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Solingen
Ein Denkmal der "goldenen Zwanziger"

Solingen. Die Feuerwehrsiedlung in Ohligs soll als Paradebeispiel des sozialen Wohnungsbaus unter Schutz gestellt werden. Von Martin Oberpriller

Die Eingemeindung von Ohligs in die neue Großstadt Solingen warf bereits ihre Schatten voraus - da entwickelten die Stadtväter in der zweiten Hälfte der 1920er Jahre plötzlich einen besonderen Elan. Überall in der damals noch selbstständigen Stadt Ohligs mit ihren mehr als 30.000 Einwohnern entstanden neue Gebäude, so als gelte es, die bedrohte Unabhängigkeit quasi einzumauern.

Geholfen hat es am Ende nichts. 1929 wurde Ohligs gemeinsam mit anderen Gemeinden zur Großstadt Solingen zusammengeschlossen. Doch während die Selbstständigkeit seitdem Geschichte ist, zeugen überall auf dem Gebiet der ehemals "freien" Stadt bis heute Bauten im typischen Stil der Zeit vom damaligen Bauboom.

So zum Beispiel auch an der Saturnstraße und an der Brunnenstraße, wo - unweit des ebenfalls in jenen Jahren entstandenen Ohligser Hallenbades - einige Häuser der sogenannten Feuerwehrsiedlung die Zeitläufe überdauert haben. Und nachdem Teile der Wohnanlage bereits im Jahr 1987 unter Denkmalschutz gestellt wurden, soll nun das gesamte noch erhaltene Ensemble als besonders schützenswert deklariert werden.

Das geht aus einer Beschlussempfehlung des Stadtdienstes Planung, Mobilität, Denkmalpflege für die kommende Sitzung der Bezirksvertretung Ohligs/Aufderhöhe/Merscheid am Montag, 23. November, hervor. Die Stadtteilpolitiker sollen dann der Eintragung der Häuser Saturnstraße 1 und Brunnenstraße 9 in die Denkmalliste der Stadt ihre Zustimmung geben.

Diese zwei zweigeschossigen Kopfbauten der Siedlung wurden wie die anderen Teile der Wohnanlage ab 1928 nach einem Entwurf des Ohligser Architekten Max Weber errichtet und gelten - vollständig im Originalzustand erhalten - bis heute als Paradebeispiele des sozialen Wohnungsbaus in den "goldenen" 20er Jahren.

So sorgte Architekt Weber bei seinen Entwürfen durch einige Details bei der baulichen Gestaltung für den "Eindruck eines blockhaften Kubus im Sinne der klassischen Moderne", heißt es in einem im Frühjahr entstandenen Gutachten des zuständigen Landesamtes für Denkmalpflege. Gleichzeitig sollte mit den Bauten aber auch die nach dem Ersten Weltkrieg überall vorherrschende Wohnungsnot bekämpft werden.

Zeittypisch wurden für ganze Berufsgruppen Wohnsiedlungen errichtet, die nahe an der Arbeitsstelle liegen sollten. Die Feuerwehrsiedlung in Ohligs ist ein nachgerade perfektes Beispiel hierfür. Denn die Siedlung, die heute der Stadt Solingen gehört, bestand nicht allein aus den nun unter Denkmalschutz zu stellenden Wohnbauten. Darüber hinaus errichteten die Verantwortlichen seinerzeit ein neues Feuerwehrdepot samt moderner Fahrzeughalle.

Dabei standen aber, so das Landesamt für Denkmalpflege, stets die Bedürfnisse der Bewohner im Zentrum. In Ohligs ist das bis heute erkennbar an der teilweise schrägen Stellung der Häuser zur Straße, wodurch der Stand der Sonne in den Wohnungen optimal ausgenutzt werden kann.

Quelle: RP
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