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Solingen
Dieter Nuhr bastelt am neuen Programm

Solingen. Schon lange ausverkauft war der Abend mit dem Kabarettisten im Pina-Bausch-Saal, dabei ist das neue Programm von Dieter Nuhr überhaupt noch nicht fertig. "Bei dem Übermaß an Themen fällt es mir schwer, mich auf ein neues Programm zu konzentrieren, vielleicht mache ich ja auch gar keins mehr", meinte er zu Beginn. Aber in seinem iPad befinden sich genügend Stichworte, die am Donnerstagabend für einen begeisternden Auftritt von fast drei Stunden reichten.

Nuhr nimmt kein Blatt vor den Mund, legt sich mit Islamisten an und entfesselte im Sommer in den sozialen Medien einen Sturm der Entrüstung mit einem ironisch-provokanten Witz über die Griechenland-Krise. Das hindert den Mann vom Niederrhein aber nicht daran, weiter Klartext zu sprechen, bei dem aber am Ende nie eine Pointe fehlen darf. Natürlich steht die Welle der Flüchtlinge und die Reaktion der Deutschen darauf ganz am Anfang seiner kommentierenden Lesung. "Wir müssen klarmachen, dass das Brandsätzewerfen der Nazis nicht zur deutschen Folklore gehört." Aber auch die Flüchtlinge werden sich anpassen müssen, "Mülltrennung und Rauchverbot sind nur zwei der deutschen Regeln, das wird schwer für die Menschen aus Syrien und dem Balkan". Dieter Nuhr machte sich auch über den Angriff des Rappers Bushido auf ihn lustig und antwortete in entsprechender Körpersprache mit einem satirischen "Gegen-Rapp", der großes Gelächter auslöste.

Mit jedem Wisch auf dem kleinen Computer kam ein neues Thema zum Vorschein, Vorhang auf für die Diskussion der Geschlechter, genau gesagt, die möglichst gleiche Behandlung von Mann und Frau, die sich im Begriff "Gender" niederschlägt. Dabei wird der Mann wohl niedergebuttert werden, aber einem Komiker öffnet sich ein weites Feld an Absurditäten, aus dem er viel lustiges Gemüse ernten kann. Weiter geht es zum Kapitel Bundeswehr, in der die veraltete Ausrüstung nur noch wenig taugt. "Nur die Gulaschkanonen sind einsatzbereit, mit denen könnte man vielleicht Schweinefleisch auf die Islamisten schießen."

Die anfängliche Resignation war sicher nur ein wenig Koketterie, denn Dieter Nuhr kann aus einer überbordenden Menge von Material auswählen. Die moderne Wissenschaft der Darmbakterien sowie die baldige Machtübernahme der elektronischen Geräte kamen noch aufs humorvolle Tapet, das Publikum fiel von einem Begeisterungssturm in den anderen und bekam noch mehrere Zugaben.

Es folgt die Erkenntnis: Der erfolgreichen Premiere des neuen Programms von Dieter Nuhr steht nichts mehr im Wege.

(wgü)
 
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