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Analyse
Die Treppendiskussion trägt nur noch irrationale Züge

Meinung | Solingen. Ansichtssache alte Tunnel wird nun zugeschüttet. Und damit ist auch die Zeit da, den Streit um den Nordstadt-Umbau zu begraben. Von Martin Oberpriller

Über viele Jahre zählten große Teile der Solinger Nordstadt nicht eben zu den besten Adressen in Solingen. Architektonisch hässlich und sozial problematisch - so oder so ähnlich lauteten die (Vor-)Urteile mancher, wenn es um das Viertel zwischen Clemens-Kirche und Schlagbaum ging.

Nun sollte man vom derzeitigen Umbau der Konrad-Adenauer-Straße keine Wunder erwarten. Mit einer Verschönerung der Straße verschwinden weder die bestenfalls funktionalen Bauten aus der Nachkriegszeit, die die Verkehrsader durch die Nordstadt säumen. Noch ändert sich etwas an der Zahl der Spielhallen, die nicht unmaßgeblich zum schlechten Ruf des Quartiers beigetragen haben.

Gleichwohl macht die Nordstadt einen Sprung nach vorne - allen Kritikern zum Trotz. Denn abseits einer - zumindest punktuell - attraktiveren Gestaltung geht mit dem Umbau auch ein Plus an Sicherheit einher. Die Umfrage unserer Redaktion in dieser Woche unter Passanten an der Konrad-Adenauer-Straße zeigte jedenfalls, dass kaum jemand der alten Fußgängerunterführung, die durch einen überirdischen Übergang ersetzt wird, eine Träne nachweint.

Der Tunnel wird jetzt für immer zugeschüttet. Und damit ist auch der Zeitpunkt gekommen, die Auseinandersetzungen um die Umgestaltung der Nordstadt sprichwörtlich zu begraben. Im Klartext: Die Bürgerinitiative "Wir in Solingen", die nach wie vor mit einer Klage gegen einen neuen Zugang zum Theater droht, täte gut daran, mögliche rechtliche Schritte noch einmal zu überdenken.

Schließlich verband die Initiative bei ihrer Kritik an den Umbaumaßnahmen im Zuge der jahrelangen Diskussion zwei Dinge, die - bei Lichte betrachtet - nichts miteinander zu tun hatten. "Wir in Solingen" wollte aus Geldgründen von Beginn an den neuen Überweg über die Konrad-Adenauer-Straße in Höhe des Theater und Konzerthauses verhindern und sprach sich darum für einen Erhalt des Tunnels aus. Erst als sich zeigte, dass der Tunnel im Zuge der Straßenmodernisierung auf jeden Fall wegkommen würde, nahm die Initiative die sogenannte Theatertreppe aufs Korn - die indes zu einem ganz anderen Bauprogramm gehört.

Damit jedoch hakte die Argumentation der Initiative von Anfang an. Und auch die Begründung, das Geld wäre in Kindergärten besser angelegt, zog nicht: Denn die Mittel für Straßenumbau und Verschönerung des Theaterumfeldes waren als Fördergelder stets zweckbezogen und standen dementsprechend niemals für andere Vorhaben zur Verfügung.

Das Ende der Geschichte ist bekannt: Nach endlosem Hin und Her kommt jetzt mit der "Trampe" eine Lösung, die zwar niemanden richtig zufriedenstellt. Doch auf diese Weise kann zumindest ein Schlussstrich unter die Auseinandersetzung gezogen werden, die am Ende vor allem irrationale Züge trug.

Dazu passt im Übrigen auch, dass die Initiative nun, nachdem der Rat entschieden hat, noch einmal einen Kompromissvorschlag unterbreitete: Ein Ja zu einem Theaterzugang, wenn dieser keine Stufen hat.

Da drängt sich der Eindruck auf, dass sich die ganze Diskussion längst verselbstständigt hat. Um die beste Gestaltung der Nordstadt als Ganzes geht es jedenfalls nicht mehr. Es ist wirklich höchste Zeit, die Treppendebatte zu beenden.

Quelle: RP
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