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Solingen
Die süßen und bitteren Seiten von Wald

Solingen: Die süßen und bitteren Seiten von Wald
$ Stadtführer Friedhelm Funk erklärt vor der Spendensäule, dass die Walder Kirche von der vor 17 Jahren gegründeten Denkmalstiftung vor dem Verfall gerettet wurde. Fotos (2): Stephan MartiN Kempner FOTO: Köhlen,
Solingen. "Auf eine Praline oder zwei" heißt ein Rundgang durch den Stadtteil. Er führt unter anderem vorbei an der traditionsreichen Jahnkampfbahn, an ehemaligen Industrie-Standorten oder an der Pralinen-Manufaktur Finkhäuser. Von Wolfgang Günther

Friedhelm Funk gehört seit 2003 zur Gilde der Solinger Stadtführer. Er kennt sich in allen Stadtteilen aus. Seine Rundgänge bietet er zu festen Terminen an, steht aber auch kurzfristig für Gruppen bereit, die sich für die Solinger Geschichte interessieren.

Einer seiner Rundgänge führt durch den Stadtteil Wald mit dem Startpunkt Kirchplatz, der einst als Friedhof für die Walder und Gräfrather Bevölkerung diente. Das Gotteshaus ist 1000 Jahre alt und konnte durch die 1999 gegründete Denkmalstiftung vor dem Verfall gerettet werden. "Allerdings sind jetzt schon wieder Bauschäden zu sehen", zeigt Funk auf.

Beim Titel seines Spaziergangs "Auf eine Praline oder zwei" denkt man wohl eher an das benachbarte Gräfrath mit seiner Süßwaren-Fachschule oder dem Unternehmen Dr. Hillers-Pfefferminz, in dem heute Haribo seine naschhaften Artikel produziert. Aber auch Wald hat seine süßen Ecken. Es sind nur wenige Schritte vom Kirchplatz hin zum Café Finkhäuser, wo eine Kostprobe aus der eigenen Pralinen-Manufaktur gereicht wird. "Zucker hat in einigen Bereichen Bedeutung für Solingen", erklärt der Stadtführer. "Die Macheten für die Zuckerrohrernte in Südamerika kamen lange Zeit aus unserer Stadt - überhaupt wurde bei uns alles, was mit Metall möglich war, auch gemacht."

# Als Wald noch eigenständig war, hat die damalige Stadt wie Ohligs, Gräfrath, Dorp oder Höhscheid ein prunkvolles Rathaus gebaut. FOTO: Tinter Anja

Über den Planetenweg geht es vorbei an stolzen Häusern der Gründerzeit. "Die Periode von 1860 bis 1910 war wirklich die goldene Zeit der Walder. Die Industrie florierte, und fast jeder Bürger hatte genug Geld in der Tasche", erklärt Funk, der seine Gruppe danach ins 1928 eröffnete Walder Stadion führt. "Wie bei der Stadtkirche musste auch hier erst ein Förderverein eingreifen, um das historische Stadion zu erhalten", sagt er. Mit dem Gelände und der Halle des Wald-Merscheider Turnvereins nebenan bildet die Jahnkampfbahn ein einzigartiges Sportareal. Funk erinnert an Höhepunkte des Sports, die noch in guter Erinnerung sind. Die von Herbert Schade und Walter Scheel angeregten Abendsportfeste der Leichtathletik sorgten für ein volles Stadion, unvergessen sind auch die Auftritte der Feldhandballer, bei denen das Stadion aus seinen Nähten platzte.

Beim nächsten Halt, dem Gelände des früheren Autozulieferers Hagus zeigt Friedhelm Funk auch die bitteren Seiten von Wald auf. Auf Anhieb nennt er Namen von einem halben Dutzend Unternehmen an dem ehemaligen Industrie-Standort, die einst Weltgeltung hatten und heute verschwunden sind.

Bevor es wieder zum Kirchplatz zurückgeht, führt Funk noch zum ehemaligen Walder Rathaus an der Friedrich-Ebert-Straße. "Wie die anderen Stadtteile Gräfrath, Ohligs, Dorp und Höhscheid hat sich auch die Stadt Wald ein prunkvolles Rathaus gegönnt - man hatte es ja."

www.stadtfuehrungen-solingen.de

Quelle: RP
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