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Mann in Solingen festgenommen
Kind stirbt an schwersten Misshandlungen

Drei Jahre altes Kind in Solingen getötet: Mann festgenommen
Am Tag nach der Tat erinnerten lediglich noch die Versiegelungen der Polizei an der Wohnung daran, welche Tragödie sich Stunden zuvor hinter der Tür abgespielt hatte. FOTO: Schüller (2), Kempner
Solingen. Ein 18-Jähriger soll am Mittwochabend die dreijährige Tochter seiner Freundin so schlimm misshandelt haben, dass das Mädchen starb. Wiederbelebungsversuche blieben erfolglos. Der Verdächtige floh zunächst, wurde aber gefasst. Von Martin Oberpriller

Es war ein so schrecklicher Anblick, wie ihn auch die erfahrensten Rettungssanitäter, Notärzte und Polizisten wohl ihr ganzes Leben lang nicht mehr aus dem Kopf bekommen werden. Ein dreijähriges Mädchen ist am Mittwochabend mutmaßlich von dem Lebensgefährten der eigenen Mutter derart brutal misshandelt worden, dass das kleine Kind noch am Tatort seinen schwersten Verletzungen erlegen ist.

Der 18-jährige Verdächtige konnte nach der Tat, die sich in einem Haus an der Zeppelinstraße zwischen Mitte sowie Wald ereignet hatte, zunächst fliehen. Allerdings hatte der Mann zuletzt keine Chance. Denn nach einer noch am Mittwochabend eingeleiteten Großfahndung der Polizei gelang es schließlich, den mutmaßlichen Täter am Donnerstagmittag auf offener Straße festzunehmen und ins für Solingen zuständige Polizeipräsidium Wuppertal zu bringen, wo noch am Nachmittag die ersten Vernehmungen begannen.

Zwar weigerte sich der Mann bis auf Weiteres, zu den gegen ihn erhobenen Vorwürfen Stellung zu beziehen. Gleichwohl sind sich die zuständigen Ermittlungsbeamten aber relativ sicher, dem 18-Jährigen die Schuld an dem gewaltsamen Tod des kleinen Mädchens nachweisen zu können, so dass er bereits heute einem Haftrichter vorgeführt werden dürfte.

Der Ort des Verbrechens: Die Zeppelinstraße zwischen Wald und Mitte. FOTO: Martin Kempner

In dem beige verputzten Mehrfamilienhaus, in dem wenige Stunden zuvor das Verbrechen geschehen war, erinnerte am Donnerstagnachmittag derweil kaum noch etwas an die Tat. Nur die Tür mit dem Schmuckkranz, hinter der sich das schreckliche Drama ereignet hatte, war von der Polizei versiegelt worden, während die Jalousien der Wohnung in der zweiten Etage des Hauses den ganzen Tag heruntergezogen blieben.

In dem Gebäude hatte sich ersten Erkenntnissen der Polizei zufolge am Abend zuvor eine regelrechte Tragödie abgespielt. Es war gegen 20.15 Uhr am Mittwochabend, als der erste Notruf in der Leitstelle der Feuerwehr eingegangen war. Am anderen Ende der Telefonleitung befand sich die 24 Jahre alte Mutter des Kindes, die den Beamten vollkommen aufgelöst berichtete, ihre dreijährige Tochter atme nicht mehr.

Allem Augenschein nach war also keine Sekunde zu verlieren - weswegen die Feuerwehrleute umgehend die diensthabende Notärztin unterrichteten, die daraufhin so schnell sie konnte sowie mit weiteren Rettungskräften zum Einsatzort eilte. Doch wie dramatisch die Situation in der Wohnung wirklich war, zeigte sich erst, als die Medizinerin und die anderen Helfer kurze Zeit später an der Zeppelinstraße eintrafen.

Denn das kleine Mädchen gab keinerlei Lebenszeichen mehr von sich. Zwar versuchte die Notärztin noch in aller Hektik Wiederbelebungsversuche bei dem Kind. Aber am Ende half auch dies nicht mehr. Die Verletzungen der Dreijährigen erwiesen sich als so schlimm, dass den Rettern schließlich nichts anderes blieb, als den Tod der Kleinen festzustellen.

Da sich während des letztlich vergeblichen Kampfes um das Leben des Kindes Anhaltspunkte ergeben hatten, wonach die Dreijährige kurz vor ihrem Tod massivster Gewalt ausgesetzt gewesen sein könnte, verständigte die Ärztin parallel die Polizei. Diese kam ihrerseits wenige Minuten später in der Wohnung an und nahm die Ermittlungen in dem Fall auf.

Im Zuge der Untersuchungen ergab sich dann schnell ein dringender Tatverdacht gegen den Lebensgefährten der Mutter, der sich allerdings inzwischen nicht mehr in der gemeinsamen Wohnung des Paares befand. Aus diesem Grund leiteten die Beamten noch vor Ort die bereits erwähnte Fahndung ein, die in der Festnahme des 18-Jährigen gipfelte. Sollten sich im Rahmen der weiteren Untersuchungen die Verdachtsmomente gegen den Mann erhärten, droht dem potenziellen Täter, der nicht Vater des Mädchens ist, eine Anklage wegen Totschlages oder gar wegen Mordes.

Dabei ist der Festgenommene bei den Behörden schon seit längerem kein unbeschriebenes Blatt mehr, wie der für Kapitalverbrechen zuständige Oberstaatsanwalt Heribert Kaune-Gebhardt am Donnerstag auf Anfrage unserer Redaktion bestätigte. Beispielsweise waren in der Vergangenheit gegen den Mann unter anderem Ermittlungen wegen Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz gelaufen. Und überdies befinden sich in den Akten Einträge aufgrund von diversen Gewaltdelikten.

Die Leiche des Mädchens wurde zur Obduktion in die Rechtsmedizin gebracht. Mit ersten Ergebnissen rechne man noch vor dem Wochenende, sagte Staatsanwalt Kaune-Gebhardt, der zudem betonte, es hätten sich zunächst keinerlei Anhaltspunkte ergeben, wonach die Mutter der Dreijährigen etwas mit dem Tod des Kleinkindes zu tun haben könnte.

Auch sei die Familie bislang nicht wegen einer Kindesgefährdung aufgefallen. Gleichwohl, so hieß es bei der Staatsanwaltschaft, werde die Rolle der Frau, die sich momentan in psychologischer Betreuung befinde, ebenfalls eingehend unter die Lupe genommen, um den Tod des kleinen Mädchens umfassend aufzuklären.

Quelle: RP
 
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