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Solingen
Drogenprozess: Bandenmitglieder lebten auf großem Fuß

Solingen. Schicke Autos, teure Uhren und lose Geldscheine in Taschen - das Leben des Mannes, der am Mittwochmittag als Hauptbeschuldigter mit vier mutmaßlichen Komplizen auf der Anklagebank des Wuppertaler Landgerichts Platz nahm, war bis zu seiner Verhaftung recht luxuriös gewesen. Doch davon war im Gerichtssaal nicht viel geblieben. Im Gegenteil: Die vier Männer und eine Frau, die bis zur Zerschlagung ihrer Bande im Januar einen schwunghaften Handel mit Marihuana betrieben haben sollen und sich dafür nun verantworten müssen, wirkten zum gestrigen Prozessauftakt allesamt eher unscheinbar. Von Martin Oberpriller

Was man über die ihnen zur Last gelegten Taten nicht sagen kann. Die Anklage wirft dem Quintett vor, seit 2014 in einem Haus in der Hofschaft Breitbach Cannabis-Pflanzen gezüchtet, diese mit eigens in den Niederlanden angeheuerten Helfern geerntet und das fertige Marihuana dann für 75.000 Euro verkauft zu haben.

Eine Summe, die später unter den Bandenmitgliedern aufgeteilt wurde. Wobei der jeweilige Anteil allerdings so unterschiedlich ausfiel, dass dies zuletzt wohl zu einem Zerwürfnis führte. Denn irgendwann kamen vier der Bandenmitglieder anscheinend auf die Idee, sich ihres Chefs zu entledigen, indem sie Fotos des Mannes, die diesen mit Drogen zeigten, anonym an die Behörden schickten.

Das Kalkül: Die Polizei sollte den 37-Jährigen, der nur auf Bewährung frei war, aus dem Verkehr ziehen, so dass für die anderen Bandenmitglieder fortan mehr vom "Drogenkuchen" übriggeblieben wäre. Doch was die Angeklagten nicht wussten: Zu diesem Zeitpunkt befand sich die gesamte Gruppe bereits im Visier der Fahnder, die am 21. Januar´ schließlich zuschlugen und die Bande verhafteten.

Sollte es am Ende Verurteilungen geben, müssen die meisten Angeklagten mit hohen Haftstrafen von mindestens fünf Jahren rechnen. Allein die mitangeklagte Frau dürfte ohne Gefängnis davon kommen, da ihr Tatbeitrag eher gering war.

Darauf kann einer der Männer, ein 28-Jähriger, auf keinen Fall spekulieren. Dieser Mann hatte bei der Festnahme nämlich versucht zu fliehen und war erst durch Schüsse von Polizisten auf seinen Audi TT gestoppt worden. Und auch gestern hatte der Angeklagte wieder einen besonderen Auftritt. In einer Pause versuchte er, seinem Anwalt nach draußen zu folgen, wurde aber von Wachtmeistern daran gehindert. Von einem "Fluchtversuch" wollte ein Sprecher des Gerichts später indes nicht sprechen. Die Situation sei zu keinem Moment gefährlich gewesen.

Quelle: RP
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