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Solingen
Ein halbes Jahrhundert mit Parteibuch

Solingen: Ein halbes Jahrhundert mit Parteibuch
Oberbürgermeister Tim Kurzbach (l.) und Josef Neumann, Vorsitzender des SPD Unterbezirks Solingen, ehrten im Rahmen eines Festaktes im Gräfrather Klostersaal acht Mitglieder für 50-jährige Treue - unter ihnen Ernst Martin Walsken. FOTO: Stephan Köhlen
Solingen. Die Solinger Sozialdemokraten ehrten 35 Jubilare für ihre 25-, 40- und sogar 50-jährige Mitgliedschaft. Stellvertretend blicken Karin Stock und der ehemalige Landtagsabgeordnete Ernst Martin Walsken zurück. Von Alexander Riedel

Manchmal stellt der Zufall bedeutende Weichen für das Leben: "Ich wollte eigentlich nur mit meinem damaligen Freund und heutigem Ehemann zum Tanz in den Mai gehen", verrät Karin Stock. Doch der Veranstalter, den sie gut kannte, verknüpfte den Verkauf der Eintrittskarte für die damals 23-jährige Frau mit einer Forderung: "Die bekommst Du nur, wenn Du Mitglied in der SPD wirst".

Diese Begebenheit ereignete sich im Jahr 1965. Jetzt erhielt Karin Stock die Urkunde und Anstecknadel für ihre 50-jährige Mitgliedschaft in der Partei - gemeinsam mit einigen anderen Genossen. Insgesamt 35 Jubilare ehrten die Sozialdemokraten im Klostersaal. Aus gesundheitlichen und anderen persönlichen Gründen konnten nicht alle dabei sein.

Oberbürgermeister Tim Kurzbach, selbst seit 14 Jahren SPD-Mitglied, überreichte den Parteifreunden die Urkunden für ihre 25-, 40- und 50-jährige Treue mit dem Unterbezirksvorsitzenden und Landtagsabgeordneten Josef Neumann, Vorstandsmitglied Ioanna Zacharaki und den Vorsitzenden des jeweiligen Ortsvereins. Denen sind viele der Jubilare auch am neuen Wohnort treu geblieben - wie Ernst Martin Walsken, der heute in Duisburg lebt. Von 1975 bis 1985 hatte der heute 68-Jährige im Solinger Stadtrat gesessen, danach folgten fast 20 Jahre im Düsseldorfer Landtag, teilweise als stellvertretender Fraktionsvorsitzender und finanzpolitischer Sprecher der Fraktion.

Nach einer derartigen Laufbahn in seiner Partei hatte es jedoch kurze Zeit nach seinem Eintritt im Jahr 1965 nicht unbedingt ausgesehen: Die mit Einschränkungen von Grundrechten verbundenen Notstandsgesetze, die die Große Koalition aus CDU und SPD unter großem Protest verabschiedete, stellten Walskens Loyalität auf eine Probe. "Am Ende der Diskussion innerhalb der Jusos war aber klar, dass ich in der Partei bleibe", erinnerte sich Walsken, der nicht ohne Stolz auch auf eigene Errungenschaften in der Klingenstadt blickt: "Wenn ich durch Solingen gehe, sehe ich einige Dinge, die ich mit auf den Weg gebracht habe", sagt der ehemalige Höhscheider und verweist unter anderem auf das Kunstmuseum in Gräfrath, für dessen Eröffnung er sich als Gründungsmitglied des Kunstvereins eingesetzt hatte - und das er noch heute unterstützt.

Im Gegensatz zu Walsken hat Karin Stock nie ein politisches Amt übernommen - was ihre Verbundenheit zur Sozialdemokratie jedoch keineswegs geringer macht. "Vor allem Willy Brandt und Helmut Schmidt als Parteigrößen haben mich geprägt", erklärt sie - und berichtet von ihren Erinnerungen an die großen Bundestagsdebatten zwischen dem langjährigen SPD-Fraktionschef Herbert Wehner und dem CSU-Vorsitzenden Franz-Josef Strauß. "Ich habe in einem Altenheim gearbeitet, und für eine Bewohnerin war es die größte Leidenschaft, sich die Diskussionen anzusehen."

Eine gesunde Streitkultur schätzt auch Ernst Martin Walsken - vermisst sie aber ein wenig in der Gegenwart innerhalb seiner Bundespartei: "Ich bedauere etwas die aktuelle Sprachlosigkeit zu bestimmten Themen in Berlin."

Quelle: RP
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