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Solingen
Ein musikalischer Brückenschlag

Solingen. Dem weltbekannten Klarinettisten stand bei seinem Auftritt in Solingen das "Rastrelli Cello Quartett" zur Seite. Von Wolfgang Günther

Giora Feidmans musikalischer Beitrag im Rahmen der Verleihung des Preises "Schärfste Klinge" an die Schriftstellerin Herta Müller ist noch bestens in Erinnerung. Jetzt kehrte der Musiker mit neuen Partnern in die Klingenstadt zurück - und das Konzert mit den vier Cellisten des "Rastrelli Cello Quartetts" war für die Zuhörer eine aufregende Reise in eine neue musikalische Dimension des Weltstars und Humanisten.

"Klezmer Bridges" lautete der Titel des Abends in der Lutherkirche, die mit rund 450 Zuhörern sehr gut besucht war. Klezmer, die Musik der Juden aus Osteuropa, beschäftigt Giora Feidman seit vielen Jahrzehnten. Aber diese Musik ist für ihn nur die Basis, auf der sich sein ganzes, unglaubliches Musikrepertoire aufbaut. Mit fast unhörbar gehauchten Tönen auf seiner Klarinette trat Feidman den Weg vom Eingang zum Altarraum an. Und diese leisen Töne wurden schnell zum mitreißenden "Hava Nagila", dem jüdischen Hochzeitstanz.

Immer wieder griff Giora Feidman auch zur Altklarinette. Der schöne, tiefe und sonore Klang bei immer noch praktischer Größe und interessantem Aussehen macht sie zu einem attraktiven Instrument. Die Künstler des "Rastrelli Cello Quartetts" standen Feidman als kongeniale Partner zur Seite. Mehr noch, sie erlaubten ihm oft eine Pause, denn die Musik von den vier großen Streichinstrumenten rissen die Zuhörer immer wieder zu einem Begeisterungssturm hin. Aus der Hauptmelodie der mittelalterlichen Gesänge "Carmina Burana" machten die vier Cello-Virtuosen eine tollkühne Reise hin zum Jazzklassiker "Take Five" von Dave Brubeck. So ging es oft zu bei diesem überraschenden Konzert, ausgehend von der Klezmer-Musik ging die Fahrt zu spanischen Tänzen und südamerikanischen Rhythmen, kehrte aber immer wieder zu ihrem Ursprung zurück. Giora Feidman ist nicht nur ein Musiker der Extraklasse, er ist dazu auch ein suchender Humanist. Musikalisch verband er die Nationalhymnen Deutschlands, Israels und Palästinas zu einer kleinen Suite, leider sieht die Wirklichkeit anders aus. Im März wird Giora Feidman 80 Jahre alt, das ist für ihn aber kein Grund zum Feiern. "Ich fühle mich durchaus nicht alt, nur mein Management möchte diesen runden Geburtstag feiern, mir ist das gleichgültig", erzählte der Musiker. "Ich habe mit meiner Musik eine Aufgabe zugeteilt bekommen, und daran halte ich fest."

Seine Klarinette flüstert, singt und packt auch energisch zu. Ob es nun Bach, Mozart oder Klezmer ist, Feidman steht stets im Mittelpunkt, um ihn drehen sich seine Mitstreiter, die vom gleich großen Kaliber sind. Lauter Jubel in der Lutherkirche führte zu einer Zugabe, bei der Feidman und das Cello Quartett ihre Virtuosität noch einmal auf die Spitze trieben.

Quelle: RP
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