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Solingen
Drogen-Oma": Dramatischer Appell an eigenen Sohn

Solingen. Ein 29-jähriger Rollstuhlfahrer hat Mittwochmorgen im so genannten Drogenoma-Prozess am Wuppertaler Landgericht als erster Angeklagter sein Schweigen gebrochen. Der Mann erklärte, er habe sich nur deshalb zu insgesamt zehn Kurierfahrten nach Holland hergegeben, da er tausende Euro Schulden hatte und von einem nicht angeklagten Bekannten massiv unter Druck gesetzt worden sei. Von Martin Oberpriller

Derweil hüllen sich die anderen Angeklagten weiter in Schweigen. Zum Auftakt des Verhandlungstages richtete jedoch die 84-jährige Solingerin, die ebenfalls Rauschgift geschmuggelt haben soll, über ihre Anwältin einen dramatischen Appell an den mitangeklagten Sohn und den Enkel. Die beiden sollten endlich zu den Tatvorwürfen aussagen, da sie es von sich aus nie fertigbrächte, die zwei solch schwerer Taten zu beschuldigen, wie sie nun mal im Raum stehen.

Die Angeklagten sollen fast zwei Jahre große Mengen Heroin von Holland nach Solingen geschmuggelt und dort verkauft haben. Die 84-Jährige soll dabei nur kriminell geworden sein, um die schwer heroinabhänigen Verwandten zu unterstützen. Wie die ältere Dame später weiter mitteilen ließ, leidet sie sehr unter den ihr zur Last gelegten Vorwürfen, aber noch mehr darunter, dass der eigene Sohn schon in jungen Jahren auf die schiefe Bahn geriet. "Als ich ihn als Jugendlichen auf ein Internat schickte, bekam er zum ersten Mal Kontakt zu Drogen", ließ sie verlesen.

Die Verteidigung des Sohnes (50) verfolgt hingegen eine andere Strategie. Da er den Polizisten, die die ersten Vernehmungen nach Auffliegen der Bande im Sommer 2009 durchführten, schwere formale Fehler vorwirft, stellte ein Rechtsanwalt des Sohnes den Antrag, den Inhalt der Protokolle nicht im Prozess zu verwenden.

Quelle: RP
 
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