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Betrügerische Methode
Diebe tarnen sich als Pelzankäufer

Diebe tarnen sich als Pelzankäufer
Mit Annoncen werben Trickdiebe um Pelze. FOTO: dpa, ge ss
Solingen. Vermeintliche Pelzankäufer werben in Annoncen mit Barzahlung. Tatsächlich haben sie es auf wertvollen Schmuck abgesehen. Opfer sind vor allem Senioren. Von Leslie Brook und Christian Schwerdtfeger

Ihren Pelzmantel aus Wolfsfell hat sie vor vielen Jahren von ihrem Mann geschenkt bekommen. Inzwischen sei ihr der zu schwer geworden und nehme im Schrank viel Platz weg. "Angeblich sind alte Pelzmäntel ja wieder gefragt", sagt Gudrun Heise (Name geändert) – zumindest könne man diesen Eindruck gewinnen, denn es gibt derzeit viele entsprechende Anzeigen.

Pelzankäufer war vor allem an Gold interessiert

Auf so eine Annonce mit einer lokalen Vorwahl meldete sich auch die Solingerin. Gudrun Heise beschlich das erste ungute Gefühl, als der Anruf auf ein Mobiltelefon umgeleitet wurde. Er sei gerade in Frankfurt, sagte der Mann, könne aber bald zu einem Hausbesuch vorbeikommen. Bei dem späteren Treffen stellte sich heraus, dass der vermeintliche Pelzankäufer an allem aus Gold interessiert war, nicht aber an dem Mantel.

Der Polizei ist die betrügerische Methode bekannt. "Betroffen sind besonders Menschen ab 60 Jahren", sagt eine Sprecherin des Landeskriminalamtes (LKA). Bei den Ermittlungsbehörden werden diese Fälle unter der Rubrik "Warensuche nach Inserat" geführt. Doch nur sehr selten werden die Delikte zur Anzeige gebracht. In den vergangene Jahren waren es immer nur zwischen 20 und 30 Fälle, die der Polizei gemeldet wurden. "Wir gehen aber davon aus, dass die Dunkelziffer deutlich höher liegt", so die LKA-Sprecherin. "Die Betroffenen merken meist nicht, dass bei ihnen etwas gestohlen wurde", erklärt sie. So verhält es sich bei fast allen Trickbetrügereien. Nach Angaben des LKA gab es im vergangenen Jahr in NRW 2045 solcher Straftaten, bei denen nur Senioren Opfer waren.

Die Maschen der Trickbetrüger FOTO: dpa, frg fpt

Suche in Annonce: Pelz, Schmuck, Porzellan

Die Masche der vermeintlichen Ankäufer ist immer gleich: Sie schalten eine Annonce, in der sie angeben, Pelz, Schmuck oder Porzellan kaufen zu wollen. Interessenten können sich dann meistens unter einer Handynummer melden. Dann wird ein Termin im Haus oder der Wohnung vereinbart. Um Seriosität zu suggerieren, tritt der angebliche Käufer gepflegt in einem Anzug auf. Der Täter ist in der Regel mittleren Alters. Die Kriminellen lassen sich von den Senioren Pelz und Schmuck zeigen, verwickeln sie in Gespräche und lenken sie ab, indem sie etwa angeben, auf Toilette zu müssen oder etwas zu Trinken haben zu wollen. Um keinen Verdacht aufkommen zu lassen, kaufen sie ihren Opfern manchmal etwas ab - aber nur wertloses Zeug für wenige Euro. "Damit wiegen sie ihre Opfer in Sicherheit", sagt ein Polizeisprecher.

Genauso ist es auch einer 85-Jährigen aus Hennef ergangenen, die kürzlich Opfer dieser Masche geworden ist. Wie die Polizei mitteilte, waren der Frau von einem angeblichen Pelzankäufer zehn Goldketten aus ihren Schatullen gestohlen worden. Sie bemerkte den Diebstahl erst, als der Täter weg war.

"Das Geschäft ist tot"

Einen alten Pelz verkaufen zu können, sei heutzutage unmöglich. "Das Geschäft ist tot", sagt ein langjähriger Obermeister einer regionalen Kürschner-Innung. "Ich kenne niemanden, der seinen Pelz zu Geld machen konnte."

Im Nachhinein ist Gudrun Heise froh, dass ihr Mann zu Hause war, als der angebliche Pelzankäufer zur Begutachtung kam. "Wir haben darauf geachtet, dass er nicht allein im Wohnzimmer war." Er habe sich den Mantel zeigen lassen, dann aber wissen wollen, ob sie auch Goldschmuck oder Zinn hätten. "Er wollte auskundschaften, was wir an Wertgegenständen zu bieten haben", ist Gudrun Heise überzeugt. Es sei ihnen gelungen, den "penetranten Mann" des Hauses zu verweisen. Doch auch Wochen nach dem Besuch hatten sie ein komisches Gefühl. "Wir waren sehr wachsam, denn wir hatten Sorge, dass er zurückkommen könnte", erzählt die Rentnerin. "Wir haben wohl wirklich Glück gehabt, dass er uns nicht bestohlen hat." Ihren Pelz hat sie zurück in den Schrank gehängt - verkaufen will sie ihn nicht mehr. "Vielleicht spende ich ihn an ein Sozialkaufhaus."

Quelle: RP
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