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Solingen
Dunkle Wolken überm Pfarrverband Süd

Solingen. Ex-Pfarrer Sellier erhebt Vorwürfe gegen Gemeindemitglieder und das Erzbistum. Die Betroffenen weisen diese zurück. Von Martin Oberpriller

Die Abberufung von Dr. Ulrich Sellier als leitender Pfarrer im katholischen Pfarrverband Solingen-Süd sorgt unter den Gläubigen im Seelsorgebereich weiter für gehörige Unruhe. Nachdem der Dienst von Sellier auf Weisung des Erzbistums Köln bereits Anfang des Jahres geendet hatte, hat der ausgeschiedene Pfarrer jetzt schwere Vorwürfe gegen einige Mitglieder seiner ehemaligen Gemeinde sowie gegen das Bistum erhoben.

"Vor meiner Abberufung hat eine Handvoll Leute Gerüchte über mich verbreitet, die meiner Ansicht nach strafbar sind", klagte Ulrich Sellier am Freitag im Gespräch mit unserer Redaktion - und ging überdies mit der Kirchenverwaltung in Köln hart ins Gericht. Diese verweigere ihm die Einsicht in die betreffenden Akten. "Dadurch wird eine eventuelle Strafverfolgung durch das Bistum vertuscht", sagte der Pfarrer, der seit dieser Woche als neuer Seniorenseelsorger in Bad Münstereifel arbeitet.

Beim Erzbistum Köln reagierte man gestern mit "Erstaunen" auf die Anschuldigungen Selliers. "Die Vorwürfe, der Pfarrer sei gemobbt worden, können wir nicht nachvollziehen", betonte ein Bistumssprecher. Vielmehr habe es im Vorfeld der Abberufung von Ulrich Sellier sowohl "Lob als auch Kritik" gegeben, hieß seitens des Erzbistums. Allerdings sei das "persönliche Verhalten des Pfarrers in einigen Situationen nicht nachzuvollziehen gewesen", sagte der Sprecher. Es habe diesbezüglich mehrfach Beschwerden gegeben, so dass sich das Bistum schließlich gezwungen gesehen habe, einzugreifen und den Pfarrer nach fast zehn Jahren in der Klingenstadt von seinem Posten abzuziehen.

Der Bistumssprecher unterstrich ausdrücklich, die Differenzen zwischen Pfarrer Sellier und anderen im Pfarrverband seien ausschließlich zwischenmenschlicher Natur gewesen. Ein Eindruck, den gestern verschiedene Gemeindemitglieder bestätigten. "Leute, die sich wie Ulrich Sellier in verantwortlicher Position befinden, machen sich mit ihrer Arbeit nicht nur Freunde", hieß es aus dem Pfarrverband. Dabei sei die Amtsführung des Pfarrers jedoch "nicht immer unangefochten gewesen", sagte ein Insider, der betonte, auch im Seelsorgeteam habe es Ärger gegeben.

Dementsprechend hoffen viele im Pfarrverband, dass die Katholiken im Solinger Süden nach dem Amtsantritt des neuen leitenden Pfarrers Michael Mohr, der für die beiden Gemeinschaften Mitte-Nord sowie Süd zuständig ist, ab August wieder in sprichwörtlich ruhigeres Fahrwasser kommen.

Ein Wunsch, den die Gläubigen mit Pfarrer Ulrich Sellier teilen. Er hatte ursprünglich einen Wechsel ins schweizerische Chur ins Auge gefasst, wo er einst seine Priesterweihe erhalten hatte. Nachdem dies an kirchenrechtlichen und verwaltungstechnischen Fragen gescheitert war, sollte Sellier Pfarrer der deutschen Gemeinde auf Mallorca werden. Allerdings verweigerte dazu wiederum der Verband der Diözesen Deutschlands seine notwendige Zustimmung, so dass Sellier, der als Pfarrer inzwischen nicht mehr zum Bistum Chur, sondern endgültig zu Köln gehört, nun in Bad Münstereifel als Seniorenseelsorger arbeitet. "Das ist eine Aufgabe, auf die ich mich wegen des Kontakts zu älteren Menschen freue." Sellier betonte, gegenüber dem Kölner Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki "loyal" zu sein.

Quelle: RP
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