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Solingen
Ein "hervorragender Kliniker"

Solingen: Ein "hervorragender Kliniker"
Dr. Karl-Heinz Beckers geht jetzt in den (Un-) Ruhestand. Er hinterlässt eine gut aufgestellte Abteilung in der Ohligser St. Lukas Klinik. FOTO: Martin Kempner
Solingen. Chefarzt Dr. Karl-Heinz Beckers (Innere Medizin) verlässt die St. Lukas Klinik und geht in den Ruhestand. Von Fred Lothar Melchior

Vier Jahrzehnte hat Dr. Karl-Heinz Beckers in Kliniken gearbeitet, die letzten 27 Jahre war er Chefarzt der Inneren Medizin der St. Lukas Klinik. "Eine Ewigkeit" in den Augen des 65-Jährigen. Heute wird Beckers offiziell verabschiedet; Ende des Monats tritt er in den (Un-)Ruhestand und kommentiert: "Das geht manchmal schnell mit den Ewigkeiten." Es sei schon ein merkwürdiges Gefühl.

"Sie hinterlassen ein tolles Vermächtnis und eine gut aufgestellte Abteilung", gab gestern Krankenhaus-Direktor Johannes Wecker dem Mediziner mit auf den Weg. Er kenne keinen anderen Chefarzt, der die Entwicklung seiner Abteilung selbst so forciert habe - und dabei auch bewusst auf Einfluss in einigen Bereichen verzichtet habe, um sich auf andere zu konzentrieren.

Denn Beckers, der 1989 noch als Internist für alle Fachgebiete angetreten war, gab die Gastroenterologie in der Kplus Gruppe an Monheim ab und konzentrierte sich dafür auf die Onkologie. Beckers: "Das war eine Schwerpunktbildung, von der beide Häuser sehr profitiert haben." Richtig "hineingebissen" habe er sich in den Fachbereich: "Kein Kongress war vor mir sicher." Trotzdem befürwortete er später, dass sich die Onkologie verselbstständigte: "Das kann man als Chefarzt nicht nebenbei machen."

Dem hohen Aufwand hatte er bereits zuvor "schweren Herzens" sein "Hobby" opfern müssen: die Ultraschall-Diagnostik. Darüber hatte er in Bochum doziert und auch zahlreiche Kurse geleitet. Dafür gab es für ihn andere Höhepunkte an der St. Lukas Klinik: etwa 1992 die erste transösophageale Echokardiographie ("Schluckecho") in Solingen sowie Umgebung und Ende vergangenen Jahres die Einführung einer neuen Art von "Eventrekordern": Sie kontrollieren im Körper Schlaganfall gefährdeter Patienten den Herzrhythmus und senden ihn an die Klinik. Beckers: "Das war ein großer Fortschritt. Dadurch konnten einige Schlaganfälle verhindert werden."

Weniger wichtig ist dem Chefarzt, dass er und sein Team - das er ausdrücklich hervorhebt) - es vor zehn Jahren auf die Titelseite der RP schafften: In dem Jahr hatte sich eine 77-jährige Solingerin auf einer Insel im Indischen Ozean mit dem seltenen Chikungunya-Virus infiziert. Die Ärzte auf La Réunion konnten nicht helfen; die richtige Diagnose kam erst von Beckers, der Blutproben an ein Hamburger Institut für Tropenmedizin schicken ließ.

Die Bescheidenheit passt zu Dr. Karl-Heinz Beckers. Er sei nicht nur "absolut dafür zu loben, dass er die Trends erkannt und aufgegriffen hat", urteilt der Ärztliche Direktor Dr. Erich Theo Merholz, sondern auch für seine menschliche Größe. Der "hervorragende Kliniker" und "hoch innovative" Mediziner sei einer der letzten großen Allround-Internisten und wirke dabei auf Basis einer christlich-katholischen Überzeugung. Merholz: "Solche Vorbilder brauchen wir."

Beckers wird seine Patienten weiter betreuen. Er will, wahrscheinlich einen Tag pro Woche, in einer Ohligser Praxis Sprechstunden abhalten. Nachfolger als Chefarzt wird Dr. Gia Phuong Nguyen. Er arbeitet schon seit einigen Monaten als Leitender Oberarzt in der Klinik und wird die Gastroenterologie wieder zu einem Schwerpunkt machen. Sie war, nachdem das Monheimer Krankenhaus 2013 geschlossen wurde, zunächst in Haan angesiedelt worden. Dr. Karl-Heinz-Beckers: "Das wird sozusagen das Flaggschiff." Die Abteilung Innere Medizin hat 80 Betten und rund 2800 stationäre Fälle pro Jahr (St. Lukas Klinik insgesamt: etwa 10.800).

Quelle: RP
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