solingen zum Hermann-Löns-Weg aus, weil es sich an der Adolf-Clarenbach-Straße knubbelt.

"Der Vereinsfußball ist in ständiger Bewegung", weiß Horst Schulten. Immer wieder komme es zu Wechseln ganzer Mannschaften in andere Vereine. "Dies führt auch dazu, dass manche Plätze überfrequentiert sind und andere weniger genutzt werden." Wie extrem hoch die Auslastung etwa am Bavert, an der Carl-Ruß-Straße, an der Neuenkamper Straße oder am Flockertsholz ist, zeigt zum Teil die Abnutzung. "In der Regel hält ein Kunstrasenbelag 15 bis 18 Jahre, bis er erneuert werden muss." Horst Schulten und sein Team haben in dieser Woche Plätze in einer Vorbewertung aus sportfachlicher Sicht auf offene Nähte und Fehlerstellen überprüft.

Den Neubau des Ersatzplatzes an der Höher Heide stuft Horst Schulten unter dem Gesichtspunkt der allgemein hohen Auslastung als zwingend notwendig ein. "Auch wegen der Bevölkerungsentwicklung der vergangenen Jahre - insbesondere in den Stadtteilen Aufderhöhe und Ohligs."

Quelle: RP
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