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Solingen
Ein Schönheitsnachmittag für Flüchtlingsfrauen

Solingen. Gesichtscreme, Mascara, Lippenstift, Nagellack, Lidschatten - überall Tiegel, Tuben, Fläschchen. Der Samstagnachmittag stand im Zeichen von Wellness und Beauty im Kinder- und Jugendtreff Aufderhöhe. Die Kreisvereinigung Solingen hatte die Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt. Die Veranstaltung des Events aber war eine Privatinitiative der engagierten Solingerinnen Raica Vermeeren, im Hauptberuf Hebamme, und Steffi Münch, Deutschlehrerin für Flüchtlinge. Von Güdny Schneider-Mombaur

Die Idee, so erzählen die Organisatorinnen, entstand bei der Lektüre eines Buches der Journalistin Henriette Schröder, die 2014 eine Sammlung von Interviews mit Frauen verschiedener Kulturkreise vorlegte, die Krieg, Flucht, Verfolgung, Inhaftierung oder diktatorische Regime durchlebt haben. Die Frauen, darunter auch die Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller, berichten, wie wichtig es in Situationen größter Not war, ein gepflegtes Äußeres und damit einen Rest von Haltung und Selbstachtung zu bewahren.

"Ein Hauch von Lippenstift für die Würde" war Anstoß für Raica Vermeegen und Steffi Münch, den weiblichen Flüchtlingen in Solingen das Angebot eines Beauty-Refugee-Tages zu machen. "Ein gepflegtes Äußeres kann den Frauen ihre Basis an Selbstwertgefühl zurückgeben. Wir möchten sie in ihrer Weiblichkeit und Schönheit unterstützen", so formulieren die Organisatorinnen ihr Anliegen.

Sie haben Freundinnen gebeten, Schmink- und Pflegeprodukte zu spenden, haben befreundete Profis wie die Make-Up-Artistin Sandra Dederichs, die Modedesignerin Claudia Palazzolo, die Physiotherapeutinnen Monika Mauracher und Marie Radke sowie viele weitere ehrenamtliche Helferinnen gewonnen, ihr Know-how zum Wohle der Flüchtlinge einzusetzen.

Rund 50 junge Frauen und Mütter mit ihren Kindern aus Eritrea, dem Irak, Syrien, Nigeria, Äthiopien sind aus Solinger Flüchtlingsunterkünften nach Aufderhöhe gekommen, meist in Begleitung der vor Ort arbeitenden Ehrenamtlerinnen. Auch Dolmetscherinnen für Farsi und Arabisch stehen zur Verfügung, aber die Kommunikation klappt fast ohne Worte. Während die Kinder unter einem Zirkuszelt betreut werden, erzählt eine junge Syrerin, wie dankbar sie ist. Das nächste Mal werde sie ihre Mutter eine Massage mitbringen, sagt die Frau.

Im geschützten Raum der Veranstaltung verlieren die Frauen schnell ihre Scheu, nutzen Maniküre und Schminken, probieren Masken, genießen Massagen oder eine Fußwaschung, die im Orient eine Handlung ist, die Gastfreundschaft symbolisiert. Wegen der großen Resonanz und um noch mehr Frauen zu erreichen, planen die Veranstalterinnen eine Wiederholung des Schönheitstages nach Ramadan.

Quelle: RP
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