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Solingen
Dorper Gemeinde erinnert an legendären Kirchenmann

Solingen. Johannes Lutze, der legendäre Pfarrer der Dorper Gemeinde war ein Mann der Bekenntnis; von den Nationalsozialisten ließ er sich nicht vereinnahmen. Für seine mutige Buß- und Bettagspredigt 1938 acht Tage nach der Reichspogromnacht wurde er gleich mehrfach von der Gestapo vorgeladen. Von Günter Tewes

Sein couragierter Großvater, erzählt Enkel Kristian Lutze, hatte in diesen Jahren stets eine Tasche mit dem Allernötigsten im Pfarrhaus der evangelischen Kirchengemeinde bereitgestellt, falls ihn die Nazis verhaften. Gottlob, das ist nicht geschehen. Immerhin hat der Seelsorger, der seit 1934 Leiter der Bekennenden Kirche im Solinger Kirchenkreis war, auch das Presbyterium in Dorp überzeugen und auf diesem Weg mitnehmen können. Dies ist der Gestapo nicht verborgen geblieben.

Im kommenden Jahr jährt sich am 8. Mai zum 25. Mal der Todestag des früheren Dorper Pfarrers und Solinger Superintendenten Johannes Lutze. Aus diesem Anlass hat die Kirchengemeinde Dorp eine Gedenk-Stele in Auftrag gegeben, die jetzt an Lutzes Grab auf dem Evangelischen Friedhof Grünbaumstraße neben der Dorper Kirche aufgestellt ist.

Im kommenden Frühjahr ist außerdem eine Ausstellung in der Dorper Kirche geplant, mit der an den legendären Solinger Kirchenmann erinnert werden soll.

"Pastor Lutze war ein prägender Mann. Es war unheimlich spannend, ihm zuzuhören. Er konnte Heimat schaffen - in der Kirche." Phänomenal sei seine Gottesdienstgestaltung gewesen: "Er hat gepredigt, was Sache war", schildern Oberkirchenrätin i.R. Gisela Vogel und Kantorin Annegret Pallasch, die von Johannes Lutze getauft und konfirmiert wurden. Vogel und Pallasch sowie die Dorper Pfarrerin Andrea Zarpentin und der Historiker Dr. Horst Sassin sind verantwortlich für die Gestaltung der Stele und die Ausstellung im kommenden Jahr.

Der in Brandenburg geborene Johannes Lutze war seit 1932 Pfarrer der damaligen Evangelischen Kirchengemeinde Solingen mit Zuständigkeit für den Bezirk Dorp sowie ab 1944 Superintendent für den damaligen Kirchenkreis Solingen, zu dem auch große Teile Leverkusens gehörten. Nach seiner Emeritierung blieb er auch im Ruhestand bis ins hohe Alter als Seelsorger für die Menschen in Dorp aktiv. Im sogenannten Kirchenkampf während der Nazi-Herrschaft gehörte Lutze als Verbindungspfarrer zur regimekritischen Bekennenden Kirche und geriet mit seinen kritischen Predigten immer wieder ins Visier der Gestapo.

Annegret Pallasch und Gisela Vogel haben Johannes Lutze als einen Pfarrer erlebt, der, wenn er zu Fuß durch die Gemeinde ging, sich Zeit für die Menschen nahm und "bei jedem stehen blieb". Nach dem Krieg fuhr er einen VW-Käfer, eigens ausgestattet mit einem Schiebedach, damit er die Hand herausstrecken konnte, um den Menschen zuzuwinken.

Quelle: RP
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