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Bernd Krebs
"Ein Höhepunkt war die Baumschutzsatzung"

Bernd Krebs: "Ein Höhepunkt war die Baumschutzsatzung"
Der CDU-Politiker Bernd Krebs ist seit 1969 im Stadtrat und wird sich auch weiter für die Kommune engagieren. FOTO: Melchior
Solingen. Vollblut-Politiker trat im Naturschutzbeirat in die zweite Reihe und versucht auch sonst, seine vielfältigen Aktivitäten ein wenig zu reduzieren.

Sie haben gerade den Vorsitz im Naturschutzbeirat an Henning Pless abgegeben. Beginnt damit eine etwas ruhigere Zeit in Ihrem Leben?

Krebs Ich gehöre dem Stadtrat seit der Kommunalwahl 1969 ununterbrochen an - also bald 50 Jahre - und will die Arbeit für die Kommune ja nicht einstellen, aber etwas reduzieren. Auch im Naturschutzbeirat, den ich seit 44 Jahren, also von Anfang an, geleitet habe, bleibe ich ja als stellvertretender Vorsitzender auf Vorschlag der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald aktiv.

In 44 Jahren ist viel geschehen. Welche wichtigen Entscheidungen sind Ihnen vor allem im Gedächtnis geblieben?

Krebs Einer der Höhepunkte war sicher die Schaffung der Baumschutzsatzung im Jahr 1977. Es war die erste in der gesamten Bundesrepublik. Sie wurde als Mustersatzung vom Deutschen Städtetag übernommen, weil sie bürgerfreundlich ist. Bäume in der Stadt erzeugen eine hohe Lebensqualität, etwa bei der Luftreinhaltung und dem Schallschutz. Das vergessen manche, wenn sie sich im Herbst über die fallenden Blätter ärgern. Dass die Satzung weiterentwickelt wurde, anders als etwa in Wuppertal, daran erinnere ich mich mit großer Zufriedenheit. Auch die 1962 gegründete Waldschule, eine private Einrichtung, ist eine wunderschöne Errungenschaft. Die Idee, junge Menschen mit der Natur aufwachsen zu lassen, wurde ebenfalls von anderen Städten übernommen.

Naturschutz berührt Sie auch in Ihrer Funktion als Vorsitzender des Planungsausschusses.

Krebs In Solingen sind ungefähr 60 Prozent des Stadtgebiets grün. Einige Menschen schließen daraus fälschlicherweise, dass wir noch genug Flächen haben, um dort Gewerbe anzusiedeln. Was wir stattdessen ganz dringend brauchen, ist ein Brachflächenkataster. Es soll in den kommenden Monaten vorliegen; wahrscheinlich können wir es im nächsten Frühjahr abschließend im Planungsausschuss beraten. Nötig ist auch, dass die Stadt den Unternehmen mehr als bisher Handreichungen anbietet.

Äcker und Wiesen werden nicht nur zur Gewerbeansiedlung freigegeben, sondern auch für neue Wohnhäuser. Oft mit dem Argument, dass man gehobenes Wohnen in Solingen ermöglichen muss.

Krebs Ich habe das Gefühl, dass in der Vergangenheit bestimmte Gebiete unter dem Einfluss von Interessenten entwickelt werden. Wir dürfen nicht die Büchse der Pandora öffnen und immer nur die Diskussion "Ran an die Grünflächen" führen. Anders ist es beispielsweise beim alten Ohligser Stadion: Dort ist Wohnbebauung optimal. Es muss unser gemeinsames Ziel sein, diese Stadt lebenswert zu erhalten. Ich definiere den Vorsitz eines Ausschusses so, dass es nicht primär eine parteipolitisch ausgerichtete Aufgabe ist. Dabei gibt es keine Denkverbote - über Parteigrenzen hinweg.

Als ehemaliger Fraktionsvorsitzender engagieren Sie sich weiter in der CDU.

Krebs Ich betrachte vieles jetzt weitgehend von außen; im Kreisparteivorstand bin ich nicht mehr tätig. Das lässt mir mehr Zeit für die Familie. Die Partei stellt sich gerade mit Blick auf die Kommunalwahl im Jahr 2020 auf.

Wollen Sie auch bei Ihren vielen ehrenamtlichen Aufgaben etwas kürzer treten? Beim Förderverein der Städtepartnerschaft zwischen Solingen und Blyth, dem Sie als stellvertretender Vorsitzender angehören, werden sich ja Jüngere wie Jan Claudius Salewski und Manoucher Thomas Sharegi einbringen.

Krebs Es ist richtig, die Vorstandsarbeit auf breitere Füße zu stellen. Ich muss langsam schauen, dass man die Aufgaben reduziert und junge Menschen heranführt. Dies gilt auch für den Freundeskreis Solingen-Ness Ziona.

Die Städtepartnerschaft mit der israelischen Stadt besteht seit 30 Jahren. Den Freundeskreis haben Sie vor 22 Jahren gegründet. Wie steht der Verein heute da?

Krebs Wir haben 52 Mitglieder. Sprunghaft entwickelt sich die Mitgliedschaft nicht. Da gilt eher: Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen. Wie bei den anderen Freundeskreisen erfüllen wir Aufgaben, die eigentlich die Stadt übernehmen müsste. Im Fall von Ness Ziona geht es hauptsächlich um Jugendarbeit und Schüleraustausch. Das sind die tragenden Säulen. Bei der Alexander-Coppel-Gesamtschule, die eine Partnerschule in Ness Ziona hat, helfen wir beispielsweise seit Jahren, unterstützen etwa die neuen Lehrer, die die Partnerschaft gestalten. Die großen Geburtstage stehen im nächsten Jahr an: Dann blickt Ness Ziona auf 135 Jahre zurück, der israelische Staat auf 70 Jahre.

Fast zeitgleich mit Schülern des Humboldtgymnasiums, die Kontakte zu einer Highschool in Tel Aviv haben, waren Sie gerade als Teil einer Solinger Wirtschaftsdelegation in Ness Ziona. Mit welchem Erfolg?

Krebs Wir sind zu israelischen Start-up-Firmen gefahren und haben die Gelegenheit genutzt, uns beim Bürgermeister von Ness Ziona für mehr Intensität in der Städtepartnerschaft einzusetzen. Bei der Reise mit einem von der Deutsch-Israelischen Handelskammer erstellten Programm - auf Anregung der Wirtschaftsförderung Solingen und des Oberbürgermeisters - wurden wichtige Kontakte geknüpft. An der Peripherie von Ness Ziona siedeln sich immer mehr Universitätsabsolventen an, die Unternehmen gründen. Viele von ihnen wollen nach Deutschland, hauptsächlich nach Berlin. Solingen haben sie gar nicht auf dem Schirm, obwohl es im Städtedreieck unglaublich viel Entwicklungspotenzial gibt. Am Ende der Reise waren bereits ein halbes Dutzend Kontakte geknüpft. Als Höhepunkt kann man ein Treffen mit dem israelischen Wirtschaftsminister bezeichnen.

FRED LOTHAR MELCHIOR FÜHRTE DAS GESPRÄCH

Quelle: RP
 
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