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Solingen
Drachen und Ghetto-Atmosphäre bei Tarot-Treffen

Solingen. Im Atelier "We Create" herrscht gebannte Stille. Staunende Augen sind auf die Bilder gerichtet, die von einem Beamer auf die Leinwand projiziert werden. Vor schwarzem Hintergrund sind in leuchtenden Farben kunstvoll gestaltete Drachen zu sehen.

"Manche Karten haben sechs bis sieben Versionen", sagt Steph Engert, Leiterin des Solinger Tarothauses, die gemeinsam mit der Künstlerin Nora Huszka das kurz vor der Vollendung stehende "Starlight Dragon Tarot" vorstellte. Das Konzept dieses Tarot-Decks stammt von Steph Engert, die künstlerische Umsetzung von der ungarischen Künstlerin. Eine Besonderheit dieses Decks ist, dass die Karten quadratisch sind und auf einer Spitze stehen, was vielfältige Legevariationen ermöglicht.

Die Besucher der internationalen Tarot-Konferenz "TarotCon", zu der das Solinger Tarothaus eingeladen hatte, waren begeistert. Zuvor hatte bereits die belgische Fotografin Alice Smeets erzählt, wie es zu ihrem preisgekrönten "Ghetto Tarot" gekommen ist. "Ich wollte mit meiner Kamera die Welt verändern", verriet sie.

Alice Smeets lebte zwei Jahre in Haiti und lernte dort die Armut, aber auch die Gemeinschaft und die Kreativität der Menschen im Ghetto der Hauptstadt Port au Prince kennen. "Es war an der Zeit, den Fokus auf das Potenzial zu richten", erklärte sie. Die Mitglieder einer Künstlergruppe aus dem Ghetto standen Modell für die Bilder ihres Tarot-Decks, die unglaublich ausdrucksstark die Atmosphäre des Ghettos widerspiegeln.

Marcus Katz, einer der Gründer und Leiter der weltweit agierenden "Tarosophy Tarot Association", war gemeinsam mit seiner Kollegin Tali Godwin aus England angereist und zeigte den Konferenzbesuchern, wie eine Tarotkarte zum erzählen einer Geschichte inspirieren kann, was dann auch sofort ausprobiert wurde. Wie der Geschichtenerzähler mittels eines Tarotdecks einen Helden und dessen Herausforderung findet, führte er sehr verständlich aus, um wie nebenbei, den Zuhörern Möglichkeiten aufzuzeigen, eigene Fragen mit dem Tarot zu beantworten.

In einem zweiten Vortrag brachte der Bestsellerautor das Kunststück zustande, selbst Tarot-Neulingen innerhalb von zehn Minuten alle 78 Tarotkarten zu erklären. Zwischen den Vorträgen las die Solinger Autorin Grünwald Gedichtreihen aus ihrem Buch "Auf der Fährte des Narren", die sie zu Karten des "Gypsy Palace Tarots" geschrieben hat. Martina Hörle lud die Konferenzbesucher ein, anhand einer gezogenen Tarotkarte selbst kreativ zu werden. Die vorgelesenen Kurzgedichte bewiesen, wie inspirativ Tarot sein kann.

Natürlich blieb auch viel Raum zum Austausch und gegenseitigen Kennenlernen. So ermöglichte es die erste "TarotCon" auf kontinentaleuropäischem Boden, Tarotkarten einmal von ganz ungewöhnlicher Seite kennenzulernen.

(sue)
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