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Solingen
Ein Höhepunkt lokaler Sportgeschichte

Solingen: Ein Höhepunkt lokaler Sportgeschichte
FOTO: imago sportfotodienst
Solingen. Morgen tritt der Bergische HC beim Final Four des nationalen Handball-Pokals in Hamburg an. Es ist ein Meilenstein für den Klub, der vor zehn Jahren mit gebündelten Kräften der SG Solingen und des LTV Wuppertal begann. Von Thomas Rademacher

Christian Hoße gehört dem Bergischen HC seit der Gründung im Jahr 2006 an. Zwar spielte der Linksaußen damals noch in der A-Jugend, mit der er ein Jahr später die Deutsche Meisterschaft gewann, doch er ist der einzige aktive Spieler im Kader, der bis heute ununterbrochen ein Löwe war. Irgendwie passt es also, dass ausgerechnet der 27-Jährige den BHC zum vorläufigen Höhepunkt der sportlichen Vereinsgeschichte geworfen hat.

Mit einem Dreher von außen traf Hoße Sekunden vor Schluss im Viertelfinale des DHB-Pokals (nationaler Wettbewerb des Deutschen Handball Bundes) zum 24:23-Sieg gegen GWD Minden. Es war ein Moment, der über die sonst eher mäßige Saison ein wenig hinwegtröstete. "Dieses Tor erzielt zu haben, war eine Erfahrung, die ich wohl nie vergessen werde", meint Hoße. "Beim Final Four dabei zu sein, wird wohl einer der Höhepunkte sein, auf die ich am Ende meiner Karriere zurückblicken kann."

Mai 2011 Sebastian Hinze (l.), damals als Spieler, war beim den Aufstieg bedeutenden Sieg in Aue zu Tränen gerührt. FOTO: Eisenhuth, Gregor (geu)

Mit den Löwen, wie sich der BHC selbst nennt, hat Hoße viel erlebt. Einigen guten Jahren in der Zweiten Liga folgte der Aufstieg ins Oberhaus 2011, sowie der direkte Abstieg und erneute Sprung nach oben in den beiden folgenden Saisons. Seitdem hat die Mannschaft die Königsklasse des Handballs zwei Mal gehalten, wackelt in dieser Spielzeit aber bedenklich. Doch das zählt an diesem Wochenende wenig.

Denn der Pokal schreibt eine eigene Geschichte. Das sogenannte Final Four wird jedes Jahr in der Hamburger Barclaycard Arena ausgetragen und zählt zu den Höhepunkten des Handball-Jahres. Die gesamte Szene wird den BHC, wie noch nie zuvor, im Fokus haben, wenn er im Halbfinale gegen den SC Magdeburg antritt. Im Falle eines Sieges wartet Sonntag das Endspiel gegen die Rhein-Neckar Löwen oder die SG Flensburg-Handewitt.

Mai 2013 In Erlangen sichert sich der BHC die Erstliga-Rückkehr. FOTO: Gregor Eisenhuth

"Für dieses Wochenende werden wir unsere bedrohliche Situation in der Bundesliga vergessen und in einem K.o.-Spiel alles geben", weiß Hoße. "Und klar sind wir Außenseiter. Aber in so einem Duell geht alles. Wir glauben an unsere Chance." Zu verlieren hat die Mannschaft nichts. Alleine das Erreichen der prestigeträchtigen Veranstaltung ist nicht nur sportlich lohnenswert. Auch finanziell hilft es. Den Klub erwartet eine Einnahme im sechsstelligen Bereich. Alles, was jetzt noch kommt, würde dem Erfolg nur noch die Krone aufsetzen.

Im Gesamtbild hat sich der Bergische HC seit der Gründung sportlich stetig weiterentwickelt. "Das ist einer der Gründe, warum ich immer hier geblieben bin", sagt Hoße. Der gebürtige Haaner ist auch beim Abstieg 2012 geblieben. "Auch, weil ich es genieße, den Profisport in meiner Heimat betreiben zu können. Aber grundsätzlich kann man sagen, dass die Fusionierung gut gelungen ist. Als Spieler bemerken wir auch kaum noch so etwas, dass Solinger ungern nach Wuppertal kommen oder umgedreht." Die Tatsache, dass der Spielbetrieb stets in zwei Heimathallen stattfindet, stört den Rechtshänder kaum. "Wir sind daran gewöhnt, in der Klingen- und Unihalle anzutreten."

Mai 2015 Mit einem Auswärtssieg bei den Füchsen Berlin machen die Löwen den Klassenerhalt perfekt.

Aus Sicht des Linksaußen führt aber kein Weg am Bau einer neuen Bergischen Arena vorbei: "Langfristig halte ich es nicht für konkurrenzfähig vor 2500 bis 3000 Zuschauern anzutreten". Dazu kommt, dass eine moderne Halle viel interessanter für Sponsoren wäre und zudem nicht nur der Handballfan, sondern auch der Gelegenheitszuschauer vorbeikommen würde. Am Ziel ist der BHC demnach noch lange nicht. Auch nicht sportlich - denn in dieser Saison ist der Wurm drin. Gerade elf Punkte haben die Löwen bislang geholt. Und es ist geradezu schmeichelhaft, dass die Mannschaft damit nicht auf einem Abstiegsplatz steht.

"Ich bin überzeugt, dass wir es schaffen - wir haben das Glück, zum richtigen Zeitpunkt eine schwache Saison zu spielen." Denn durch die Insolvenz des HSV Handball steigen nur noch zwei weitere Teams ab. Und mit dem ThSV Eisenach und dem TuS N-Lübbecke sind zwei Mannschaften bislang schwächer als der BHC.

Entspannt ist die Lage sechs Spieltage vor Schluss aber nicht. So gibt Christian Hoße zu: "Es ist schon so, dass die Liga Vorrang hat. Der Pokal ist jetzt eher zum Genießen." Die Saison im Oberhaus geht am 7. Mai wieder los. Und wer kommt da in die Wuppertaler Unihalle ? Ausgerechnet der SC Magdeburg, den die Löwen schon morgen besiegen wollen. "Am liebsten würde ich beide Spiele gewinnen. Aber wenn ich mich wirklich entscheiden müsste, würde ich den Sieg in der Liga nehmen - weil er einfach wichtiger für uns ist."

Denn eines will Christian Hoße nicht mehr miterleben: einen Abstieg. "In der Abstiegssaison hatte ich mehrere bittere Momente. Ich bin mit einer Schulterverletzung ein gutes halbes Jahr ausgefallen und musste mit ansehen, wie wir eine Acht-Tore-Führung gegen Lemgo aus der Hand gegeben haben. Bei allen schönen Erinnerungen war diese eine der schlimmsten, ohne selbst mitgespielt zu haben."

Quelle: RP
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