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Solingen
Ein starkes Finale von Michael Forster

Solingen: Ein starkes Finale von Michael Forster
Mit Bach und Mahler hat sich Michael Forster als Leiter des Orchestervereins verabschiedet. FOTO: Stephan Köhlen
Solingen. Mit Bach und Mahler verabschiedete sich Michael Forster nach 15 Jahren vom Orchesterverein Solingen. Von Cyrill Stoletzky

Fünfzehn Jahre hat er mit ihnen an Stücken gefeilt. Hat begeisterte Laienmusiker zu Top-Leistungen motiviert und die Konzerte im Mercedes-Benz-Haus an der Schlagbaumer Straße zum festen Element des Solinger Kulturlebens gemacht. Am Sonntag stand Michael Forster zum letzten Mal am Pult des Orchestervereins - und legte ein fulminantes Finale hin.

Bach und Mahler - das stand auf dem Spielplan. Damit bewies Forster Mut. Doch der zahlte sich aus. Man erlebte zunächst eine wunderschön geschlossene Darbietung der Kantate "Ich habe genug", die Bach 1827 für das Fest der Mariä Reinigung verfasste und die die Sehnsucht des Simeon schildert, mit Gott vereint zu werden. Der Kölner Bariton Christoph Scheeben sang seinen Part kraftvoll und mit tief empfundener Inbrunst. Er konnte auf ein aufgeräumtes, stimmiges Orchester bauen: Klare Stimmführungen, gut abgestimmte Instrumentalgruppen, gute Gesang-Ensemble-Integration, sehr schöner barocker Gesamtsound. Stark schon die erste Arie mit getragener Introduktion, überzeugend das von sauberem Cembalo-und Cello-Dialog flankierte zweite Rezitativ, fließend und elegant die "Schlummer-Arie", die in der hell und klar intonierten Schluss-Arie ihren runden Abschluss fand. Das passte.

Nach der Pause folgte großes spätromantisches-Orchesterszenario. Mahlers 1899 komponierte 4. Symphonie benötigt ein kleineres Orchester als die übrigen acht, zeigt aber dennoch die typische, vom Kontrast zwischen Beschwingtheit und dramatischem Ausbruch geprägte, von grotesken Momenten durchbrochene, visionär in die Moderne weisende Tonsprache des Österreichers. Genau die klang in allen Sätzen authentisch durch. Überzeugend der Hauptsatz mit liedhaftem Beginn, elegant phrasierten crescendi und sauberen Solostimmen, die in einer dicht gewebten, expressiven Durchführung kulminierten. Auch das spukhafte Scherzo überzeugte, wie auch das Adagio, das seine klanglich stärksten Momente zur Mitte entwickelte. Der vierte Satz war ein inniger Dialog des Orchesters mit der Kölner Sopranistin Theresa Nelles, die die vier Strophen des Gedichtes "Das himmlische Leben" aus "Des Knaben Wunderhorn" mit lyrischer Empfindsamkeit entwickelte - getragen vom klangschönen Ensemble. Innig das orchestrale Vorspiel, akzentuiert die Zitate des Anfangsmotivs des ersten Satzes, dramaturgisch stimmig die Steigerung in der zweiten Strophe, in der das Orchester das Vorwärtsdrängen des Gesangs aufnimmt. Mystisch im Nichts lassen Harfe und Oboe die Symphonie ausklingen. Eine tolle Leistung, ein großes Finale für Michael Forster: "Mein Ziel war immer, die Musiker in unterschiedliche musikalische Situationen zu bringen. Bach und Spätromantik hatten wir noch nicht - das haben wir nachgeholt."

Einfach war es nicht, "denn wir konnten nie in voller Besetzung proben." 15 Jahre Orchesterverein waren für den stellvertretenden 1. Solooboisten der Bergischen Symphoniker eine enorme Bereicherung. "Ich wollte das Ensemble zusammen halten. Wollte, dass in jeder Probe gelacht, gelernt und musiziert wird. Ich habe Hochachtung vor Menschen, die sich neben ihrem Beruf so sehr für Musik engagieren." Warum er geht? "Weil nach 15 Jahren ein Neuer ran muss. Es ist eine Kopfentscheidung." Fortan wird Clemens Fieguth am Pult des Orchestervereins Solingen stehen. Er übernimmt ein starkes Ensemble.

Quelle: RP
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