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Solingen
Ein Künstlerdrama

Solingen. Mit der Oper "La Bohème" startet das Kulturmanagement in die Serie Musiktheater. Von Michael Tesch

In seiner Oper "La Bohème" zeichnet Giacomo Puccini auf Grundlage des Libretto von Luigi Illica und Giuseppe Giacosa (nach dem Roman "Les Scènes de la Vie de Bohème" von Henri Murger) wirklichkeitsnahe Bilder des großstädtischen Lebens und des sozialen Außenseitertums - schonungslos und direkt. Für die Regisseurin Gabriele Wiesmüller ist das Thema der 1896 im Teatro Regio in Turin uraufgeführten Oper immer noch aktuell, denn man vergisst heute bei der Menge von Stars und Sternchen, die die Medienwelt hervorbringt, gern, dass die meisten Künstler mittellos sind. "La Bohème" erzählt von Menschen in prekären Verhältnissen, deren Kunst keine Beachtung findet.

Wiesmüller hat die Erfolgsoper Puccinis für das Landestheater Detmold inszeniert, wo die Produktion im September 2015 auch Premiere feierte. Zeitlich hat Wiesmüller "La Bohème" trotz aller möglicher aktuellen Bezüge allerdings in die Zeit der Uraufführung zurückverlegt: "Ich habe mir die Frage gestellt, welche Sehnsüchte und welche Lebensgier sich an welchen Momenten entzünden." In der Ausstattung wurde aber auf den damaligen Zuckerbäcker-Stil verzichtet. "Es geht darum, das Innere nach außen zu kehren", erklärte Bühnen- und Kostümbildnerin Petra Mollérus anlässlich der Premiere.

Mit einem Gastspiel der Detmolder Inszenierung "La Bohème" im Pina-Bausch-Saal startet am 6. Oktober die Reihe Musiktheater des Solinger Kulturmanagements in die neue Spielzeit 2016/17. Eine weitere Aufführung gibt es am 7. Oktober, beide beginnen jeweils um 19.30 Uhr. Im Orchestergraben spielen die Bergischen Symphoniker unter der musikalische Leitung von Lutz Rademacher.

Noch mit einer weiteren Musiktheater-Produktion wird das Landestheater Detmold in der neuen Spielzeit in Solingen gastieren - mit "Zar und Zimmermann" von Albert Lortzing. In der Komischen Oper reist der russische Zar Peter I. nach Holland, um sich in einer Werft die Kunst des Schiffbaus anzueignen. Als Peter Michalow freundet er sich mit dem Zimmermann Peter Iwanow an. Dieser ist nicht nur Handwerker, sondern auch ein Deserteur und verliebt in die Nichte des inkompetenten Bürgermeisters. Zwei Peter an einem Ort, das ruft natürlich geradezu nach einer Verwechslungsgeschichte, vor allem, nachdem bekannt wird, dass sich der Zar Peter I. in der Stadt aufhalten soll.

"Zar und Zimmermann" von Albert Lortzing ist am 17. und 18. März 2017 im Pina-Bausch-Saal des Theater und Konzerthauses zu sehen. Es spielen die Bergischen Symphoniker.

Nach der eher anspruchsvollen, aber durchweg hoch gelobten Eigeninszenierung von Mozarts "Titus" präsentiert das Kulturmanagement in der neuen Spielzeit eher leichte Kost als Hausproduktion: die Operette "Land des Lächelns" von Franz Lehár. Produziert wird die Solinger Eigeninszenierung wieder in der bewährten Kooperation mit der Hochschule für Musik und Tanz in Köln. Fanz Lehár hat mit "Das Land des Lächelns" eine "Verzicht-Operette" kreiert. Die Liebenden kriegen sich in dem Stück nämlich am Ende nicht. Als Entschädigung dafür erhalten die Zuschauer allerdings wunderbare Musik, denn eine Arie ist schöner als die andere: "Dein ist mein ganzes Herz", "Immer nur lächeln" oder "Im Salon zur blauen Pagod". Es inszeniert Igor Folwill, es spielen die Bergischen Symphoniker unter der Leitung von Generalmusikdirektor Peter Kuhn. Auch der hauseigene Theaterchor wird wieder auf der Bühne zu erleben sein. Dreimal wird "Land des Lächelns" im Pina-Bausch-Saal gespielt. Premiere ist am 17. Mai 2017, weitere Aufführungen gibt es am 19. und 20. Mai. Im Remscheider Teo-Otto-Theater ist die Eigeninszenierung am 27. und 28. Mai zu erleben.

Quelle: RP
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