| 00.00 Uhr

Solingen
Ein seltenes musikalisches Juwel zum Glänzen gebracht

Solingen. Alexandre Guilmant? Zu seiner Zeit war er hoch geschätzt. Heute ist er fast vergessen. Dem Freund der Orgelmusik sagt sein Name noch etwas. Aber Aufführungen seiner Werke muss man schon suchen wie die Nadel im Heuhaufen. Man mag sich fragen, warum der 1837 geborene, französische Romantiker derart in der Versenkung verschwunden ist? Ein Grund mag sein, dass Guilmant als Kirchenmusiker seine Werke überwiegend für den sakralen Gebrauch schrieb. Von Jan Crummenerl

Aber das erklärt wenig. Oder mag es am Chauvinismus des 19. Jahrhunderts liegen? Da wurde bekanntlich in deutschen Landen nicht viel von dem gehalten, was die Nachbarn links des Rheines so fabrizierten. Wie dem auch sei, am Sonntagabend konnten sich die Zuhörer in St. Suitbertus davon überzeugen, welche Schätze es im Werk von Guilmant zu entdecken gibt. Mit der 3. Messe, der Troisieme Messe Solennelle op. 11, brachte die Zusammenarbeit des Kirchenchores Cäcilia Weeg und der Evangelischen Kantorei Ohligs ein musikalisches Juwel zum Glänzen.

Mit gerade einmal 20 Jahren schrieb Guilmant diese Messe. Wer die Ohren aufsperrte, konnte hören, dass der junge Mann seinen Cherubini und Schubert genau studiert - und zudem eine höchst originelle Musik geschaffen hat: mehr musikalische Andacht als äußerer Effekt. Unter der Gesamtleitung von Kantor Jochen Stein modellierte der gemeinsame Chor eine klangvolle und nuancenreiche Aufführung.

Schon das einleitende "Kyrie eleison" gestalteten die Sänger zart und melodiös dahingleitend. Markanter Kontrast dazu war das nur von Männerstimmen und Orgel beherrschte "Christe eleison" als höchst gelungener Mittelabschnitt. Vom freudig und festlich genommenen "Gloria" bis hin zum sanft entschwebenden "dona nobis pacem" des abschließenden "Agnus dei" gelang es den Musikern, einen differenzierten Spannungsbogen aufzubauen. Das galt besonders für das "Credo" als vielgestaltigsten Teil dieser Messe. Hier konnten auch die kontrapunktischen Künste des Komponisten wirkungsvoll ausgekostet werden.

Rhythmisch verstörend und zugleich beruhigend ausgependelt erhob sich kraftvoll in den tiefen Stimmen beginnend das Fugato über die Auferstehung: "Et resurrexit". Ähnlich eindrucksvoll wurde das eigenwillige Fugenthema des "Et vitam venturi saeculi" gestaltet. An solchen musikalischen Kunststücken hätte der alte Bach bestimmt seine Freude gehabt. So umrahmten Präludium und Fuge Es-Dur BWV 552 von Johann Sebastian Bach die Messe. Die Ohligser Kantorin Birgit Rhode begleitete nicht nur feinfühlig führend den Chor während der Guilmant-Messe an der Orgel, sondern bildete mit diesem Bach-Werk einen solistischen Kontrast. Strahlend, gewichtig und gemessen gelang das mehrteilige Präludium mit seinen verspielt witzigen Zwischenteilen: fast schon ein Konzert für Orgel solo. Mit großer Durchhörbarkeit gelang Rhode das dichte Stimmengeflecht der abschließenden Fuge mit ihren markanten, zum Schluss jubelnden Themen. Nicht zu vergessen waren die drei Solisten der Messe. Feingliedrig, klar und doch raumfüllend präsentierten sich Astrid Butz (Sopran), Florian Simson (Tenor) und Bernhard Hüsgen (Bass) sowohl im Wechsel mit dem Chor als auch als apartes Trio etwa im "Benedictus".

"Es ist eine schöne Fügung, dass gerade zu Beginn meiner Amtszeit ein solch ökumenisches Projekt wie dieses Konzert steht", sagte einführend Pfarrer Michael Mohr und betonte damit die Offenheit der Weeger Pfarrgemeinde. Und das gemeinsame, katholisch-evangelische Konzert diente zudem auch einem guten Zweck: Nach der Aufführung konnten die Besucher für die Renovierung der Orgel von St. Suitbertus spenden.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Solingen: Ein seltenes musikalisches Juwel zum Glänzen gebracht


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.