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Solingen
Ein Stadtteil als "Lebensgefühl"

Solingen. Nur wenige Stunden, nachdem sich die letzten Partygäste nach dem Konzert zweier Bands beschwingt auf den Heimweg gemacht hatten, füllte sich die Ohligser Festhalle gestern Morgen erneut - diesmal zu einer Veranstaltung mit förmlicherem Charakter: Joachim Junker von den Ohligser Jongens führte durch den offiziellen Festakt zum 125-jährigen Ohligser Stadtjubiläum. Wer allerdings dröge Politiker-Festreden befürchtet hatte, wurde eines Besseren belehrt: So wartete Oberbürgermeister Tim Kurzbach mit einer Anekdote über die Suche nach dem geeigneten Wappen für die neue "Stadt Ohligs" im Jahr 1891 auf: Mit dieser Aufgabe wollte die Verwaltung im Bergischen Land zunächst das Berliner Heroldsamt betrauen, das sich prompt als nicht zuständig betrachtete. "Schon damals war es keine gute Idee, offene Anfragen an Behörden zu schicken", kommentierte Kurzbach scherzhaft die komplizierte Entscheidungsfindung. Fünf Jahre, mehrere Behördengänge und diverse aberwitzige Entwürfe später war schließlich das Wappen gefunden, das auch gestern links und rechts der Bühne prangte: Mit dem geflügelten Rad als Symbol für die Bahnstrecke, sieben Sternen, die für die Hofschaften stehen, und der damals in Stadtwappen obligatorischen Mauerkrone.

Auch wenn die eigenständige Stadt Ohligs als Nachfolger der Bürgermeisterei Merscheid nur 38 Jahre lang existierte, um dann als Stadtteil in Solingen aufzugehen - an der eigenen Identität und dem speziellen "Lebensgefühl" der Einwohner habe das nicht rütteln können, sagte der bekennende Ohligser Kurzbach: "Was Bayern in Deutschland ist, ist Ohligs in Solingen."

Bester Laune zeigte sich in Gegenwart mehrerer Amtskollegen aus anderen Stadtteilen auch Bezirksbürgermeister Marc Westkämper, der das werbewirksame Kürzel "OLX" - freilich nicht ganz ernst gemeint - als neues Autokennzeichen ins Gespräch brachte. Beide Redner hoben die Bedeutung hervor, die der Stadtteil nicht nur wegen seiner Größe, sondern auch seiner Anziehungskraft auf Neubürger aus dem Umland und der Nähe zur Rheinschiene habe.

Und auch die Gegenwart und Zukunft des Stadtteils kamen beim Festakt nicht zu kurz: Dr. Frank Lungenstraß von der Walter-Horn-Gesellschaft referierte über das Galileum. Und einen Seitenhieb auf die Investorin des noch immer nicht realisierten O-Quartiers konnte sich der Oberbürgermeister schließlich ebenso nicht verkneifen: "Eigentum verpflichtet, das gilt auch für Damen in Bayreuth."

(rdl)
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